Der Gmünder Planetengeologe Ulrich Köhler schrieb ein faszinierendes Buch über den Mond
Wunderschön sei die Mondlandung gewesen, aber vollkommen nutzlos – solche Urteile hört man dieser Tage häufig. Eine andere Meinung vertritt ein Gmünder, der als Planetengeologe in Berlin arbeitet und jetzt als Buchautor hervorgetreten ist: Ulrich Köhler. Von Reinhard Wagenblast
SCHWÄBISCH GMÜND. Mondlandetag ist der
20. Juli, Mondbetretungstag für die Bewohner der MEZ-Zone ist der
21. Juli. Früh am Morgen – über dem großen Teich zur besten Fernsehzeit – des
21. Juli tat Neil Armstrong seinen kleinen Schritt, den großen Sprung für die ganze Menschheit. Zur Generation der Kinder, die in dieser Nacht nicht schliefen, gehört auch Ulrich Köhler, der später in München Geologie studierte und heute am Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft– und Raumfahrt (DLR) in Berlin arbeitet. Das DLR ist eine nationale Großforschungseinrichtung und die deutsche Raumfahrt-Agentur. Alten RZ-Lesern ist Ulrich Köhler noch bekannt als freier Mitarbeiter der RZ, für die er von den späten
70ern bis zu den frühen
90ern mit dem Kürzel „ulk“ tätig war. Zusammen mit Ralf Jaumann (ebenfalls Institut für Planetenforschung) hat er ein faszinierendes Porträt des Erdtrabanten verfasst. Köhler war und ist an der Auswertung der Bilddaten mehrerer Raumfahrt-Missionen befasst, seine größte Neugier gilt jedoch nach wie vor dem Erdmond, und seine Neugier gilt speziell der vulkanischen Vergangenheit des Mondes.
Entstehung und Erforschung des Mondes sind zentrale Themen des Buches, aber auch die Geschichte der Apollo-Flüge wird referiert und bewertet. Vor allem die die letzten drei Flüge, Apollo
15 bis
17, lassen die Geologen offenbar noch heute in Begeisterung ausbrechen – sie waren ungemein ertragreich für die Forschung. Prolog im Buch ist ein langes, aber ungemein aufschlussreiches Gespräch des deutschen Astronauten Thomas Reiter mit Buzz Aldrin. Der heute
79-Jährige betrat den Mond als zweiter Mensch, und im Gegensatz zum zurückgezogen lebenden Neil Armstrong spricht er über seine Erlebnisse und wirbt weiter für die Sache der Mond– und Planetenflüge. Das Credo fasst Reiter zusammen: „Raumfahrt hilft uns, das Universum nach und nach zu verstehen, unsere Neugier und unseren Wissensdurst zu befriedigen und nicht zuletzt dem Schutz dieser empfindlichen Hülle namens Atmosphäre.“ Die Autoren führen dies im Weiteren unter vielen Aspekten aus. Einer davon ist, dass nicht allein naturwissenschaftliche Ergebnisse profund dargestellt werden, sondern es wird auch einiges von dem offenbar, was der Mond für die Erde und den Menschen bedeutet: Für beide eine Stabilisierung. Das Gespann Erde-Mond verkippt nicht so leicht im Raum, was die Entstehung des Lebens auf der Erde begünstigte. Wissen indes hatte immer etwas mit Macht zu tun und stabilisierte Herrschaft. Man mag im Wettlauf der Supermächte zum Mond noch etwas davon zu erkennen, und eine Ablenkung von gesellschaftlichen Spannungen waren die Mondflüge allemal. Wer über den Mond und seine Erkundung mehr erfahren will, wird in diesem großen, reich illustrierten Buch fündig: Es ist wunderschön und obendrein nützlich.
Ralf Jaumann, Ulrich Köhler: Der Mond. Fackelträger-Verlag,
320 S.,
49,
90 Euro.
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