Die Georgskaplanei, ein Innenstadt-Traum
Monatelang war die Georgskaplanei, das Haus Münstergasse 3, mit einem grünen Vorhang verhüllt. Jetzt fällt das Gerüst — ein wunderbar restaurierter Fachwerkgiebel wird sichtbar. Hier erfüllt sich ein Ehepaar seinen Traum vom Wohnen in der Innenstadt.
SCHWÄBISCH GMÜND
(rw). Ralf und Magdalene Gärtner legen selbst Hand an, wo sie können. Das Lehrerehepaar hat das Haus mit einer fast
500-jährigen Geschichte im Oktober
2008 erworben. Beide haben handwerkliches Geschick, die promovierte Kunsthistorikerin besitzt überdies eine Restauratorenausbildung. Seit gut drei Jahren wohnen und arbeiten sie in Gmünd. Und hier wollen sie, beide Quereinsteiger im Lehrerberuf, nach einigen „Wanderjahren“ auch bleiben. An die Georgskaplanei, die vor einigen Jahren aus Kirchenbesitz in private Hand gelangte, stießen sie eher zufällig. Sie war wieder zu haben, ausgeschrieben im Sparda-Infoblatt, „so einfach wie trivial“, sagt Ralf Gärtner. Der Bauherr ist es inzwischen gewohnt, angesprochen zu werden, vor allem an Markttagen: Das Haus hat eine markante Ecklage an der Fuggerei, seine Giebelschauseite setzt einen Akzent an der Münstergasse. Viele Gmünder hätten offenbar eine Beziehung dazu, erzählten, wie es früher war, und sparten nicht mit Lob für das Projekt, berichtet Ralf Gärtner.
Das Paar hatte immer schon in Innenstädten gewohnt, für sie überwogen immer die Vorteile. „Wir akzeptieren, was nachteilig ist“: kein Stellplatz fürs Auto am Haus, Innenstadtgeräusche aller Art am Tag und in der Nacht. „Man muss sich auf die Umgebung einlassen und auf das Haus“, sagt Magdalene Gärtner, „mich fasziniert, in Münsternähe zu sein.“ Ein solches Baudenkmal als Nachbarn zu haben, selbst durch ein spitzbogig-gotisches Türgewände ins Haus einzutreten, das hat seinen Reiz.
Hinter dem Eingang wartete freilich eine Menge Arbeit auf die neuen Besitzer. Der RZ gestatteten die Bauherren jetzt einen Blick ins Innere — derzeit zurückgeführt auf die Ursprünge. Am Dachgebälk war einiges zu erneuern. Ein dendrochronologischer Befund ergab, dass das Haus jünger ist, als bisher (in Richard Strobels Gmünder Baudenkmäler-Inventar) angenommen: Es stammt von
1560, nicht vom Ende des
15. Jahrhunderts. Teile einer Bohlenstube kamen im ersten Stock zutage, die
53 Zentimeter breiten Tannenholzbohlen, wiewohl wegen des in der Barockzeit aufgetragenen Putzes mit Beilkerben, bleiben freigelegt.
Neben der Barockzeit, der auch die Stuckdecken im ersten Stock zu verdanken sind, hinterließen die
1960er Jahre die meisten Spuren. Damals wurden die Räume gewissermaßen in Spanplatten und Raufaser gekapselt. Dies hatte zur Folge, dass sich im Flur die Raumhöhe um
40 Zentimeter verringerte — die Decke war abgehängt, der Fußboden aufgedoppelt. Hinter den Spanplatten im Dachgeschoss verrichtete die Feuchtigkeit ihr Werk an den Balken. Zimmerleute mit zusätzlichen restauratorischen Fachkenntnissen hatten eine Menge zu tun.
Von außen stellt die Farbgebung der Fassade wohl die größte Überraschung dar, sie folgt dem ältesten Befund: hellgraues Fachwerk, ockerfarbene Fensterlaibungen und –läden. Die Arbeiten führten die Besitzer selbst aus, material– und fachgerecht mit Leinölfarben. Auch die dunkelgrauen, repräsentativen Begleitstriche der Balken im Putz zog Magdalene Gärtner selbst. Ganz oben am Giebel leuchtet das Christusmonogramm „IHS“ im Strahlenkranz. Das ist neu, „aber es war mir wichtig, es war so lange ein kirchliches Haus“, sagt sie. Darunter, zwischen den Fenstern des ersten Stocks, befinden sich die Initialen des Ehepaars und die Jahreszahl
2009.
Noch keine Kommentare vorhanden.