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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 26. August 2009

Gmünder Geschäfte berichten über das aktuelle Schlussverkauf-​Verhalten ihrer Kunden

„Sale“, „Alles muss raus“, „Reduziert,“ mit solchen Werbeschildern versuchen die Geschäfte in der Gmünder Innenstadt, Kunden in ihre Läden zu locken. Ziehen solche Slogans noch? Zumal es den Sommerschlussverkauf ja offiziell gar nicht mehr gibt. Und wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf das Kaufverhalten aus? Die RZ fragte nach. Von Anna Mechele Shivers

SCHWÄBISCH GMÜND. Mancher erinnert sich noch daran, wie man sehnsüchtig darauf wartet, dass die SSV–Schilder in den Schaufenstern Schnäppchen verhießen. Lange Warteschlangen vor den Kaufhäusern gehören schon längst der Vergangenheit an, denn die gesetzlichen Regelungen und strengen Limitierungen für die Durchführung eines Sommerschlussverkaufs wurden abgeschafft. Dies hält allerdings die Einzelhändler in Deutschland nicht davon ab, ihre Ware zum Ende der Saison besonders preisgünstig anzubieten. Denn schließlich hat sich ja nichts daran geändert, dass die laufende Kollektion raus muss, um Platz für die neue Ware zu schaffen. Im manchen Geschäften hört man, dass sich aufgrund der momentanen Wirtschaftslage das Kaufverhalten in der Ferienzeit verändert hat – nicht nur zum Negativen, sondern auch zum Positiven.
Laut Douglas-​Filialleiterin Monika Nubert sei der Kunde heutzutage nicht mehr einschätzbar. Früher sei es deutlicher zu erkennen gewesen, wann oder was welche Altersgruppe einkauft. In diesem Sommer sei ihr aufgefallen, dass viele Kunden mehr Serviceleistungen, wie professionelles Schminken, Mani– oder Pediküre in Anspruch nehmen. „Der Kunde investiert lieber, um sich verwöhnen zu lassen, statt in den Urlaub zu gehen“, fügte Monika Nubert hinzu.
Nicole Engel, die Leiterin der Gmünder WMF-​Filiale, berichtet hingegen, dass man es den meisten Kunden ansehe, ob sie lieber das teurere, wertbeständige Besteckset kauft oder eher ein günstigeres, das der Brieftasche gut tue. Positiv habe sich ausgewirkt, dass in ihrem Geschäft durch einen Umbau eine neue Zielgruppe angesprochen werden kann. Die Schmuckmarke Swarovski könne seit geraumer Zeit in einen Bereich der Verkaufsfläche präsentiert werden. Dieses Angebot ziehe vor allem die jüngere Kundschaft an.
Beim Schuh– und Bekleidungsverkauf geht die Verkaufsstrategie in eine andere Richtung. Auf bereits reduzierte Ware kam schon im Juli und dann im August nochmals eine fünfzigprozentige Preissenkung. Vor allem die beliebten Sommertreter „Flip Flop“ wurden in allen Farbvariationen sehr gut verkauft. Laut Ella Enns, Filialleiterin bei Schuh-​Mayer, ist es die letzten Tage eher ruhig geworden, aber im Juli seien vor allem Espandrilles und Sandaletten gerne gekauft worden. Doch dieses Jahr könne man nicht mit den Jahren zuvor vergleichen. Man spüre und sehe den Umsatzunterschied enorm.
Olga Geringer ist verantwortlich für den auf Frauen– und Männermode spezialisierten Laden „Spontan“ im City Center. Seit zehn Jahren schon ist sie dort beschäftigt und kann dementsprechend gut einschätzen, welche Veränderungen in den letzten Jahren sich im Kaufverhalten bemerkbar gemacht haben. Der August 2009 sei der schlechteste Verkaufsmonat gewesen, seit sie im „Spontan“ arbeitet. Auch dort wurden reduzierte sommerliche Kleidungsstücke wie Tank-​Tops oder Miniröcke um weitere Prozente herunter gesetzt. Von manchen Kunden werde sie sogar gefragt, ob denn diese Sommerjacke oder jenes T-​Shirts nicht noch ein drittes Mal im Preis gesenkt werden kann.
Die Verkäuferinnen vom WOP in der Bocksgasse, gegenüber der Johanniskirche, bieten zur Zeit Saisonartikel wie modische Schals in knalligen Farben, praktische Strandtaschen für den Urlaub, Sonnenbrillen oder Ventilatoren an. Parallel dazu werden trotzdem auch nichtreduzierte Waren verkauft. Insbesondere Geschenkartikel und Schmuck seien ganzjährig gefragt und wirken sich nicht auf das saisonale Kaufverhalten aus.
Unterm Strich lässt sich also kein einheitlicher Trend im Verhalten der Gmünder Kundinnen und Kunden erkennen. Konsumiert wird auch in Krisenzeiten — allerdings mit mehr individuellen Vorlieben als im klassischen Schlussverkauf.
 

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