Die Remsbahn lässt den Reisenden seufzen
Für die Bahn existieren Gmünd und Aalen gar nicht. Jedenfalls nicht auf den Fahrplänen in der Landeshauptstadt. In Aalen dagegen sucht man auf dem Fahrplan Stuttgart vergebens. Für manche Konfusion sorgt die Sperrung der Remsbahn. Von Viktor Turad
OSTALBKREIS. Wer mit der Bahn von Aalen nach Stuttgart oder von der Landeshauptstadt auf die Ostalb will, braucht viel Zeit, haben wir auf einer Fahrt festgestellt, die am späten Vormittag in Aalen begann. Denn der Fahrgast muss seit Ende April einen Teil dieses Weges auf der Straße zurücklegen. Das geht relativ problemlos. Der oder die Reisende muss aber auch gut informiert sein. Denn wer die Veröffentlichungen in unserer Zeitung über die Arbeiten an der Remsbahn und die daraus resultierende teilweise Sperrung nicht verinnerlicht hat, weil er nicht so oft mit der Bahn fährt, der erlebt manche Überraschung.
Das beginnt schon am Bahnhof in Aalen. Der Zug fährt laut Fahrplan nur bis Schwäbisch Gmünd. Vom so genannten Schienenersatzverkehr (SEV) zwischen Gmünd und Schorndorf erfährt man dort kein Sterbenswörtchen. Wenn der Stuttgart-Reisende sich intensiv umschaut, entdeckt er zwar auch einen Hinweis, wo er einst in Aalen die schon längst aufgelöste SEV-Bushaltestelle finden konnte, und den Fahrplan mit den Abfahrtszeiten in Gmünd. Er kann herausfinden, dass die Fahrt dort mit dem Bus fortgesetzt wird und an der Grabenstraße in Schorndorf endet. Aber Stuttgart? Fehlanzeige.
Wer sich in Aalen trotzdem nicht verwirren lässt und sich in den Zug nach Gmünd setzt, dem wird während der Fahrt allerdings per Lautsprecher mitgeteilt, dass es in der Gold– und Silberstadt mit dem Bus vom Bahnhofsvorplatz aus weitergeht. Tatsächlich rauscht er in Gmünd mit der Bahn bequem und stressfrei an den Autofahrern vorbei, die wegen des im Bau befindlichen Tunnels im Stau stehen.
Am Bahnhof ist der Weg zum Bus tadellos ausgeschildert, an den Bussen geben Mitarbeiter der Bahn freundlich Auskunft. Doch jetzt ist Warten angesagt: Der Direktbus nach Schorndorf startet erst in einer Viertelstunde. Er erreicht sein Ziel zeitgleich mit dem anderen Bus, der in Lorch, Waldhausen und Plüderhausen an den Bahnhöfen hält, erfährt man weiter. Wie das?, wundern sich die Reisenden. Der Mann von der Bahn grinst: Weil der eine Bus natürlich früher abfährt. Der Direktbus kommt trotz hohen Verkehrsaufkommens um die Mittagszeit auf der Bundesstraße
29 flott voran und braucht nicht einmal eine halbe Stunde bis Schorndorf. Auch dort ist der Weg zum Zug tadellos ausgeschildert, außerdem stehen wieder freundliche Mitarbeiter der Bahn für Auskünfte bereit.
Aber es ist erneut Geduld gefordert: Es dauert wieder eine viertel Stunde, bis sich der Zug in Richtung Stuttgart in Bewegung setzt. Knapp eindreiviertel Stunden dauert die Fahrt von Aalen in die Landeshauptstadt, also
35 bis
40 Minuten länger als normalerweise. Dies hatten die Verantwortlichen der Bahn von Anfang an geschätzt. Kein Wunder also, dass man unterwegs immer wieder Fahrgäste murren hört: „Da wäre man mit dem Auto schneller gewesen, das ist ja eine furchtbare Gurkerei!“
Auf den Fahrplänen im Stuttgarter Hauptbahnhof fehlt, wie erwähnt, jeglicher Hinweis auf Gmünd und Aalen. Die Züge enden alle in Schorndorf. Auf dem Bahnsteig taucht auf den blauen Anzeigetafeln ein Hinweis auf den Schienenersatzverkehr Schorndorf-Gmünd auf. Wer sich aber nicht auskennt und nach Aalen will, der hat ein Problem. Dem kann nur der Schaffner weiterhelfen. Denn selbst wenn er sich in den Zug setzt, wird er nicht klüger: In der Lautsprecheransage erfährt er lediglich, dass der Zug in Bad Cannstatt und Waiblingen hält und bis Schorndorf fährt. Schienenersatzverkehr, Gmünd und Aalen? Wieder Fehlanzeige.
Erst in Gmünd taucht Aalen wieder im Fahrplan auf. Aber obwohl der Zug aus Aalen und der Bus aus Schorndorf fast gleichzeitig am Bahnhof eintreffen, ist wieder Warten angesagt. Erst nach einer viertel Stunde geht es weiter. In Aalen ist schon wieder Endstation. Oder der Reisende muss erneut umsteigen. Voraussichtlich ab
15. Oktober soll der Bahnverkehr zwischen Aalen und Stuttgart wieder normal rollen.
Die Remsbahn wird bis dahin für
50 Millionen Euro saniert. Es werden
140 Kilometer Schienen und
102 000 neue Betonschwellen verlegt. Die neuen Gleise bettet die Netz AG auf
140 000 Tonnen Schotter. In den Bauabschnitten wechseln die Bahnmitarbeiter
47 Weichen aus. In Aalen, Lauchheim und Mögglingen werden außerdem Straßenüberführungen saniert.
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