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» Ostalbkreis | Mittwoch, 12. August 2009

Kidstown: Zum zehnten Mal startete gestern in Heubach das zweiwöchige Ferienprojekt des Stadtjugendrings

170 Kinder wuseln über eine Wiese in der Stellung in Heubach. Kidstown hat wieder begonnen. Bei dem zweiwöchigen Projekt des Stadtjugendrings entsteht zum zehnten Mal eine kleine Stadt, in der Kinder gemeinsam mit 60 Betreuern das Alltagsleben eines Erwachsenen simulieren. Von Isabelle Jahn

HEUBACH. Die Kinder sollen das Geschehen in Politik, Wirtschaft und Kultur kennenlernen und in 21 Betrieben eigene Ideen verwirklichen.
Die Eröffnung beginnt mit einer Begrüßung der Kinder durch die Stadtjugendpfleger Andreas Dionyssiotis und Melanie Oertel. Dionyssiotis ist hauptamtlicher Geschäftsführer des Stadtjugendrings und ist seit 2005 bei Kidstown dabei. Auch Heubachs Bürgermeister Klaus Maier spricht die neugierigen Kindern um ihn herum an und betont: „Dies ist eine Stadt wie jede andere, aber hier leben nur Kinder.“ Auf der Wiese der Heubacher Stellung ist Bürgermeister Maier für die nächsten zwei Wochen abgesetzt, denn die Kinder wählen in der Bürgerversammlung ihren eigenen Bürgermeister für Kidstown. An diesem Posten sind einige der Kidstown-​Bewohner interessiert und denken sich Strategien aus um für ihre Person zu werben und die anderen Bürger zu überzeugen: Ein Appell im Radio, ein kreatives Wahlplakat oder ein Artikel in der Tageszeitung von Kidstown, die noch einen Namen sucht? Vor allem zukünftige Jugend– und Heimerzieher, aber auch Austauschstudenten, Techniker und Lehrer stehen den Kindern meist ehrenamtlich zur Seite und bieten ihnen die Möglichkeit, in kleinen Gruppen verschiedene Berufe zu simulieren: Den Schneider hinter der Nähmaschine, den Schreiner oder Postbeamten. Während kreative Köpfe Fliesen mit bunter Farbe bemalen und Spardosen basteln und bekleben, beklagt sich ein kleiner Mitarbeiter des Freizeitparks: „Ich will jetzt Geld.“ Auch beim Beauty-​Stand wird man ohne Ostalb-​Euro, die Kidstown-​eigene Währung, ungeduldig: Die Bank ist noch geschlossen, deshalb können keine Kosmetika beim Großhandel gekauft werden. Trotzdem herrscht noch keine Krisenstimmung. Aus Lautsprechern schallt Pop-​Musik dank der Mitarbeiter des Radiosenders, die unter der Leitung des tatsächlichen DJ Volker eine Auswahl von fast 40 000 Titeln haben. Ein Kidstown-​Redakteur spricht durch’s Mikrofon: er ruft alle Mitbürger dazu auf, sich einen Namen für die Tageszeitung zu überlegen. Der Gewinner wird mit einem Gratis-​Abonnement belohnt. Das Kino-​Zelt steht noch leer, denn ohne Ostalb-​Euro kein Popcorn und ohne Popcorn keine Filmvorführung. In Kidstown sind viele Betriebe aufeinander angewiesen und helfen sich gegenseitig, sodass ein gemeinschaftliches Netz entsteht. Die Gruppe Multi Kulti International kommt auch ohne Ostalb-​Euro aus und feilt an ihren Sprachkenntnissen: Betreuer unterrichten die Kinder spielerisch in englisch, spanisch und türkisch. Ein Junge identifiziert sich schnell mit seiner neuen Tätigkeit als Polizist: „Gibt es auch echte Pistolen hier?“ — Natürlich nicht, aber eine grüne Uniform ist doch auch schon etwas. Die Naturwissenschaftler kümmern sich um Fingerabdrücke, die Gärtner pflegen ihre Blumen und in der Küche laufen die Vorbereitungen für das Mittagessen.
Die Kinder des Bürgermeisters waren auch schon Bewohner von Kidstown. Hätte es zu seiner Kinderzeit eine Kidstown gegeben, hätte er gerne als Koch die Mahlzeiten abgeschmeckt, wäre aber vor dem Spülen aus der Küche geflüchtet, gibt er mit einem Lachen zu.
Aus kommunaler Perspektive betrachtet sei Kidstown ein Ferienangebot für Kinder, das bezahlbar sei und ohne Eltern, aber mit Betreuern funktioniere, wie der Bürgermeister sagt. Auch in Kindergärten gibt es schon ähnliche Angebote durch Kinderhäuser. Kinder aus allen sozialen Schichten, von denen manche durch Patenschaft unterstützt werden, haben die Möglichkeit, an dem Projekt Kidstown teilzunehmen. Johannes Kuhn ist Vorstand des Stadtjugendrings und ist schon seit dem ersten Kidstown-​Jahr 2000 dabei. Seither habe sich die Zahl teilnehmender Kinder und Betreuer vergrößert, manche Betriebe seien ausgetauscht worden und die Durchführung laufe professioneller ab. An dem Konzept habe sich jedoch nichts geändert und die Neugierde der Kinder ist dieselbe wie vor neun Jahren, versichert Johannes Kuhn. Sie ist die treibende Kraft von Kidstown und garantiert den Kindern und Betreuern zwei erlebnisreiche Wochen.
 

Kommentare

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  1. Kidstown idea is great. Please consider contacting us. We may have something tangible to add to your Kidstown idea.
    Thank you.
    Kim Singh <creativelearning@gmx.com>
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