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» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 18. August 2009

Blick in die Geschichte des Hornbergs auf dem „Kalten Feld“ zum 50. Todestag von Wolf Hirth

Kürzlich jährte sich der Todestag von Wolf Hirth zum 50. Male. Für den Gmünder Stadtarchivar Anlass, auf die Geschichte des Hornbergs zu blicken, der nicht zuletzt durch Hirth zu einem der bedeutendsten Segelflugplätze Deutschlands wurde. Von Klaus J. Herrmann

SCHWÄBISCH GMÜND. Nach dem Ersten Weltkrieg verboten die Alliierten den Motorflugsport in Deutschland weitgehend. Findige Tüftler entwickelten deswegen den Segelflugsport weiter fort. Mekka dieser Segelflieger wurde Mitte der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts die Rhön. Aber bereits Ende desselben Jahrzehnts begann der Segelflugsport auch in unserem Gebiet, auf dem Hornberg, Fuß zu fassen.
Es war ein flugbegeisterter Gmünder namens Josef Schedel, der im Jahr 1929 ein erstes flugbereites Modell entwickelt hat, und es auf den Namen „Kaltes Feld“ taufte. Erste Starts erfolgten auf dem Lindenfeld, am Klarenberg und am Meselberg bei Donzdorf. Im August 1928 startete dann auf Schedels Wunsch der erste Flug auf und über dem Kalten Feld. Bereits vorher hatte sich Schedels Gruppe dem Württembergischen Luftfahrtsverband (WVL) angeschlossen und im Jahr 1930 am 2. Württembergischen Heimatwettbewerb mit Erfolg teilgenommen.
Die Anfänge der Segelfliegerei auf dem Hornberg gestalteten sich einfach. Der Bauer vom benachbarten Saurenhof, Josef Reißmüller, stellte den Fliegern eine kleine Scheuer zum Schutz für Mensch und Maschinen zur Verfügung, die in den Jahren 1930/​31 ausgebaut wurde. Auch die Verpflegung der Flieger und deren Gäste übernahm der Bauer und seine Frau: Legendär und bis heute bekannt wurde sein „Kalter-​Feld-​Tee“.
Die Idee des Ausbaus dieses Provisoriums ließ nicht lange auf sich warten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Grunderwerb ging es mit dem Ausbau des Segelfliegerlagers zügig voran. Zum Bauabschnitt I gehörten eine Flugzeughalle, Unterkunfts– und Wirtschaftsgebäude. Impulse für die weitere Entwicklung gingen besonders von der Stadt Schwäbisch Gmünd aus, die sich vom weiteren Ausbau eine Stärkung ihres Fremdenverkehrs versprach.
Als am 12. Juli 1933 die fertig gestellte Anlage auf dem Hornberg mit großem Pomp freigegeben wurde, geschah das bereits im Schatten des Nationalsozialismus, der die Segelflugidee allmählich für seine Ziele der „Wehrertüchtigung“ pervertierte.
Bei der Einweihung erschienen neben dem Herzog von Württemberg und Ministerpräsident Mergenthaler auch die berühmten Flugzeugkonstrukteure Dr. Ernst Heinkel und Claude Dornier. Der Chronist und Sachkenner Gerd Zipper berichtet über das Ereignis in seinem Buch „Der Hornberg“: Schon am Morgen des 12. Juli 1933 waren die Straßen von Schwäbisch Gmünd mit Wimpeln und Flaggen geschmückt. Kaum waren um die Mittagszeit die ersten Sonnenstrahlen durch die grauen Regenwolken gedrungen, da setzte auch schon eine wahre Völkerwanderung zu Fuß, mit Kraftrad, Kraft — und Lastwagen sowie Omnibussen zum Hornberg ein. Dabei waren Autokennzeichen aus dem ganzen Land und dem benachbarten Ausland zu sehen.
