Julius Mihm neuer Baubürgermeister
Julius Mihm, Architekt und bislang noch Stadtplaner in Ludwigsburg, ist neuer Baubürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd. Der Gemeinderat schenkte dem einzigen Kandidat bei der gestrigen Wahl mit deutlicher Mehrheit das Vertrauen. Zuvor gab’s wieder Streit. Von Heino Schütte
SCHWÄBISCH GMÜND. Wie schon in der Sitzung zuvor, so hing auch gestern wieder der Rathaussegen ziemlich schief, noch ehe Oberbürgermeister Wolfgang Leidig die eigentliche Tagesordnung einläuten konnte. Namens der
CDU–Fraktion beantragte Stadtrat Celestino Piazza eine erneute Vertagung der Beratung über die von der Stadtverwaltung eingebrachte Bewertung der strittigen Verkehrsführungs-Fragen im Rahmen des Landesgartenschaukonzepts. Piazza begründete: Ein neuer Gemeinderat sei gewählt, ebenso ein neuer Oberbürgermeister und heute folge die Neubesetzung des Baubürgermeister-Postens. Mit den neuen Leuten und mit deren Sichtweisen soll dieses wichtige Gmünder Zukunftsthema angegangen werden. Vor allem sei eine umfassende Erörterung gemeinsam mit allen Betroffenen notwendig. Es gehe um viel mehr als nur um das „Bahnhofsknie“
SPD–Fraktionsvorsitzender Max Fuchs schimpfte sofort: „Immer das gleiche Theater in diesem Saal. Es ist fast nicht mehr auszuhalten wie die
CDU hier taktiert.“ Stadtrat Elmar Hägele (Bündnis
90/Die Grünen) pflichtete Fuchs bei: „Das ist ein Trauerspiel, ein Eiertanz ohne Ende.“ Stadträtin Karin Rauscher (FWF) meinte, es sei sicher wichtig, dass der Gemeinderat offen sein müsse für die neuen Ideen und Sichtweisen des zukünftigen Oberbürger– und Baubürgermeisters. Gegen eine sofortige Information und Beratung habe sie jedoch überhaupt nichts einzuwenden.
Oberbürgermeister Wolfgang Leidig holte zu einer Grundsatzrede aus, um die
CDU doch noch umzustimmen. Ihm scheine es so, als hätten manche im Gemeinderat den Ernst der Lage nicht begriffen. Der Punkt des Zuspätkommens im Hinblick auf Planung und Investoren sei fast schon überschritten. Er warf der
CDU vor, sich vor der Entscheidung drücken zu wollen. „Geben Sie sich bitte einen Ruck, ein Zeichen nach Außen, damit die Öffentlichkeit sieht, dass es mit der Landesgartschau vorwärts geht!“
Die
CDU blieb eingeschworen. Piazza griff die Worte von OB Leidig auf und verdeutlichte, dass es diesen Ruck ganz sicher und fundiert gleich nach der Sommerpause geben werde – unter der Beteiligung aller, die zukünftig Verantwortung tragen. Da hänge so viel dran, dass es den neuen Entscheidungsträgern gegenüber unfair wäre, sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Mit
27 zu
24 Stimmen wurde jedoch die
CDU bei der folgenden Abstimmung überflügelt. Das Thema blieb auf der Tagesordnung.
Jetzt konnte sich das Gremium der Bürgermeisterwahl widmen. Auch die blieb nicht ohne Misstöne, denn Stadtrat Klaus Böhnlein (
CDU) bedauerte, dass es der Verwaltung nicht gelungen sei, aus der Vielzahl der Bewerbungen mehr als letztendlich nur einen Kandidaten tatsächlich zur öffentlichen Vorstellung und zur Wahl in den Gemeinderat zu bringen. OB Leidig wiederum beschrieb, dass Vertreter der Fraktionen in das Prozedere ja eingebunden gewesen seien.
Julius Mihm (
43), verheiratet mit Eva Mihm und Vater von Leonhard (
6), Helena (
4), Johannes (
21) und Louise (
13) ging gleich auch von sich aus auf die Frage ein, die nach zurückliegenden Erfahrungen Gmünd bewegt: Ist der zukünftige Baubürgermeister bereit, seinen Lebensmittelpunkt auch tatsächlich in diese Stadt zu verlegen, die er auch gestaltet. Mittelfristig ja, versprach der Kandidat, bat gleichzeitig aber auch um Verständnis, dass es noch wichtige Bindungen seiner Familie an Ludwigsburg gebe. Dort ist der studierte Architekt, Diplom-Ingenieur und Stadtplaner seit
2002 Fachbereichsleiter für Stadtplanung und Vermessung mit rund
50 Mitarbeitern. Er suche eine neue Herausforderung. Eine alte Stadt wie Schwäbisch Gmünd „ist mir ans Herz gewachsen“, unterstrich er seine Motivation. „Schwäbisch Gmünd hat eine große gestalterische Qualität.“ Diese Anforderung werde er mit Hilfe seiner reichen und vielfältigen Erfahrung beherrschen, so versprach er.
Detailliert führte Julius Mihm durch seinen breitgefächerten beruflichen Werdegang mit Stationen
z.B. als Stadtbaumeister im mittelalterlichen Mengen oder mit modernen Herausforderungen wie die Umwandlung ausgedienter Kasernen in Ludwigsburg. Er vermittelte insgesamt den Eindruck, dass er in Gmünd auf seiner Karriereleiter und in seinen persönlichen Wunschvorstellungen nun „angekommen“ ist. Die Landesgartenschau mit ihren besonderen Auswirkungen auf die Innenstadt faszinieren ihn ganz besonders. Das werde ganz gewiss ein Quantensprung für Schwäbisch Gmünd. Und sicher nur einmal im Leben bekomme man als Planer eine solche Chance. Vorurteilsfrei werde er die strittigen Fragen zur Verkehrsplanung prüfen, um dann gegebenenfalls auch im Grundsatz zu entscheiden: Das Bessere ist des Guten Feind. Bei der geheimen Abstimmung votierten
44 Stadträte für Julius Mihm, sieben wandten sich gegen ihn, einer enthielt sich. Zu den ersten Gratulanten via Handy gehörte der zukünftige OB Richard Arnold.
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