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» Ostalbkreis | Samstag, 15. August 2009

SPD-​Ostalbsenioren auf Stippvisite in Ellwangen

Bei schönem Sommerwetter besuchte kürzlich eine große Zahl von fast 30 fröhlichen SPD–Senioren Ellwangen. Die SPD60-​plus-​Vorsitzende im Ostalbkreis, Marga Elser, hatte eingeladen, Stadt– und Kreisrat– Regionalverbandsmitglied Hans Rieger arrangierte die Begegnung.

OSTALBKREIS (pm). Zu Beginn stand die Führung durch Sigrid Radler im Alamannenmuseum, das in einem sehr gut renovierten früheren Siechenhaus und späteren Altenheim am Rande der Stadt untergebracht ist. Die Alamannen — „die Menschen insgesamt“ — ist ein spätantiker „Multi-​kulti-​Begriff“, dem unterschiedliche germanische Stammesverbände aus dem Raum der Elbe, Thüringen, Böhmen angehörten.
Schwerpunkt des spannenden Vortrags von Sigrid Radler waren die Funde von Lauchheim-​Mittelhofen, ein reiches Alamannendorf mit großen Höfen. Die wertvollsten Fundstücke haben sich als Grabbeigaben des 6. und 7. Jahrhunderts im feuchten Boden sehr gut erhalten, etwa Kurz– und Langschwerter, Lanzen, Schildreste, vor allem der eiserne Schildbuckel, Metallteile des Griffes; ein goldener Siegelring, feingliedrige Kreuze aus Blattgold, die auf einem Gesichtstuch aufgebracht waren. Das Reitpferd — für den König viele Pferde — waren ebenfalls kostbare Grabbeigaben, die dem sich bildenden Adel vorbehalten waren, der zuerst das Christentum übernahm, „dessen Symbole aber lange Zeit nur repräsentativen Charakter hatten.“
Hans Rieger stellte fest, dass die oberen Schichten zu allen Zeiten sich feudal etablierten, die unteren für das Leben nach dem Tode aber nichts mitbekamen: „In der obersten Etage lebt sich’s immer gut.“ Diese starke soziale Schichtung zeigt sich auch bei den Frauen: Fibelschmuck, Ohrringe aus Bronze und Silber, auch Schmuck aus Gold, Perlenketten, Amulettanhänger als Abwehrzauber, Schere und Messer, ein Bronzegefäß, ein Glasgefäß, ein aufwendig gearbeiteter Kamm sind eher weibliche Attribute eines Weiterlebens nach dem Tode, bei dem zunächst auch die damaligen Christen glaubten, dass es dazu materieller Attribute benötigte.
Besonders bestaunten die Besucher die rustikalen Baumsärge mit der doppelköpfigen Totenschlange auf dem Deckel — ein Symbol unheilabwehrender Rituale und der Unsterblichkeit. Die Besucher waren begeistert über die reiche Ausstattung und das sehr gute Museums-​Design, den hervorragenden Vortrag.
Hans Rieger führte die SPD–Senioren vorbei an der Westtangente zum Besuch der Innenstadt. Diese stadtnahe Verkehrsentlastung soll den „Ziel– und Quellverkehr nicht durch die Innenstadt leiten, was sehr gut gelingt — eine SPD–Idee, die die anderen aufgenommen und nur etwas umformuliert haben.“ Da merkten die SPD–Senioren rasch, dass ihre Partei in dieser Stadt nicht immer wohl gelitten ist, was auch die Wahlergebnisse der letzten Zeit zeigen.
Am zentralen innerstädtischen Platz konnten mit den Gebäuden von Landgericht, Schwurgericht und Staatsanwaltschaft zentrale öffentliche Funktionen von außen wahrgenommen werden. Von innen besichtigt wurde die evangelische Stadtkirche, zu der durch Napoleons Schlachtenerfolge 1803 die barocke Jesuitenkirche umgewidmet wurde. Wieso bewirkte das katholische Frankreich solch Wechsel? Das protestantische Württemberg galt es als Bundesgenossen für neue Kriege zu gewinnen, deshalb die Übergabe der katholischen Fürstprobstei Ellwangen an Württemberg und die Aufwertung dessen Herzogs schließlich zum König. Hans Rieger machte besonders auf die barocke Illusionsmalerei „Skulpturen mit Schatten, das überhöhte Deckengewölbe“ aufmerksam. Am besten gefiel aber den Besuchern, dass im Jahre 1999, also nach fast 200 Jahren, die verschlossene Verbindungstür zur benachbarten katholischen Basilika St. Vitus unter Anwesenheit des evangelischen wie katholischen Bischofs für immer geöffnet wurde — ein Zeichen neuzeitlicher Toleranz.
Anschließend besichtigte man die katholische Kathedrale genauer, ein Mischstil aus Romanik, Gotik und barocker Überformung, wobei der romanisch-​gotische Eingangsbereich, die weitgehend romanische Außengestaltung, die romanische Krypta und der zauberhafte gotische Kreuzgang den nachhaltigsten ästhetischen Eindruck hinterließen. Jeder merkte: Ellwangen blieb im Kriege unzerstört und ist deswegen so schön und damit ein großes Ziel für Exkursionen. Danach ging es durch Kürschner-​, Bad– und Pfarrgasse zum Stadtcafé, wo bei Eis, Kuchen und erfrischenden Getränken ein heißer Sommertag zu Ende ging, der das große kulturelle Interesse aber nicht beeinträchtigte. Zum Schluss bedankte sich Marga Elser bei Hans Rieger mit der Übergabe der Biographie von Anna Seghers.
 

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