Mit sonniger Laune trotzten die 60er Altersgenossen am Morgen beim ersten Umzug dem Unwetter
Selbst der strömende Regen mit Blitz und Donner konnte die 72 Altersgenossen des Jahrgangs 1949 nicht davon abhalten, am Samstagmorgen ihren Festzug durch die Stadt zu starten, der nach den Böllerschüssen vom Lindenfirst am Sebaldplatz begann. Von Dietrich Kossien
SCHWÄBISCH GMÜND. Mit Regenschirmen trotzte man dem schlechtgelaunten Petrus, auch mit guter Laune und vielen roten Rosen und anderen schönen Blumen, wobei die Rosen das nicht zu übersehende Symbol für den Festtag waren. Wacker sorgte auch die Kolpingkapelle unter Udo Penz’s Leitung für den nötigen musikalischen Schwung. Auch das Bähnle ließ sich das „Dampfen“ nicht vermiesen. Etwas nass wurde es auf dem Turm der Johanniskirche den Alois-Bläsern um Dietmar Spiller. Auch vielen Zuschauer war der Regen schnuppe: Sie wollten die Altersgenossen grüßen und mit vielen Blumen beschenken. Im Heilig-Kreuz-Münster wurden nach dem ersten Umzug alle zum Festgottesdienst von Münsterpfarrer Robert Kloker erwartet. Mit „Good news“ eröffnete der Kirchenchor aus Straßdorf unter Hans-Peter Weiß musikalisch den Gottesdienst, an der Orgel von Stephan Beck begleitet. Auch im Gottesdienst stand die Rose als Zeichen dafür, dass Jesus die Mitte ist. Das wurde von den Altersgenossen durch Gedanken zur Rose als Zeichen und durch das anschließende Niederlegen von Rosen auf einem blauen Tuch vor dem Altar verdeutlicht. Die Predigt hielt dann Münsterpfarrer Robert Kloker. Wolle man den Jahrgang von der äußeren Sicht der Dinge her beschreiben, so könne man sagen: „Sie sind Gründungsgeneration.“ Alle seien im Gründungsjahr der Bundesrepublik, also
1949 geboren, und alle hätten die wechselvolle Geschichte Nachkriegsdeutschlands miterlebt und am Wirtschaftswunder teilgenommen, doch auch die Rezessionen und Einbrüche gesehen. Dankbar dürften sie sein, dass die
60 Jahre seit der Gründung der Bundesrepublik auch Jahre des Friedens wurden. Auch das sei Grund zum Feiern. Sicherlich hätten die zurückliegenden
60 Jahre ihre Spuren hinterlassen, und Kindheit und Jugendzeit seien noch geprägt gewesen von den Folgen des Krieges, bevor ein stürmisches Wirtschaftswachstum eingesetzt habe. „Viele von Ihnen haben sich eine sichere Existenz aufgebaut, geheiratet und eine Familie gegründet. Wie schnell doch die Jahre vergingen, werden sicherlich viele heute denken!“ Aber man wolle heute im Gottesdienst nicht beim Gestern stehen bleiben, „wir wollen das Heute und vor allem das Morgen miteinander bedenken“, denn sie alle hätten — so Gott es wolle — noch eine längere Wegstrecke vor sich. So dürfe und solle man fragen: „Wie geht es mit mir, mit uns weiter? Was möchte ich noch verwirklichen? Was gibt meinem weiteren Leben Sinn und Halt?“ Einen Antwortversuch stelle das Symbol der Rose dar, die bekanntlich das Symbol der Liebe sei. Und: „Hätte ich die Liebe nicht, wäre ich nichts“, sagt der Apostel Paulus an der bekannten Stelle in seinem Hohen Lied der Liebe. Auch als Jesus danach gefragt worden sei, was das Wichtigste im Leben und im Glauben sei, habe er eine klare Antwort gegeben: Es sei die Liebe! „Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben aus ganzem Herzen und ganzer Seele und Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Darin sind alle Gebote und Weisungen zusammengefasst.“ So komme es also wesentlich darauf an, dass wir in der Liebe blieben: in der Liebe zu Gott, zu den Mitmenschen und zu uns selbst. So sollte man sich fragen, zeige ich Gott, dass ich ihn liebe oder ist er ganz aus meinem Blickfeld geraten? „Was tue ich für das Wohl meiner Mitmenschen? Lasse ich mich noch ansprechen von den Nöten und Sorgen anderer oder kreise ich nur um mich selbst?“. Und gehe ich auch mit mir selber sorgsam um? Diese Fragen könnten, so Pfarrer Kloker, ein paar Fingerzeige sein, wohin unsere Lebensreise im Zeichen der Rose weitergehen könnte. Und es würde wohl letztlich nichts Wichtigeres geben, als die Liebe zu leben.
Nach dem Gottesdienst zogen die Altersgenossen zum zweiten Mal durch die Straßen, wobei ihnen diesmal Petrus deutlich besser gesinnt war.
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