SCHWÄBISCH GMÜND. Weiteres Ziel auf der Sommertour des Gmünder SPD–Bundestagsabgeordneten Christian Lange war gestern der Weltladen in Schwäbisch Gmünd. Gemeinsam mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Karin Kortmann MdB, waren im Gespräch mit dem Vorstand des Weltladens sowie Solwodi-Vertreterinnen Probleme der Entwicklungsländer Thema.
Armut bekämpfen, Klima und Umwelt schützen, Frieden sichern und Demokratie fördern, so Lange und Kortmann, seien für sie die zentralen Themen, den Menschen in ihrer fernen Heimat zu helfen und dem Ziel: „Eine Welt“ näher zu kommen.
Kortmann gratulierte zum Auftakt dem Gmünder Weltladen zum 30-jährigen Bestehen und wurde von Vorstandsmitglied Norbert Fischer auf die Festveranstaltung im September hingewiesen. Christian Lange dankte dem Verein für die Einladung und für dessen wichtiges ehrenamtliches Engagement. Fischer und Vorstandskollegin Dorina Lock freuten sich über den Besuch, da nur so das Anliegen „fairer Handel“ in die Politik transportiert werden könne.
Die Franziskaner-Schwestern Regina und Leonore, die für den Verein „Solwodi“ an dem Gespräch teilnahmen, stellten dessen Arbeit unter anderem gegen den Frauenhandel und die Armutsprostitution vor. So müsse zum Beispiel das Prostitutionsgesetz geändert werden, das den Betroffenen wenig gebracht habe. Andere dürften an deren Arbeit nicht verdienen.
Karin Kortmann wies darauf hin, dass die Armut in der Welt zunehme. 40 Prozent der Menschen hätten nur ein Prozent Anteil am Welthandel. Dabei erzeugten diese Menschen gute Produkte.
Fairer Handel setze in Deutschland 193 Millionen Euro jährlich um. Der Anteil steige, auch Discounter beteiligten sich zunehmend. Dennoch seien die 1,70 Euro pro Kopf und Jahr für fair gehandelte Produkte viel zu wenig. In der Schweiz belaufe sich dieser Betrag immerhin auf 20,80 Euro.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit unterstütze die jährliche Fairhandelswoche im September. Man würde sich mehr Unterstützung durch das Fernsehen wünschen – etwa mit kostenlosen Prominenten-Spots mit dem Motto „Ich benutze fair gehandelte Produkte, weil …“.
Weltläden überzeugten durch gute Beratung. Hier könne man fragen, wo die Produkte herkommen und wie sie hergestellt werden. Neu sei ein Projekt, wie diese Informationen direkt über den Strichcode auf den Produkten abgerufen werden können. Die Staatssekretärin schilderte den Erfolg der Aktion „Cotton made in Africa“ und berichtete über die Mikrofinanzierung von Frauenprojekten, bei der Deutschland weltweit mit führend sei. „Es sind manchmal nur ein paar Dollar, die eine Frau in Afrika in die Lage versetzen, mit einfachen Produktionsmitteln ihre Familie zu versorgen“, warb Karin Kortmann für diese Arbeit.
Kortmann sprach weiter vom Menschenrechts-Aktionsplan für Frauen und Kinder. Hier gehe es um das Selbstbestimmungsrecht und die Menschenwürde – unter anderem auch mit dem Kampf gegen Beschneidungen.
Die Forderung von Norbert Fischer, die Bundesrepublik müsse Exportsubventionen für Agrarprodukte stoppen, brachte die SPD–Politikerin – zustimmend – in Rage. Sie ärgere sich selbst maßlos, dass hier keine Koordination mit dem CSU-geführten Landwirtschaftsministerium möglich sei. Weil in Deutschland offenbar nur noch Hähnchenbrustfilets gegessen würden, subventioniere der Staat die Ausfuhr der anderen Geflügelteile nach Afrika und mache damit dort die landwirtschaftliche Produktion kaputt. Das Gleiche gelte für den Export des Milch-Überschusses aus der EU.
Karin Kortmann, Diplom-Sozialpädagogin aus Düsseldorf, leitete von 1985 bis 1988 die Fachstelle für Arbeiterjugendliche des Römisch-katholischen Bistums Limburg. Von 1988 bis 1991 war sie hauptamtliche Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Limburg und von 1990 bis 1997 hauptamtliche BDKJ-Bundesvorsitzende mit Sitz in Düsseldorf.
Seit 1982 ist sie Mitglied der SPD, seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war sie von 2002 bis 2005 Sprecherin der Arbeitsgruppe Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der SPD–Bundestagsfraktion, war Obfrau im Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und gehörte auch dem Fraktionsvorstand an.
Vor ihrem Termin im Gmünder Weltladen machte das Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken mit Christian Lange einen Abstecher ins Heilig-Kreuz-Münster.
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