Sanierungsbedarf am 100 Jahre alten Elsässer-Bau der HfG nimmt noch größere Ausmaße an
Vom Einsturz akut bedroht ist das äußerlich so solide wirkende Gebäude der Hochschule für Gestaltung zwar nicht. Doch es muss weit mehr saniert werden, als ursprünglich angenommen. Die Folge: Der Studienbetrieb kann auf der Baustelle nicht mehr fortgeführt werden. Spätestens im März 2010 muss die HfG ausziehen. Von Reinhard Wagenblast
SCHWÄBISCH GMÜND. Es ist für die Hochschule wie für die staatliche Vermögen
& Bau (früheres Hochbauamt) wohl das größte anzunehmende Ungemach: Die exakt
100 Jahre alte Bausubstanz ist dermaßen marode, dass das Haus entkernt werden muss. Noch im Herbst war man von einem Gesamt-Sanierungsbedarf von sieben
Mio. Euro ausgegangen, inzwischen wird dieser auf
12 Millionen Euro veranschlagt. Dabei war am Anfang von einer vergleichsweise bescheidenen Brandschutz-Ertüchtigung für
1,
2 Mio. Euro ausgegangen worden. Nach Untersuchung der historischen Eisenbeton-Konstruktion der Decken stellten die Fachleute fest, dass diese – drastisch gesagt – weder Eisen noch Beton enthielten. Kurz: Im Brandfall würde das Haus in Flammen aufgehen, statt, wie es Standard ist,
90 Minuten standzuhalten. Ursprünglich wollte die Hochschule in den sauren Apfel beißen und die drei Jahre Bauzeit im Haus ausharren.
5,
2 Mio. Euro erhält die
HfG aus Bundesmitteln des Konjunkturpakets II für einen ersten Bauabschnitt, der bis Ende
2011 abgeschlossen sein muss. Der zweite Bauabschnitt mit
7 Mio. Euro, für den das Land als Gebäude-Eigentümer aufkommen muss, ist laut Rektorin Cristina Salerno jedoch noch nicht etatisiert. Einzig sinnvoll sei ein nahtloser Übergang. Der Umzug muss noch finanziert werden.
Raus aus dem Haus muss die
HfG in jedem Fall. Mindestens für vier Jahre, wenn die Sanierung noch einige schlimme Überraschungen bereithält, sogar für sechs Jahre, also bis
2015. In den nächsten Tagen schreibt die Vermögen
& Bau
4500 Quadratmeter Ersatzfläche für die
HfG aus, sagt deren stellvertretender Leiter Thomas Daul.
Für die Hochschule ist dies in mehrfacher Hinsicht eine Belastung. Die zeitweise Auslagerung erzeuge Beunruhigung unter Studierenden und Interessenten, was den Fortbestand der
HfG anbelange, sagt die Rektorin. Bleibe man aber auf der Baustelle, sei der Studienbetrieb kaum mehr und die Weiterentwicklung der
HfG schon gar nicht mehr möglich. Beispiel: Die
HfG erhielt Geld für einen neuen Laborbereich aus dem Innovationsfonds des Landes, „die können wir jetzt nicht abrufen.“ Hinzu kommen Restriktionen, die den Studienbetrieb zunehmend einschränken. So darf die Siebdruckmaschine nicht mehr benutzt werden, weil ihre Vibrationen statische Schäden zur Folge haben könnten.
Die
HfG hat Zulauf und den Ruf, eine fundierte Design-Ausbildung anzubieten, der neue Studiengang Interaktionsgestaltung sorgt für Attraktivität, ein Ausbau von
450 auf
550 Studienplätze wird angestrebt.
Dafür benötigt die Hochschule, die jetzt über
4500 Quadratmeter Fläche verfügt,
1500 weitere Quadratmeter. Es war an einen modernen Anbau gedacht. Dessen Kosten sind aber in der
12-Mio-Sanierung nicht enthalten. Es ist noch nicht einmal sicher, ob die
HfG in den Elsässer-Bau wieder zurückkehrt: „Es ist alles denkbar“, sagt Thomas Daul. Auch die Rektorin betont, dass sie offen sei für jede Lösung – nur müsse die Hochschule an einem einzigen Standort sein und ihren Flächenbedarf decken können. Egal, ob die
HfG am Straßdorfer Berg bleibt oder – wie es dem künftigen OB Arnold vorschwebt – am Bahnhof steht.
Entscheidend fürs Land dürfte hingegen die Frage der Nachnutzung sein, falls die
HfG aus dem Elsässer-Bau ausziehen will. Bei diesem handelt es sich um ein hochkarätiges, denkmalgeschütztes Architekturdenkmal, ein echtes Jugendstiljuwel, das zudem mit der Gewerbegeschichte, dem Museum und der Kunst in Schwäbisch Gmünd eng verbunden ist.
Zumindest vorübergehend könnte vielleicht ein schon abgeschriebenes Haus wie Phönix aus der Asche auferstehen: das Horten-Gebäude in der Ledergasse. Es hat eine Nutzfläche von
7200 Quadratmetern, besitzt ein Restaurant, das als Mensa herhalten könnte, und eine Tiefgarage. Die Stahlbetonkonstruktion lässt eine flexible Aufteilung zu. Und sogar eine neue Fassade ließe sich vorhängen – ganz Bauhaus-konform.
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