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» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 08. Mai 2009

„Jugendforum ohne Jugend“

Der Jugend Lust machen auf Demokratie, das war das ganz große Ziel des Stadtjugendrings, der gestern eine Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl („Du hast die Wahl“) organisierte. Schade nur, dass die Jugend ausblieb.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Eine Handvoll junger Leute verlor sich sogar im kleinen Prediger-​Saal, insgesamt waren keine zwei Dutzend Interessierte gekommen. Und so viel Mühe sich der Stadtjugendring mit dieser Veranstaltung auch gemacht hatte – unter anderem hatten Vorstandsfrau Barbara Herzer und Moderator Daniele Frattollino im Gespräch mit Jugendlichen zahlreiche Fragen etwa zum Tunnelfilter erarbeitet –, so stand doch ein Themenkomplex im Mittelpunkt: Wie lässt sich Politik attraktiv machen für den Nachwuchs, wie die Jugend zumindest für Themen begeistern, die sie betreffen.
Stadträtin Daniela Maschka-​Dengler, SPD, erklärte, warum ihr das Miteinander in der Kommune so wichtig ist. Entscheidend sei, was Erwachsene vorlebten. Erwachsene insbesondere in der Politik drückten sich oft nicht so aus, dass dies nachvollziehbar und verständlich sei; der Eindruck, dies sei kein sprachliches Problem, sondern ein Versuch, auszugrenzen, könne durchaus entstehen. Eine ihrer Überlegungen zum beklagten mangelnden Interesse: Das Rathaus sei zu klein für Zuschauer. Alex Schenk (Kreisvorsitzender Grüne) war eigentlich gekommen, um Themen wie Renten, Arbeitsmarkt und Bildung mit Jugendlichen zu diskutieren; er erinnerte sich aus seiner Zeit im SJR, wie schwierig es war, Mitgliedsvereine zu motivieren. Er erklärte, warum Parteipolitik weniger „sexy“ sei als Arbeit für andere Organisationen, und warum sie sich dennoch lohnt.
Karin Rauscher, für Freie Wähler Frauen im Gemeinderat, erklärte dieses Gremium sei bei weitem „zu männerlastig“ gewesen, die Arbeit dort ungemein spannend. In Einzelfällen, so wurde sie später konkret, lasse sich Jugend durchaus für irgendetwas gewinnen. Christian Baron, 28, im neunten Jahr CDU–Stadtrat, zeigte am Beispiel der 72 Stunden-​Aktion (Seite 19), des Straßdorfer Jugendraums oder auch JKI und Esperanza auf, was Jugendliche leisten können. Sebastian Fritz (Linke) ist „noch nicht im Gemeinderat“, wie er lächelnd erklärte. Gemeinsam mit Schenk und Baron vertrat er die Jugend auf dem Podium. Fritz ist einer der Initiatoren und Gründer der erwähnten Jugendkulturinitiative (JKI) und des Jugendkulturzentrums Esperanza; beides zu erkämpfen war nicht eben einfach. Demokratie müsse geübt werden – und laut Fritz geht das nur, „wenn Kompetenzen an Jugendgemeinderat und Stadtteilgremien abgeben werden“. Stadträtin Heidi Preibisch FW/​FDP redete anhand eigener Erfahrungen Eigenverantwortung und Zivilcourage das Wort.
„Politiker machen eh was sie wollen“ — bewusst provokant versuchte Barbara Herzer der Politikverdrossenheit vieler junger Leute nachzuspüren. Wer diesen Eindruck hat, muss selbst etwas tun, so der Tenor. Auch, dass es „die Jugend“ nicht gibt und nie gab, war einhellige Meinung. Schenk machte deutlich, dass hier ausschließlich Ehrenamtliche diskutierten. Ein Zuhörer erklärte, viele junge Leute fühlten sich allein gelassen, allzu leicht kriminalisiert, woraufhin sich Baron den mit weitreichenden Kompetenzen ausgestatteten Jugendgemeinderat „unbequemer“ wünschte („auch wenn mir das irgendwann leid tut“); bislang würden Kompetenz und Engagement viel zu oft verschenkt. Der einzige Jugendgemeinderat bemängelte, dass bereits für die Wahl zu wenig Geld eingesetzt werde.
 

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