SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Kurz stutzten die Gläubigen. Von der Predigt zur Bernhardus-Wallfahrt dürfen sie seit jeher Außergewöhnliches erwarten; Kirchenreformer haben gesprochen, andere, die an Bernhards Mystik anknüpften. Letztes Jahr war Kardinal Walter Kasper da. Aber noch nie wurde wohl in schwäbischen Versen gepredigt. Pfarrer Krieg wagte es — und gewann. Davon zeugte anschließend der anhaltende Applaus und die vielfach geäußerte Bitte um den Predigttext. Der geborene Weilermer Dietmar Krieg ist einer, der dem Bernhardus seit seiner frühen Kindheit verbunden und mittlerweile 40 Jahre dabei ist; nicht von ungefähr ist ihm die Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum der erneuerten Wallfahrt zu verdanken. Vielfach mit Bernhard-Worten belegte er sein großes Anliegen, seine Botschaft: Glaube ist nicht Pflicht, noch Last. Und Bernhard, der in den Wirren seiner Zeit „zum hellen Licht geworden“ sei, habe auch den Menschen heute einiges zu sagen.
Es war keine oberflächliche „Wohlfühlpredigt“, auch wenn sie wohl tat. Wer nie genieße, wusste schon der Heilige, tue niemandem etwas Gutes. Ob das nicht eine Lehre für die Menschen heute sei, fragte Pfarrer Krieg, wo doch alles nur renne und hetze: Man dürfe sich nicht nur ums Morgen sorgen, müsse jetzt nach seinem Leben schauen. Der Seele etwas gönnen, Träume wahr machen, sich überlegen, ob noch ein Leben geführt werde, wie Gott es den Gläubigen wünsche.
Auch die Natur sei Lehrer der Menschen: Beständigkeit sei hier zu finden; die Erkenntnis, dass alles einen Platz habe in Gottes Welt. Wo der Herrgott einen hinstelle, lasse sich Glück finden. Bernhard von Clairvaux, selbst hochgebildet und geistreicher Verteidiger des Glaubens, war ganz sicher, dass Gott leichter im Gebet zu finden sei als im Trachten nach Wissen. Bernhard und Pfarrer Krieg reden zudem gemeinsamem Glaubenszeugnis das Wort; Glaube lebe vom Teilen – auch das Singen und Beten am kleinen Kapellchen auf dem Bernhardus sei heilsam. Das Scheitern, das Irren Bernhards, etwa beim Thema Kreuzzug, wurde verbunden mit dem Gegenentwurf, mit Jesus, der keine Feindbilder aufbaue, sondern der Liebe Macht gebe. Mit Bernhard selbst, der die Bedeutung der Liebe schließlich erkannt habe. Aus Gottes Botschaft zu leben, mache froh, da ist sich Dietmar Krieg sicher: Und was sei schöner, als frohe Christen zu erleben. Dazu trug er selbst bei, als er später einen uralten irischen Segen sprach.
Vieles an dieser Wallfahrt hat sich seit Menschengedenken nicht verändert. Das Bernharduslied etwa. Der Segen mit dem Bernhardus-Reliquienkreuz. Oder das gemeindeübergreifende Zusammenspiel unterschiedlichster Einsatzkräfte, der Kappellen und Chöre. Sehr alte Gläubige sind stets dabei, ganz kleine Kinder, und immer auch die Gastgeber, die Familie von Rechberg und Rothenlöwen.
„Dia groaße, scheane Buachabäum, die lehrad oin da Dank
an Schöpfergott; ond kehrsch no hoim bisch gsender du statt krank.“
(..)
Durchs Beata schöpft ma nuia Kraft kah Gott dia Sorga saga
Ond hot ma’s von dr Seel sich gschafft leit’s nemme so schwer em Maga.
(..)
Vielleicht tät’s gut so manchem Gwissa Fuier z’fanga an Sei’m Wort:
„Glühen ist besser als Wissen“ Des gilt au mir sofort.
(..)
Denn ohne Leaba wär dr Glauba bloß no a Schattabild.
D’Heiliga Mess verkommt zom Zauber, wenn bloß no dr Buchstab gilt.
(..)
Ond au d’Kirch wär bloß Museum, fend’t koi Gottesdienst mai statt,
der beseelt isch von Beigst’rung s’Gegateil von müd ond matt“.
Mit leuchtenden Bildern schließlich schmückte der Geistliche seinen Vergleich vom Gläubigen als „Garten Gottes“, der Freude sei und Gnade, der aber auch gehegt sein wolle. Wie Schmerz und Leid in diese Frohbotschaft passen, wie Zweifel und Verzagtheit zu begegnen sind: „Du brauchsch deim Gott bloß bis zu dir selber entgegaganga“; dort lasse sich der Herr finden, des Menschen Seele sei sein Thron.
„St. Bernhard ohser Schutzpatroh’, bitt du bei Jesus, Gottes Soh’ om Kraft en ohsre Sorga, Müha,
dann könnat mir – en Gottes Garta noh’ scheener blüha.“
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