Der Platz zwischen der Brücke am ehemaligen Waldstetter Tor und dem Gasthaus Weißer Ochsen, glich dem Hauptverkehrsknotenpunkt einer Großstadt. An jeder Straßenecke standen Polizeibeamte, Landjäger und Sanitäter. In Weiler in den Bergen wies ein Fesselballon den Kraftwagen den Weg an einer Tankstelle vorbei Richtung Furtlepass. Der Flugplatzrand war mit 1000 Kraftwagen und 500 Motorrädern in dicht gedrängten Reihen zugeparkt. Nahezu 10000 Menschen belagerten das Fluggelände und die Abhänge des Kalten Feldes. Ununterbrochen kreiste über den Köpfen der Besucher ein Segelflugzeug, das von Hanna Reitsch geflogen wurde. Ihre Landung nach vier Stunden Flugzeit wurde ein neuer Hornberg-​Dauerflugrekord. Am gleichen Tag weihte man noch sechs gestiftete neue Segelflugzeuge ein.
Die Arbeit und die Schulung auf dem neuen Fluggelände wurde bestimmend geformt vom ihrem ersten Leiter Wolf Hirth, einem studierten Diplomingenieur und passionierten Segelflieger, der auf Anraten von Christian Biser, dem „Vater des Hornbergs“ und Ausbauplaner des Fliegerhorstes, die Führung übernahm und sie zielstrebig ausbaute, auch nach dem Desaster des Zweiten Weltkriegs. An sein Wirken erinnert noch heute eine Straße mit seinem Namen in Unterbettringen, die dort 1961 auf Anraten des Segelflugkameraden Gerold Wamsler angebracht wurde.
Nach 1933 erfolgte die zwangsweise Auflösung des Württembergischen Luftfahrtverbandes und später die erzwungene Eingliederung ins Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK). Die Segelflieger selbst wurden ab sofort von diesem Korps gestellt, die zwei neuen „Flug– und Arbeitsgruppen“ (FAG) dann in den „Fliegersturm Schwäbisch Gmünd“ umorganisiert. Immer mehr kristallisierte sich heraus, dass die halbmilitärische Ausbildung auf dem Hornberg zur Vorbereitung der Jugend für eine spätere Pilotenlaufbahn auf Militärmaschinen dienen sollte.
Mitten im Krieg 1941/​42 drehte die Berliner Filmgesellschaft Terra auf dem Hornberg auf Weisung des Propagandaministeriums den Film „Himmelhunde“, in dem am Beispiel von Segelflugschülern gezeigt werden sollte, wie nur „Disziplin und Gehorsam der Gemeinschaft“ nützlich sein können. Der Gmünder Filmhistoriker Bernd Kleinhans merkt zu diesem Film — bei dem in kleinen Rollen auch Gmünder als Komparsen mitspielen durften — äußerst kritisch und wohl zu Recht an: Der Einsatz von echten Hitlerjungen als Laienschauspieler sollte „Himmelhunde“ als authentisches Dokument der NS-​Jugend angeben… Doch diese Authentizität war vor allem ein Propagandatrick…Die Wahrheit freilich ist: Es geht um eine Gemeinschaft, die auf einen Führerbefehl hin bereit ist, sich in einem sinnlosen Krieg zu opfern“.
Am 16. April 1945 zerstörte in zwei Angriffen die amerikanische Luftwaffe den Segelfliegerhorst. Lediglich die Halle III und etwa 30 Segelflugzeuge überlebten die Angriffe. Am 25. April besetzten amerikanische Truppen den Hornberg und beschlagnahmten das Gelände, das von nun an von Degenfelder Bauern bewirtschaftet wurde.
Am 28. Mai 1951 entfiel dann nach sechs Jahren das von den Amerikanern ausgesprochene Verbot des Segelflugsports, im gleichen Jahr erhielt der neugegründete Württembergische Luftfahrtverband seine 1933 enteigneten Liegenschaften auf dem Hornberg zurück.
Der Wiederaufbau ging dann zügig voran. Seit 1968 gibt es auf dem rekonstruierten Geländes des Hornbergs zusätzlich einen lufttechnischen Betrieb, zuständig für die Schulung der Werkstattleiter einzelner Flugvereine. Von den rund 40 Segelflugplätzen auf der Schwäbischen Alb, ist der Hornberg heute einer der bedeutendsten.
 

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