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» Ostalbkreis | Montag, 25. Mai 2009

Konjunktur: Talsohle zeichnet sich ab

Im ersten Quartal 2009 hat sich die Geschäftslage der regionalen Wirtschaft weiter verschlechtert. Doch die konjunkturelle Talfahrt geht langsam in eine Seitwärtsbewegung über. Von Peter Gring

OSTWÜRTTEMBERG. Unbeeindruckt von den Zahlen ist der Druck auf die Beschäftigung weiter gestiegen, wie die IHK–Konjunkturumfrage unter rund 420 Unternehmen aller Branchen und Betriebsgrößen in Ostwürttemberg im Frühsommer 2009 ergab.
Über alle Branchen hinweg hat sich die Geschäftslage der Unternehmen nach dem Einbruch im Herbst 2008 weiter verschlechtert. Dabei handelt es sich um keine Strukturkrise, sondern um eine generelle Absatzkrise mit teils drastischen Nachfrageeinbrüchen. Die regionale Wirtschaft ist auf Grund ihrer hohen Internationalisierung und ihrer Spezialisierung im Maschinen– und Anlagenbau überdurchschnittlich vom Wegbrechen der Nachfrage aus dem Ausland betroffen. So hat sich der Anteil der Betriebe mit Auftragsrückgängen vom Frühjahr 2008 von 21 Prozent auf jetzt 65 Prozent mehr als verdreifacht.
Dieser Einbruch hat deutliche Umsatzeinbußen zur Folge. Aktuell beklagen knapp 70 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge. Im Frühjahr 2008 war dies noch bei 18 Prozent der Fall. Die Kapazitätsauslastung ist im gleichen Zeitraum von 88 auf 70 Prozent zurückgegangen.
Diese Abwärtstendenz schlägt sich in der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage nieder. Derzeit beurteilen nur 13 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut. Zu Jahresbeginn lag dieser Wert noch bei knapp 29 Prozent und vor Jahresfrist bei 47 Prozent. Im Gegenzug stieg die Anzahl der Betriebe, die eine schlechte Geschäftslage beklagen, von 24 Prozent zu Jahresbeginn auf 45 Prozent jetzt am Ende des ersten Quartals 2009. „Der Blick auf die künftige Geschäftsentwicklung lässt jedoch schließen, dass sich die konjunkturelle Talfahrt verlangsamt.“ Trotz der im ersten Quartal 2009 weiter verschlechterten Geschäftslage ist der Anteil der Unternehmen, die für die nächsten zwölf Monate weitere Rückgänge erwarten mit 54 Prozent gleich hoch geblieben wie zu Jahresbeginn. Auch wenn die allgemeine Lage von größter Skepsis geprägt ist, könnte sich damit eine Bodenbildung im Konjunkturverlauf abzeichnen. Damit scheint der Höhepunkt der Abwärtsdynamik in den ersten Monaten dieses Jahres bereits durchschritten worden sein.
Mit den Umsatzrückgängen hat sich bei gleichzeitigem hohem Wettbewerb und Kostendruck die Ertragslage der Unternehmen im ersten Quartal 2009 weiter verschlechtert. Nach knapp 30 Prozent zu Jahresbeginn melden jetzt 48 Prozent der Betriebe unzureichende Erträge. Der Anteil der Unternehmen mit guter Ertragslage ging dagegen von 18 auf knapp 8 Prozent zurück. Vor diesem Hintergrund und den mehrheitlich pessimistischen Perspektiven sind viele Unternehmen zunächst bestrebt, eine ausreichende Liquidität zu sichern und ohne größere Blessuren durch die Krise zu kommen
Dies zeigt sich auch in den Investitions– und Beschäftigungsplänen. Bereits zu Jahresbeginn hat die Wirtschaft ihre Investitionspläne kräftig nach unten korrigiert. Rechneten zum Frühjahr 2008 noch 14 Prozent der Betriebe mit rückläufigen Investitionen, so stieg dieser Wert zum Jahreswechsel auf knapp 45 Prozent. Jetzt erhöhte sich dieser Anteil nochmals um zwei Prozentpunkte auf 47 Prozent. Hauptmotive sind überwiegend der Ersatzbedarf (69 Prozent) und die Rationalisierung (51 Prozent). Erfreulich und wichtig für die Zeit nach der Krise: Produkt– und Verfahrensinnovationen (36 Prozent) spielen eine Rolle.
