Niedergelassene Haus– und Fachärzte machten auf dem Johannisplatz auf ihre Lage aufmerksam
Eine noble Karosse, zweimal im Jahr Luxusurlaub und eine hübsche Villa – das Bild des Arztberufes, welches sich in den Köpfen einiger Leute verankert hat, ist ein falsches. Der Meinung sind zumindest die Ärzte, die gestern auf ihre Situation aufmerksam machten. Von Nicole Beuther
SCHWÄBISCH GMÜND. „Ach, send des Ärzte?“, fragte ein Passant, der gestern auf dem Johannisplatz stand und in Richtung des Infostandes blickte. Es war nicht auf den ersten Blick zu erkennen, wer da demonstrierte. Und so richtig demonstriert wurde eigentlich auch nicht. Es war vielmehr ein leiser Protest, mit dem die Ärzte die Passanten darauf aufmerksam machen wollten, dass „unser Gesundheitssystem krank ist“.
Einige Kernpunkte des landesweiten Protesttages: Erhalt des freien, selbstbestimmten, niedergelassenen Arztes sowie die freie Arztwahl für den Patienten; die Möglichkeit, den Patienten den Zugang zu allen medizinisch notwendigen ärztlichen Leistungen zu ermöglichen, Erhalt der Therapiefreiheit für den Arzt, mehr Transparenz der Kassenbeiträge und deren sinnvollen Einsatz für erkrankte Menschen. „Viele Absolventen gehen ins Ausland oder in die Forschung“, machte
Dr. Axel Menden auf das Nachwuchsproblem aufmerksam. Auch sei zu bedenken, dass
70 Prozent aller Absolventen Frauen seien, „die, die Kinder bekommen, fallen weg, wenn sie im Mutterschutz sind“. Auch auf einem Schaubild war die prekäre Lage zu erkennen:
48 Prozent aller Ärzte sind demnach über
55 Jahre alt,
24 Prozent über
60. „Wir können in Rente gehen, was dann ist, weiß man nicht“, brachte es
Dr. Johannes Gantner auf den Punkt. Früher sei es nicht schwer gewesen, eine Praxisstelle nachzubesetzen.
„Ärzte jammern auf hohem Niveau“ – ein Satz, den
Dr. Ulrich Knaus nicht mehr hören kann. „Die Leute müssen doch bedenken, dass vom Grundgehalt enorme Abzüge gemacht werden, wie zum Beispiel die Altersvorsorge oder auch die Rücklagen, wenn eine Maschine kaputt ist.“ „Die Gesunden unterliegen der Propaganda der Regierung“, machte Knaus auf ein weiteres Problem aufmerksam. Es sei wichtig, die Bürger noch vor der Bundestagswahl aufzuklären.
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