SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Diesen August werden sie nie vergessen, keiner von ihnen. Die 24 Mitarbeiter der Möbelbörse nicht und auch nicht die a.l.s.o.–Leute aus anderen Projekten. So vieles war in diesem Monat zu stemmen, dass sogar Vereinsmitglieder und ehemalige Beschäftigte sowie Mitarbeiter des Werkhofs Ost ausgeholfen haben. Karin Schwenk, die die a.l.s.o. gemeinsam mit Bernhard Vetter leitet, räumt ein, dass sie bis ganz zum Schluss daran gezweifelt hat, den Eröffnungstermin 1. September einhalten zu können. Schließlich musste das über viele Jahre hinweg völlig vernachlässigte Horten-Gebäude, das im kommenden Jahr abgerissen wird, nicht nur eingerichtet, sondern auch präsentabel gemacht werden: So viel echte Möbelhaus-Atmosphäre wie möglich wollte man schaffen, das heißt, dass die Wände und die Pfeiler gestrichen und die Teppichböden intensiv gereinigt wurden. Trennwände wurden eingezogen, um so die vorgeschriebenen Büro– und Sozialräume zu schaffen, und jenem Sanierungsschritt ging ein Abwägen voraus: Waren Arbeit– und Geldeinsatz vertretbar und angemessen? Immerhin sollte hier ja nur ein Provisorium entstehen. Was es dann bedeutete, die 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zu bestücken, kann wohl nur jemand ermessen, der sich tatsächlich umgesehen hat in der neuen Möbelbörse: Über 50 Sitzgarnituren wurden ab– und wieder aufgebaut, Schrankwände, Esszimmer, Schlafzimmer– und Küchenmobiliar. Die drei Laster waren praktisch ununterbrochen auf der Strecke, um die nach dem Brand in großem Umfang gespendeten Möbel zu transportieren. Auch eine kleine Außenstelle des „Bücherwürmls“ ist entstanden – wo Josef Wamsler und seine Mitstreiter unterschiedlichste Leserwünsche befriedigen –, und ein Antikmöbelbereich; Flohmarktartikel werden ebenso gehandelt wie die Kinderherde des Frauenprojekts a.l.s.o.–LIA.
Gleichzeitig musste der alte Markt in Hussenhofen ausgeräumt werden; die vom Löschwasser ruinierten, schnell schimmelnden und modernden Möbel zu entsorgen war nicht eben vergnügungssteuerpflichtig. Und neben all dem ging und geht das Tagesgeschäft weiter, all die Umzüge etwa und die Entrümpelungen.
Nicht nur das schiere Übermaß an Arbeit belastete: Die 24 Mitarbeiter sind so genannte Ein-Euro-Jobber. Der Fachbegriff für solche Jobs ist Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung (AGH-MAE); Ziel ist es Langzeitarbeitslose wieder an den „Ersten Arbeitsmarkt“ heranführen, sie zu qualifizieren, ihnen das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden. „In den vergangenen Wochen wurden sie vor allem im Krisenmanagement qualifiziert“, erklärt Karin Schwenk: Was an logistischen und anderen Herausforderungen zu bewältigen war, welches enorme „Stress-Level“ unter derart chaotischen Bedingungen, das hätte, glaubt sie, die meisten Menschen in regulären Jobs überfordert, die gar nichts anderes kennen als jeden Tag aufzustehen und ihre Arbeit zu tun. Allenfalls Ali Nagelbach, Leiter der Möbelbörse, ist nicht ganz so überrascht, dass alles gemeistert werden konnte: Er kennt seine Leute.
Ab dem morgigen Dienstag geht’s also los. Und bis zum 31. Dezember muss alles wieder geräumt sein. „Da graust’s uns jetzt schon davor“, sagen sie in der a.l.s.o. Aber sie sagen es mit einem Lächeln. Sie wissen, wie viel Glück sie hatten. Welch großer und kleiner Hilfen es bedurfte, gegen jede Wahrscheinlichkeit so schnell weitermachen zu dürfen.
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