Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Samstag, 04. Juli 2009

Katholischer Kirchenchor St. Maria-​Wetzgau unternahm Reise nach Schlesien

Anlässlich seines 50-​jährigen Bestehens unternahm der katholische Kirchenchor von St. Maria Wetzgau-​Rehnenhof eine Reise nach Schlesien mit Standquartier in Breslau, der Metropole Niederschlesiens.

SCHWÄBISCH GMÜND (pm). Das Besuchsprogramm begann am Sonntag mit dem Besuch und der Mitgestaltung einer deutschsprachigen Messfeier in der Kirche des Klosters der St. Hedwig — Schwestern. Die anschließende Besichtigung Breslaus startete an der Jahrhunderthalle. Im Jahre 1913 als in der Welt erster freier Kuppelbau errichtet, überstand sie den Krieg unversehrt, während Breslau zu 80 Prozent in Trümmern lag. Der Rundgang führte weiter über die Dominsel vorbei am gotischen Dom zur Universität, wo die berühmte „Aula Leopoldina“ besichtigt wurde, vorbei an „Hänsel und Gretel“, zwei Häusern bei der Elisabethkirche zum Ring mit seinem charakteristischen, gotischen Rathaus mit dem „Schweidnitzer Keller“. Der „Ring“ ist für viele schlesische Städte der charakteristische, viereckige Marktplatz, in dessen Mitte das Rathaus, evtl. mit einigen anderen Gebäuden steht. Hier fiel die originalgetreue und farbenfrohe Restaurierung der Häuserfronten auf und ein sehr belebtes Stadtbild. Nachmittags erfolgte ein Besuch in Trebnitz am Grabe der Hl. Hedwig.
Am folgenden Tag wurde Oppeln besucht mit einer Führung durch die Kathedrale zum Hl. Kreuz, der Hauptkirche der Erzdiözese. Bei einem polnischen Nationalgericht, Piroggen mit diversen Füllungen, gab ein junger Pole, Angehöriger der deutschen Minderheit Informationen zur Entwicklung und Situation dieser Volksgruppe. Neu war, dass diese Menschen z.T. 3 Sprachen sprechen, deutsch, polnisch und schlesisch. Durch bäuerlich geprägte Landschaft erreichte die Reisegruppe den „Annaberg“, den heiligen Berg der Oberschlesier mit seiner barocken Wallfahrtskirche; aber auch ein 1921 aus politischen Gründen umkämpfter Ort. Leider kündigten sich am dritten Tag bei der Rundfahrt durch das Riesengebirge schon die schweren Regenfälle an, die später in Südosteuropa zu schweren Überschwemmungen führten. Trotzdem war die Friedenskirche in Schweidnitz, äußerlich ein Fachwerkbau, im Inneren mit Ausmalungen und barocker Ausstattung und einem Platzangebot für ca. 7000 Personen eine schier unglaubliche Überraschung. Ebenso eindrucksvoll war der Besuch der „Gnadenkirche“ in Hirschberg mit ihrem breiten und mehrstöckigen Orgelprospekt hinter dem Altar und, als einst evangelische Kirche mit mehreren Emporen für tausende von Besuchern ausgelegt. Der schwere Regen ließ von der Landschaft mehr ahnen als sehen. Unterwegs durch Zillertal, ein Ort mit Häusern im Tiroler Stil, vorbei am Bolkoschloss durch den Badeort Bad Warmbrunn. Durch die Gegend der Glashütten kam man nach Agnetendorf und besichtigte das Haus „Wiesenstein“ von Gerhard Hauptmann. Auch der im 12. Jahrhundert in Norwegen gebauten Stabwerkkirche „Wang“ wurde ein Besuch abgestattet.
Als diese Kirche 1840 in Norwegen abgebaut wurde, kaufte sie der preußische König Friedrich Wilhelm IV. und ließ sie für die evangelische Gemeinde in Brückenberg nahe der Schneekoppe wieder aufbauen. Der Tag wurde in einem ländlich urigen Gasthof bei typisch schlesischer Kost abgerundet, wobei durch einen polnischen Musikanten animiert der Chor mehrere vierstimmige Lieder zur Freude der Gastleute zum Besten gab.
Tags darauf musste schon wieder die Heimreise angetreten werden, die in Görlitz nochmals mit einer Stadtführung unterbrochen wurde. Hier konnte der Stadtführer mit seiner erfrischend, unkonventionellen Art bei dem notgedrungenen Schnelldurchgang nur Lust auf mehr, sprich nochmaligen, Besuch machen. Den Schlusspunkt des Reiseprogramms bildete die Autobahnkirche St. Christophorus in Himmelkron. Diese bestach durch ihre schlichte Schönheit und überraschte mit ihrer Akustik, was der Chor durch das Singen von vierstimmigen Sätzen als Dank für die gelungene Reise erfahren konnte. Gestärkt durch ein reichhaltiges Essen aus bayerischer Küche auf der dortigen „Frankenfarm“ wurde der letzte Abschnitt der Heimfahrt angetreten.
Ein erlebnisreicher, harmonischer und gelungener Jubiläumsausflug ging zu Ende, zum dem die aufgeschlossene und sehr gut deutsch sprechende Reiseführerin und der freundliche und verantwortungsbewusste Fahrer ihren Teil beitrugen.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen