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» Ostalbkreis | Samstag, 15. August 2009

Bundestagskandidaten ganz privat (1): Ulrike Sturm wollte früher Straßenbahnfahrerin werden

Die Rems-​Zeitung stellt in einer Serie die Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Gmünd-​Backnang vor. Den Anfang macht Ulrike Sturm, die der Partei Bündis90/​Die Grünen angehört. Von Nicole Beuther

OSTALBKREIS/​REMS-​MURR-​KREIS. Reisen, Wandern, Stricken und Tanzen gehören zu den Hobbys von Ulrike Sturm. In der Mittagspause geht sie gerne Schwimmen. Und neben ihren zwei erwachsenen Kindern, ist es ihr Beruf als Sozialarbeiterin in Backnang, der sie strahlen lässt. „Das Gefühl zu haben, dass man Einzelnen helfen kann“, gefällt der gebürtigen Stuttgarterin besonders.
Sie sticht nicht unbedingt aus der Menge heraus. Auch jetzt nicht, wo die Bundestagswahl ansteht. Möglichst oft und überall gesehen zu werden, bei jedem Festle präsent zu sein, ist nicht ihr Ding. Sie habe sich nicht vorgedrängt, als die Bundestagsabgeordneten-​Nominierung anstand, erzählt Ulrike Sturm, der es schon immer wichtig war, in der Politik mitmischen zu können. Da ist die Zeit am Friedrich-​Schiller-​Gymnasium in Fellbach (dort ist sie aufgewachsen), wo sie oft im Jugendhaus zugegen war und sich für die Rechte und Belange der Gleichaltrigen eingesetzt hat, und da sind die 90er Jahre, in denen Ulrike Sturm gegen die Stationierung der 36 Pershing-​II-​Raketen mit atomaren Sprengköpfen in Mutlangen demonstrierte, „ich bin sehr oft dort gewesen“. Diese Ereignisse seien mit ein Grund gewesen, weshalb sie sich vor 15 Jahren entschieden habe, den „Grünen“ beizutreten.
Seit 1994 fungiert die gebürtige Stuttgarterin in Backnang als Stadträtin, seit 2001 ist sie Fraktionssprecherin. Ihre politischen Schwerpunkte umfassen die Themen soziale Gerechtigkeit, Verkehr und Integration. Und, als Grüne ist ihr freilich auch der Umweltschutz ein Herzensanliegen. Es sei wichtig, dass auch die kommenden Generationen den Aufenthalt in unberührter Natur genießen könnten. Sie selbst sei in jungen Jahren oft und gerne in der Natur unterwegs gewesen. Und dass sie heute Auto fährt, scheint ihr etwas unangenehm zu sein: „Ich fahre mehr, als mir lieb ist.“
Als kleines Mädchen fuhr sie gerne mit der Straßenbahn, und das so gerne, dass sie einst Straßenbahnfahrerin werden wollte. Einer glücklichen Kindheit folgten, „eine wilde, aktive Jugend und zehn Jahre Wohngemeinschaftsleben in einem 200 Jahre alten Haus“.
Viele Jahre später wollte die Backnangerin Lehrerin werden, was sie dann auch zielstrebig in Angriff nahm. Nach dem Lehramtsstudium fand sie jedoch keine Stelle, weshalb sie eine Ausbildung als Bürokauffrau absolvierte und einige Zeit in diesem Beruf tätig war. Auch dann noch, als ihre zwei Kinder auf der Welt waren (heute 15 und 19 Jahre alt).
Sollte Ulrike Sturm einmal an einer politischen Debatte zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ teilnehmen, dann darf man sich gewiss sein: Die Frau weiß, wovon sie spricht, schließlich ist sie seit zehn Jahren alleinerziehend. Schon in jungen Jahren war sie, als die Mutter starb, früh auf sich alleine gestellt.
Seit drei Jahren arbeitet die 47-​Jährige als Sozialarbeiterin im Verein Kinder– und Jugendhilfe in Backnang. So tut Ulrike Sturm das, was sie schon immer getan hat und vermutlich auch in Zukunft tun wird — sich für die Belange anderer Menschen einsetzen und auch weiterhin nach ihrem persönlichen Lebensmotto „Wer aufgibt, hat schon verloren!“ leben.
 

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