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» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 21. August 2009

Schirm, Wasserflasche oder Fahrtwind — die Gmünder wurden kreativ, als es darum ging, die größte Hitze des Jahres abzuwehren

Am wahrscheinlich heißesten Tag des Jahres gab es nur zwei Möglichkeiten: Rollladen runter und daheim verschanzen oder hinaus ins Freie und Schatten aufsuchen. Von Isabelle Jahn

SCHWÄBISCH GMÜND. Denjenigen, die sich für’s Hinausgehen entschieden haben, fielen aber noch ganz andere Methoden ein, um dem Körper eine wohltuende Erfrischung zu gönnen: Volkmar ist von Beruf Monteur und bei seiner Arbeit auf dem Dach den knallenden Strahlen der Sonne ausgesetzt. „Da hilft nur eins: einfach Wasser über’n Kopf.“ Hier ist der Griff zur (Wasser-)flasche ein echtes Erfolgsrezept. Bei der Klamottenwahl waren sich gestern alle einig: weniger war definitiv mehr. T-​Shirt, kurze Hose und Flip-​Flops ließen ein wenig Luft durch. Wer es gar nicht mehr anders aushielt zog die Schuhe gleich ganz aus und spazierte barfuß über den Marktplatz. Als Sonnenschutz diente alles, was groß und schattenspendend war: vom Vordach des „Ihr Platz“ über den Baum im Spital bis zum Regenschirm wurde alles angenommen.
Einige flüchteten in klimatisierte Räumlichkeiten, wie den ehemaligen „Woha“, wo vorübergehend ein Räumungsverkauf stattfindet. Die Verkäuferin wäre trotz angenehmer Innentemperatur lieber zu Hause oder im Freibad gewesen. Sie hoffte auf ein abendliches Gewitter: „Wenn’s regnet bin ich die Erste, die draußen ist“, versicherte sie. Auch wenn in manchen Schaufenstern schon die Jacken und Mäntel ausgestellt werden, verkaufe sich momentan vor allem Badekleidung. Auf Wasserratten, die schnell ins Freibad wollten und auf andere Fahrgäste warteten Gmünds Taxifahrer bei offenen Türen und Fenstern. Einige Meter weiter gab es Grund zum Stutzen: Die Eisdielen waren wider Erwarten nicht überbevölkert. Die Chefin des „Eiscafé Galante“ erklärte, es sei zu heiß für Eis. Der Fußgänger wolle lieber etwas trinken und zwar weniger süß und nicht so klebrig. Die ideale Temperatur für den Eisverkauf liege bei 28 Grad, sagte die Chefin. Gestern wurden 37,5 Grad gemessen. An warmen Tagen meist geschlotzt ist Fruchteis.
Peter fand es für gar nichts zu heiß: Er radelt fast täglich — auch am wohl heißesten Tag des Jahres — von Göppingen nach Gmünd. Er war der Meinung, gestern sei das „optimale Wetter zum Radfahren“ gewesen, denn der Fahrtwind kühlte das Gemüt. Im Vergleich zu der Hitze, bei der Peter letzten Sommer durch Andalusien radelte, ist es in Deutschland wohl noch auszuhalten. Auch die zehnjährige Leonie konnte mit den hohen Temperaturen umgehen: Ihre Reiterstiefel sind nicht gerade die ideale Sommerkleidung. Bei so einem Wetter werde aber in der Halle geritten, denn „die Pferde schwitzen auch“, so Leonie.
Schwitzen gehörte bei dem Hitzerekord eben einfach dazu — außer für diejenigen die einen Schattenplatz erwischten. Hermann, der im Spitalhof auf der Bank saß und in einem Western blätterte, war einer von ihnen. Trotzdem hat auch er nicht immer die Wahl. Aus gesundheitlichen Gründen wurde ihm verordnet, täglich zwei Stunden spazieren zu gehen. Für alle, denen das Freibad zu voll war, hat Gmünd ja noch genügend Brunnen und andere Quellen, aus denen Wasser sprudelt. „Das tut wirklich gut“, hörte man’s vom Marienbrunnen rufen. Die Kleinen planschten am Wasserspiel vor dem „Bassano“ — ob mit oder ohne Eis.
 

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