Grundsätzlich sind die Unternehmen ja bestrebt, ihr qualifiziertes Fachpersonal solange wie möglich im Betrieb zu halten. Schließlich werden sie beim nächsten Aufschwung wieder dringend gebraucht.
Deswegen setzen, den Umfrageergebnissen zu Folge, derzeit 23 Prozent der Unternehmen die Kurzarbeit als Instrument der Beschäftigungssicherung ein, und weitere elf Prozent planen im Moment den Einsatz von Kurzarbeit. Im Fall der Kurzarbeit nutzt rund jedes fünfte Unternehmen die Chance, seine Mitarbeiter in dieser Zeit zusätzlich zu qualifizieren. Bei weiteren 13 Prozent steht die Qualifizierung auf dem Plan. Trotz Kurzarbeit wächst der Druck auf die Beschäftigung. Gingen zu Jahresbeginn knapp 30 Prozent der Betriebe von einer rückläufigen Beschäftigtenzahl aus, sind dies aktuell 43 Prozent. Lediglich 7 Prozent der Betriebe planen, zusätzlich Personal einzustellen Dennoch, und dies darf in Zeiten schlechter Nachrichten nicht übersehen werden: jedes zweite Unternehmen geht davon aus, in den nächsten zwölf Monaten seine Beschäftigtenzahl aufrecht zu erhalten.
Der Industrie hat die Weltwirtschaftskrise in den letzten Monaten weiter schwer zugesetzt, insbesondere der Investitionsgüterindustrie und deren Zulieferbetriebe. Deutlich nachlassende Umsätze aus dem In– und Ausland haben sich spürbar auf die Ertragslage ausgewirkt. Die Industrie beurteilt ihre aktuelle Geschäftslage deshalb so ungünstig wie schon lange nicht mehr. Urteilten zu Jahresbeginn noch 30 Prozent der Betriebe mit „schlecht“, so sind dies aktuell 58 Prozent. Lediglich 10 Prozent sehen sich in einer guten Geschäftslage. Angesichts der schwachen Auftragseingänge ist mit keiner Entspannung in den nächsten Monaten zu rechnen. Allerdings: beim Blick auf die künftige Geschäftsentwicklung dürfte sich der konjunkturelle Abwärtstrend abschwächen. Dies bleibt jedoch ohne Auswirkungen auf die Investitions– und Beschäftigungspläne, die jetzt deutlich restriktiver sind.
Auch die Bauwirtschaft hat im Frühjahr 2009 die Wirtschaftskrise stärker zu spüren bekommen. Rund 80 Prozent der Betriebe beklagen eine rückläufige Bauproduktion gegenüber dem Vorjahresquartal. Schlechtere Erträge sind die Folge, wodurch sich die Geschäftslage weiter eingetrübt hat.
Auch der Handel kommt jetzt zusehends in den Sog der Wirtschaftskrise. Insbesondere der produktionsverbindende Großhandel spürt verstärkt die Nachfrageeinbrüche seiner zumeist industriellen Kunden. Nach Jahren mit hervorragendem Geschäftsverlauf fällt die Großhandelssparte mit ihrer Lageeinschätzung jetzt erstmals hinter dem Einzelhandel zurück.
Im Einzelhandel sorgt der relativ konstante private Konsum immer noch für eine überwiegend befriedigende Geschäftslage. Im bislang sehr robusten Dienstleistungsbereich ist nun der Abschwung auch spürbar angekommen. Bei jedem zweiten Betrieb gingen die Umsätze zurück und drücken auf die Ertragslage. Relativ robust zeigen sich noch die Dienstleistungen für Unternehmen. Aber auch hier wächst die Skepsis, weitere Umsatz– und Ertragsrückgänge werden erwartet.
Auf Grund der Vielfältigkeit der Branche tendieren Investitionen und Beschäftigung uneinheitlich. Auch das Kreditgewerbe bleibt von der Krise nicht verschont. So sind in den letzten Monaten die Einlagen gesunken, auch die Ertragslage wurde beeinträchtigt. Rückläufige Umsätze haben auch im Hotel– und Gaststättengewerbe im ersten Quartal 2009 die Geschäftslage beeinträchtigt und zu Ertragseinbußen geführt.
 

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