Innerhalb von drei Tagen wurden Jugendliche zu „Sucht“-Multiplikatoren ausgebildet
Während eines Seminars auf dem Ziegerhof mit dem Thema „Suchtprävention“ wurden Schüler des Berufsschulzentrums Gmünd sowie zwei Lehrlinge der ZF Lenksysteme zu „Multiplikatoren“ ausgebildet, um als kompetente Ansprechpartner in Fragen der Sucht zu fungieren.
SCHWÄBISCH GMÜND
(pm). In unserer heutigen Gesellschaft, in der es immer leichter wird, mit illegalen Drogen in Kontakt zu treten oder sich diese zu beschaffen, sind vor allem Jugendliche der Gefahr ausgesetzt, der Sucht zu verfallen. Aus diesem Grund fand dieses Seminar statt. Finanziell unterstützt wurde diese Veranstaltung durch das Kultusministerium, durch die Suchtpräventionsstelle des Ostalbkreises und durch die „
AOK“.
Zur Einführung bekamen die Schüler von Angelika Henkel-Herzog, einer Mediatorin und Sozial– bzw. Lebensberaterin, Infos über die gewaltfreie Kommunikation; die Grundideen dieses Ansatzes von Marshall Rosenberg wurden in spielerischen Übungen gefestigt. Besonderen Wert wurde auf den Zusammenhang von Sucht und gescheiterter Kommunikation gelegt: So hat Sucht ihre Ursache oft in misslungener Kommunikation.
Weiter ging es mit Wolfgang Koch, einem Referenten der Kripo Schwäbisch Gmünd. Er berichtete über seine alltäglichen Erfahrungen mit Gesetzesverstößen durch Drogen. Er veranschaulichte vor allem die Wirkungsweise verschiedener Rauschmittel, wie Cannabisprodukte, welche in unserer Gesellschaft schon fast „toleriert“ und verharmlost würden.
Eines der interessantesten Themen dieser Seminareinheit war die Beantwortung der Frage, ob Gmünd wirklich eine der größten Drogenstädte Baden-Württembergs sei. Diese Frage verneinte Koch und machte den Schülern und Azubis klar, dass Schwäbisch Gmünd im Vergleich zu anderen größeren Städten Baden-Württembergs, wie Mannheim oder Stuttgart, relativ „harmlos“ sei.
Danach hatten die Schüler und Azubis die Chance, mit Rainer Haller, dem Vorsitzenden der Selbsthilfegruppe „Lebensfreude ohne Sucht“, und einem ehemaligen Betroffenen über Probleme mit Alkohol und anderen Drogen zu sprechen. Hier gab es Tipps, wie man Personen anspricht, die suchtgefährdet sind. Auch vermittelten die beiden Referenten überzeugend, dass man auch viel Freude und Spaß ohne Drogen haben kann.
Am Nachmittag bekamen die Seminarteilnehmer ein anspruchsvolles Programm geboten. Durch verschiedene Spiele mit der „EPIA“ („Erlebnispädagogik im Alltag) konnten sie ihre Team– und Kooperationsfähigkeit unter Beweis stellen und verbessern. Später durfte jeder mit einem Seil auf Bäume klettern und dadurch seine eigenen Grenzen erfahren. Erfahrbar wurde auch, dass Selbstvertrauen und Lebensintensität auch ohne Drogen möglich sind.
Am letzten Tag besuchten die Schüler die Rehabilitationsklinik „Four Steps“ in Waldhausen. Dort befragten sie ehemalige Drogenabhängige über ihre persönlichen Erfahrungen. In einem anschließenden Gespräch mit Hans-Peter Haas, einem Therapeuten der Einrichtung, wurden auftauchende Fragen diskutiert und Wege ohne Drogen aufgezeigt.
Während des Besuches hatten die zukünftigen Mentoren die einmalige Chance, bei einer Hausbesichtigung teilzunehmen. Dabei wurden ihnen die Grundregeln der Einrichtung wie zum Beispiel die Gewaltfreiheit, selbstständiges Arbeiten und das Übernehmen von Verantwortung für die Gruppe aufgezeigt.
Zum Abschluss wurden die im Seminar gewonnenen Kenntnisse von den betreuenden Suchtpräventionslehrern Marianne Bühringer-Herbst, Rolf Hetzel und Ludwig Hammel erneut aufgenommen und reflektiert.
Außerdem überlegte man sich gemeinsam, durch welche gemeinsame Aktionen man im kommenden Schuljahr einen wirksamen Beitrag zur Suchtprävention am Berufsschulzentrum in Schwäbisch Gmünd leisten könnte.
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