Da weinte der Himmel ein paar Tränen
Da weinte sogar der Himmel ein paar Tränen, so dass man den an Christi Himmelfahrt traditionellen „Gottesdienst im Grünen“ kurzerhand in die evangelische Michaelskirche in Böbingen verlegen musste.
BÖBINGEN (re). Böbingen, Mögglingen, Heuchlingen, Schönhardt: Aus allen zur Kirchengemeinde gehörenden Gemeinden waren zahlreiche Besucher gekommen, um an einem eher wehmütigen Anlass teilhaben. Nach sechs Jahren seelsorgerischem Dienst verlässt Pfarrer Wolf Seitz die Gemeinde, um seine neue Pfarrstelle in Hüttlingen anzutreten.
Auch alle drei Bürgermeister Jürgen Stempfle (Böbingen), Ottmar Schweizer (Mögglingen) und Peter Lang (Heuchlingen) sowie die Vorsitzende der Bezirkssynode Ursula Bertsch für den verhinderten Dekan Immanuel Nau zollten durch ihr Erscheinen dem scheidenden Seelsorger ihre Wertschätzung.
Nach der Psalmlesung durch Christine Huttelmaier und die Schriftlesung durch Inge Heinz stieg Pfarrer Seitz wohl zum letzten mal auf die Böbinger Kanzel, um eine beeindruckende Abschiedspredigt zu halten. Dabei verknüpfte er geschickt die Geschichte von Himmelfahrt mit dem Abschied der Jünger von Jesus mit seinem eigenen Abschied. In wie gewohnt zu Herzen gehenden Worten verstand er es einmal mehr meisterlich, aus seiner Predigt eine tröstende, hoffnungsvolle, Mut machende Botschaft zu machen: Jesus segnet seine Jünger noch einmal und verspricht ihnen, alle Tage bei ihnen zu sein, und dieser Segen gilt bis heute, auch für jeden von uns! Und er verspricht ihnen, dass man sich in seiner himmlischen Heimat wiedersehen wird. Und diese Hoffnung auf eine Wiederbegegnung macht den schmerzhaften Abschied zumindest leichter und tröstlich, und in dieser Erwartung des kommenden Himmels geht es uns gut.
Nach dem Schlusslied mit der musikalischen Begleitung durch den Posaunenchor unter der Leitung von Rolf Kießling und dem Segen erfolgte der offizielle Teil der Verabschiedung mit mehreren Grußworten, souverän moderiert vom ersten Vorsitzenden des Kirchengemeinderats Kurt Beck. Bürgermeister Ottmar Schweizer (Mögglingen) sprach für die bürgerlichen Gemeinden. Er habe immer die bescheidene Art bei vollem Engagement des Pfarrers geschätzt, so seine Ausführungen. „Schade, dass Sie uns verlassen, Sie haben Ihre
50-Prozent-Stelle zu hundert Prozent ausgefüllt!“ so seine anerkennenden Worte. Und als Symbol für die vorüberziehende, knappe Zeit überreichte er einen Zeitmesser.
Ursula Bertsch von der Bezirkssynode überbrachte die Grüße von Dekan Immanuel Nau. „Sie sind ein Mensch mit Tiefgang, dadurch sind Sie uns allen im Bezirk ans Herz gewachsen, Sie haben ihre Stelle mehr als ausgefüllt!“ beschied sie in ehrlicher Dankbarkeit dem scheidenden Pfarrer. Als passendes Abschiedsgeschenk gab es ein Buch mit dem Titel „Rückblick“.
Pfarrerin Margot Neuffer verabschiedete ihren scheidenden Kollegen nicht minder herzlich mit besten Wünschen für seine neue Pfarrstelle, auch sie überreichte ein originelles Geschenk: Weil Pfarrer Seitz ein bekennender
PC–Verweigerer ist, überreichte sie ein Schreibset mit herkömmlichen Stiften, mit denen er weiterhin seine handschriftlichen Predigten, aber zwischendurch auch einmal ein paar Grüße an seinen seitherigen Dienstort schreiben könne.
Kurt Beck als Vorsitzender des Kirchengemeinderats blickte noch einmal etwas ausführlicher auf die Dienstzeit von Pfarrer Seitz zurück. Zunächst war es schwierig gewesen, überhaupt einen Bewerber für die
50-Prozent-Stelle zu finden. Große Freude und „eine göttliche Fügung, ein Geschenk des Himmels“, als er dann im Januar
2004 für diese „unständige“, d. h. ständig auf Abruf bereite Stelle gefunden war: Damit hatte Mögglingen zum ersten Mal einen eigenen Pfarrer, der dazu noch seinen Wohnsitz vor/am Ort hatte. Nur etappenweise wurde die begrenzte Stelle immer wieder verlängert. In den weiteren Ausführungen brachte Kurt Beck in eindringlichen Worten zum Ausdruck, was alle Beteiligten an diesem Tag so empfanden: Großen Dank für den aufopferungsvollen Dienst vor allem während der Vakatur nach Pfarrer Hengel bei einem Full-time-Job mit unzähligen Überstunden. Geschätzte und kompetente Arbeit im Kirchengemeinderat mit besonnenen, klugen Diskussionsbeiträgen. Verantwortung übernehmen und Mittragen von schwierigen Entscheidungen. Und eine absolut wertschätzende Amtsführung als Seelsorger mit lebensnahen, anschaulichen Predigten. Als passendes Geschenk gab es im wörtlichen Sinn einen Grundstein für den im Alter angestrebten Ruhesitz mit Blick auf den Neckar in seiner Heimatstadt Heilbronn.
Else Gumz schließlich überbrachte die Dankesworte und das Geschenk des Mögglinger Frauenkreises, zu dem Pfarrer Seitz immer eine besondere Beziehung hatte, und dem er deshalb auch jetzt schon als einziger Gruppe ein Wiedersehen bei einem sommerlichen Grillfest versprochen hat. Einen markanten Schlusspunkt setzten schließlich die Mitglieder des Kirchengemeinderats, die ein meterlanges, liebevolles Riesen-Leporello mit einer bunten Mischung aus herzlichen Dankesworten, sehr persönlichen Beiträgen und guten Segensworten für die neue Dienststelle in Hüttlingen enthüllten.Für so viel liebevolle Wertschätzung und Anerkennung seiner Arbeit dankte Pfarrer Seitz am Ende seinerseits für die jederzeit absolut kooperative, harmonische Zusammenarbeit, die seinen Dienst auch bei hoher Auslastung immer angenehm und erträglich gemacht hätten.
Noch keine Kommentare vorhanden.