Weniger Gewaltkriminalität in Gmünd
Erfreulich: Der Gewaltkriminalität in Schwäbisch Gmünd ist die Spitze gebrochen. Insgesamt ist die Kriminalität in der Stadt leicht rückläufig. „Gmünd gehört zu den sichersten Städten in Baden-Württemberg“, sagt Kripo-Chef Hermann Staudenmaier. Von Reinhard Wagenblast
Die Kriminalitätsentwicklung ist eines der Felder, auf denen man mit Mittelmaß zufrieden sein kann: Im statistischen Ranking der großen Kreisstädte steht Schwäbisch Gmünd auf einem Mittelplatz, Städte wie Göppingen, Backnang und Winnenden verzeichnen mehr Kriminalität. Gmünds Polizeichefs Helmut Argauer und Hermann Staudenmaier stellten die polizeiliche Kriminalstatistik für die Stadt am Mittwoch im Rathaus vor.
Wie der Ostalbkreis gehört auch Gmünd zu den sichersten Landkreisen bzw. Städten Baden-Württembergs. Die Kriminalität in der Stadt ist leicht rückläufig, insgesamt bewegt sie sich auf dem Niveau der Vorjahre.
3521 Straftaten in Gmünd wurden der Polizei im vergangenen Jahr bekannt,
54 Fälle (
1,
5 Prozent) weniger als
2007. Die Aufklärungsquote stieg von
55,
4 auf
59,
6 Prozent an und liegt damit wieder etwas über dem Landesdurchschnitt von
58,
8 Prozent.
Ein Problem hatte die Stadt
2007 mit der Gewaltkriminalität, „diese Entwicklung konnte gestoppt werden“, so Hermann Staudenmaier. Man erinnert sich an die Krawalle überwiegend jugendlicher Randalierer auf dem Kalten Markt, die in Verbund mit dem „Katalysator“ Alkohol eskalierten. Derzeit ist in Aalen eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Mit viel „Manpower“ der Bereitschaftspolizei sei dem Treiben ein Ende bereitet worden, „die Bepo bedient uns überdurchschnittlich“, lobt Helmut Argauer, „wir sind froh, dass wir sie haben.“ Auch die Zusammenarbeit mit dem KOD (Kommunalen Ordnungsdienst) hob Argauer in diesem Zusammenhang hervor. Besonders verringert haben sich in Gmünd die Rohheitsdelikte (Körperverletzung usw.). Hier wurden
502 Fälle registriert, gut zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Außerdem ging die Zahl der schweren Diebstähle (
1405 Fälle, minus
5,
3 Prozent) der Gewaltkriminalität (
189 Fälle, minus
6 Prozent) und der Straßenkriminalität (
50 Fälle weniger, minus
6,
9 Prozent) zurück. Unter dieser Kategorie werden Diebstähle, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Raubdelikte zusammengefasst. Schwere Diebstähle nahmen ab, Ladendiebstähle hingegen nahmen zu, worauf die Polizei mit mehr Präventions-veranstaltungen reagiert.
Besondere Zunahmen verzeichnete die Statistik bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Hier sticht die Verdoppelung auf
38 Fälle ins Auge, wobei es sich überwiegend um Internet-Kriminalität handelt, „Kinderpornographie im Netz ist ein Problem.“ Auch der einfache Diebstahl nahm etwas zu (
4,
3 Prozent;
38 Fälle mehr), die Vermögens– und Fälschungsdelikte (plus
15,
7 Prozent,
60 Fälle mehr), worunter vorwiegend der Missbrauch von EC-Karten gemeint ist, und die Rauschgiftkriminalität (
49,
7 Prozent,
75 Fälle mehr). Spezifikum der Rauschgiftkriminalität ist, dass es sich um so genannten „Holkriminalität“ handelt — wo viel ermittelt wird, kommt vieles ans Licht.
2007 hatte die Polizei weniger Kapazität auf diesem Gebiet, jetzt werden wieder acht Beamte eingesetzt. Den Schwerpunkt legte man auf die Ermittlungen gegen Dealer und Hintermänner. So wurden im vergangenen Jahr
13 Haftbefehle ausgesprochen, „das ist nicht ganz einfach, der gewerbsmäßige Rauschgifthandel muss dokumentiert sein.“ Darunter fielen auch Personen aus der Bocksgassen-Szene. Gmünd sei nach wie vor ein Schwerpunkt der Rauschgift-Kriminalität, „das liegt an der Verfügbarkeit.“ Wobei Hermann Staudenmaier einräumt, dass sich die ethnischen Gruppen zurückziehen in eine Kontaktszene, „an Russen und Türken kommt man mit normaler Polizei-Ermittlungstätigkeit kaum ran.“
Straftaten gegen das Leben wurden drei verzeichnet: das Baukran-Unglück in Wetzgau (fahrlässige Tötung) und zwei Totschlagversuche (ein Axt-Angriff auf einen Boten in Großdeinbach und eine Messerstecherei im City-Center). Viel Personal und Zeit banden die Suche nach Vermissten (
70 Fälle, darunter
44 Kinder und Jugendliche) und
67 Todesfallermittlungen.
Die Zahl der Tatverdächtigen sank um
4 Prozent auf
1497. Der Anteil nichtdeutscher Verdächtiger liegt bei
26,
5 Prozent. Rückgängig ist die Opferzahl — sie sank von
666 auf
638.
65 Prozent davon sind Männer, und in fast der Hälfte aller Fälle gibt es eine Vorgeschichte, Täter und Opfer kannten sich. Senioren werden nur selten Opfer, ihr Anteil liegt bei vier Prozent. Im letzten Jahr wurden nur vier Fälle von Handtaschenraub verzeichnet, wie Bürgermeister Joachim Bläse hervorhob.
Nicht zuletzt wegen der fleißigen Präventionsarbeit (
377 Veranstaltungen) und starken Präsenz lobten er und OB Leidig die Gmünder Polizei. Der Rückgang der Straßenkriminalität wäre ohne zusätzliche Streifentätigkeit nicht geschehen.
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