Die Guggenmusikgruppe „Los Krawallos“ von der Stiftung Haus Lindenhof ist eine Erfolgsgeschichte
Sie waren die Shooting-Stars bei der letzten Fasnet: Die Guggenmusikgruppe „Los Krawallos“. Ein Auftritt mit ihnen ließ sich manch’ Bürgermeister nicht entgehen. Aber auch der Landrat des Ostalbkreises, Klaus Pavel, gesellte sich gerne zu den waschechten Schrägtönen von der Stiftung Haus Lindenhof. Von Clemens Beil
SCHWÄBISCH GMÜND. Für einige Bewohner der Behinderteneinrichtung ist die Guggenmusik das Größte. Der Rhythmus wirkt basal und geht mit einer beeindruckenden Lautstärke einfach ins Blut über. Auch mit ihren schrillen Kostümen sind sie eine Augenweide.
Doris, die relativ selbstständig in einer Wohngruppe der Stiftung lebt, ist ein alter Schrägton-Fan, der sich kein Treffen auf dem Marktplatz entgehen lässt. Als sie davon hörte, dass auch im Lindenhof eine Gruppe auf die Beine gestellt werden soll, sagte sie gleich: „Da mach’ ich mit.“ Ein Instrument war schnell gefunden: An ihrer Trommel ist sie bei den Auftritten nicht zu bremsen und mit Leib und Seele dabei. Sie genießt es, einmal so richtig im Mittelpunkt zu stehen.
Bereits das Gefühl, in farbenfrohen Kostümen und mit viel Tamtam auf die Bühne zu marschieren und alle Augen sind auf einen gerichtet, löst ein Hochgefühl aus. Ihre Freundin Hildegard, auch mit von der Partie, hatte am Anfang etwas Angst vor den vielen Leuten, doch bereut hat sie es keine Sekunde — in der nächsten Saison will sie wieder dabei sein. Für Roland Pacella, bei der Stiftung verantwortlich für die Erwachsenenbildung, war Sebastian ein Schlüsselerlebnis. Der junge Mann mit Down-Syndrom bekam durch Zufall eine Trompete in die Hand; auf Anhieb brachte er einen mustergültigen Ton heraus. Er sei richtig aufgelebt bei diesem Erfolgserlebnis.
Warum nicht eine Band gründen, in die sich jeder nach seinen Möglichkeiten einbringen kann — die Schrägtonmusik lag nahe, weil es nicht nur um Können, sondern auch um Originalität geht. Die Geschichte nahm ihren Lauf, als in der Zeitung stand, dass die Stiftung alte Musikinstrumente sucht. Jede Menge Spenden wurden abgegeben: Flügelhorn, Trommeln und andere alte Instrumente. Wie es sich für eine echte Guggenmusikgruppe gehört, kommen bei „Los Krawallos“ auch Eimer, Waschbretter und Gartenschläuche zum Einsatz.
Zu einer Erfolgsgeschichte wurde die Idee, als es um die Gruppenzusammensetzung ging. Sie sollte nicht nur aus Bewohnern der Stiftung bestehen, sondern auch Außenstehende mit einbeziehen: Jeder Guggenmusiker mit Behinderung sollte einen nicht behinderten Tandempartner zur Seite haben, was problemlos umgesetzt werden konnte.
Viel Unterstützung kam vom Musikverein Bettringen, der mit Daniel Stegmaier den musikalischen Leiter stellt, sein Partner ist Lars Brucker, der voll und ganz seinen Mann steht und nicht nur auf dem Papier die Co-Leitung übernimmt. Auch die Gmünder Altstadtfeger boten ihre Hilfe an. Großer Dank gebühre auch der Aktion Mensch, mit deren großzügiger finanzieller Unterstützung die Gruppe überhaupt erst gegründet werden konnte; weitere Sponsoren, finanziell und logistisch, schlossen sich an.
Von einer Woge der Sympathie wurden die „Krawallos“ bei ihren Auftritten getragen. Spontan gesellten sich Lokalpromis wie Landrat Klaus Pavel und die Bürgermeister Michael Rembold und Werner Jekel zu der Gruppe, die nicht nur wegen ihres genialen Namens und der ansprechenden Kostüme gefiel: Die farbenfrohen Ponchos kleideten auch Rollstuhlfahrer wunderbar ein, passend dazu tragen sie hohe Sombreros. Auch ihr Repertoire, Adaptionen von Hits wie „Eisgekühlte Coca-Cola“ oder „The lion sleeps tonight“, lösten ein rundum positives Echo aus: „Des war oifach gut“. Pacella sieht den Grund des Erfolges in der Authentizität der Leute vom Lindenhof: „Die leben das richtig.“ Bei der offiziellen Eröffnung des internationalen Guggenmusik-Festivals haben sie ebenso überzeugt wie auf dem Marktplatz, auf dem nur geladene Gruppen spielen durften. Eine Einladung für das nächste Jahr liegt bereits vor. Für Steffen Müller, Organisationsleiter von „Beratung und Ambulante Dienste“, ist dies ein Paradebeispiel von Teilhabe, „was sie ist und sein muss“. Von den Beteiligten wird es als völlig normales, nettes Miteinander beschrieben.
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