360-Grad-Fotos für Google „Street View“ in Schwäbisch Gmünd
Der Anblick jener Kamera-Fahrzeuge, die auch im Gmünder Raum im Auftrag von Google unterwegs sind, erinnert irgendwie an die frühen James-Bond-Filme. Es handelt sich jedoch keineswegs um geheime Spionage-Fahrten, sondern um Aufnahmen für einen „Straßenatlas“, der bald auch für Deutschland verfügbar sein soll. Von Gerold Bauer
SCHWÄBISCH GMÜND. „Google“ benutzt eigentlich jeder, der irgendwann ins Internet geht. Denn ganz automatisch öffnen die gängigen Browser die „Google“-Suchmaschine. Flugs das gewünschte Stichwort eingegeben und wenige Sekunden später taucht ein mehr oder weniger langes Verzeichnis von Seiten auf, die diesen Begriff enthalten.
Das US-amerikanische Unternehmen bietet aber weit mehr als diese Suchmaschine an — zum Beispiel umfangreiche geographische Datenbanken mit Satelliten– und Luftbildern beziehungsweise Kartenmaterial. Und dieses Geo-Angebot soll sogar noch vielseitiger werden; via Internet werden nun auch Straßenansichten aus der Perspektive des Fußgängers publiziert. Diese „Street View“-Bilder sind seit dem vergangenen Jahr für viele Städte sowie für die Nationalparks der
USA im Netz verfügbar. Auch Teile Frankreichs, Japans, Italiens, Spaniens, Neuseelands und Australiens sind bereits auf diese Weise erfasst und der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht.
Dazu wurden mit speziell ausgerüsteten Pkw beziehungsweise Fahrrädern
360-Grad-Panorama-Bilder aufgezeichnet. Dabei nehmen acht Kameras die Rundum-Ansicht auf, während eine neunte nach oben gerichtet ist. Mithilfe von dreidimensionalen Lasermessgeräten werden auch Abstände erfasst, so dass es zu einem späteren Zeitpunkt möglich werden soll, räumliche Darstellungen von Gebäuden im Internet abzurufen.
Natürlich kann es ganz interessant oder sogar nützlich sein, wenn man sich vor einer Reise schon mal die Straße am Computer anschaut und das Haus sucht, in dem Onkel Anton oder frühere Schulkamerad jetzt wohnen. Mancher freut sich wohl auch darüber, wenn er via Internet einen „Besuch“ in seinem Elternhaus machen oder sich jene Straßen anschauen kann, in denen er als Kind gespielt hat.
Allerdings haben viele Menschen auch Bedenken und sehen in dieser „Erfassung“ ihrer Häuser und Gärten einen Eingriff in die Privatsphäre. Mithin haben sich bereits Datenschutzbeauftragte und Gerichte intensiv mit dem Thema befasst. Nach derzeitigem Stand der Rechtsprechung lassen sich diese Aufnahmen nicht verbieten. Denn sie werden von der öffentlichen Verkehrsfläche aus gemacht und zeigen nur, was jeder Fußgänger in dieser Straße auch persönlich anschauen kann. Von elektronischem Voyeurismus kann also keine Rede sein.
Die Justiz hat allerdings klargestellt, dass der Anbieter von „Street View“ Gesichter, Hausnummern und Kfz-Kennzeichen verschleiern muss. Dies wird vom Anbieter mittels eines Computerprogramms gemacht, dass Gesichter und Nummernschilder automatisch erkennen und unkenntlich machen kann. Allerdings ist diese Automatik-Funktion nicht
100-prozentig zuverlässig. Wer ein Foto findet, auf dem Gesichter, Hausnummern oder Autoschilder zu erkennen sind, kann dies online monieren und gegen die Veröffentlichung Einspruch erheben.
Die Rathäuser der Städte und Gemeinden sind bei diesem Projekt übrigens offiziell nicht beteiligt und müssen von „Google“ auch nicht um Erlaubnis für die Kamera-Fahrten gefragt werden. Als Service für ihre Bürger hat die Stadt Gmünd aber vorsorglich im Amtsblatt schon vor geraumer Zeit die Adresse veröffentlicht, unter der man sich beschweren kann: streetview-deutschland@google.com oder per konventioneller Post an Google Germany
GmbH, Betr. Street View, ABC-Straße
19,
20354 Hamburg. Datenschützer empfehlen, dass man sich Kopien dieser Korrespondenz zur eventuell nötigen Beweissicherung aufbewahren sollte. Im Widerspruch sollten konkret die Gebäude, Grundstücke oder Fahrzeuge genannt werden (mit Adresse), die beanstandet werden. Die Einhaltung einer bestimmten Form sei für diese Widersprüche nicht erforderlich, habe Google zugesagt.
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