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» Schwäbisch Gmünd | Montag, 31. August 2009

Ein finsteres Kapitel aus der Gmünder Geschichte wird für den Unterricht nutzbar gemacht

Ein Unterrichtsmodell für Lehrer, verfügbar im Internet, befasst sicht mit der Hexenverfolgung in Schwäbisch Gmünd im 17. Jahrhundert.

SCHWÄBISCH GMÜND (wil). „1613, den 13. Juni, ist hier ein schröckliches Donnerwetter, welches gar große Stein (Hagelkörner) geworfen, und den Früchten viel geschadet hat. Davon ist der Waldstätter Bach so gros worden, das die Krautgärten dabey ganz überschwemmt gewesen, und es hat das aussere und das Wehr beym Waldstätter Thor zerrissen.“ So schildert Friedrich Vogt in seiner Chronik aus dem Jahre 1674 jenes Ereignis, das in Gmünd in den nächsten vier Jahren in acht Verfolgungswellen 42 Frauen das Leben kosten sollte — heute bekannt als Hexenprozesse.
Dieses finstere Kapitel für Unterrichtszwecke nutzbar zu machen, war Eva Maria Lienert ein Anliegen. Seit der Neukonzipierung des Bereichs Landesgeschichte ist sie zusammen mit ihrem Mann Wilhelm Lienert offiziell Beauftragte für die Landes– und Regionalgeschichte in Ostwürttemberg. Wegen seiner Größe wurde der Schulamtsbezirk Göppingen in die alten Landkreise aufgeteilt. Das Ehepaar Lienert betreut künftig die Kreise Ostalb und Heidenheim.
Neben Fortbildungsveranstaltungen gehört auch die Erstellung von lokalgeschichtlichen Unterrichtsmodellen zu diesem Aufgabenfeld. Mit der Einheit über die Hexenverfolgung in Gmünd wird in der RZ das erste von drei Modellen vorgestellt, die derzeit schon auf dem Landesbildungsserver im Internet für jedermann abrufbar sind, besonders aber von Lehrkräften im Unterricht genutzt werden können.
Der Königsturm bietet sich als Ausgangspunkt an, schließlich war er das Hexengefängnis in Gmünd. Hier können die Schüler erste Eindrücke von der Strafvollstreckung der frühen Neuzeit gewinnen um Gefangenschaft und Folter besser zu verstehen. Einzelschicksale sind aus Gmünd nicht überliefert, so dass das Unterrichtsmodell von Eva Lienert sich mit der inneren Struktur der Hexenprozesse befasst. Die „Besagungen“, also die Benennung anderer Frauen, die am Hexensabbat teilgenommen haben, lassen sich sehr gut verfolgen. Die „Rechtsgrundlage“ für die Prozesse, die in der Constitutio Criminalis von Kaiser Karl V. gelegt wurde und ein Streit der Gmünder Stadtjuristen Friz und Kager zeigen, dass diese Verfolgung durchaus „legal“ war und keine Willkür — trotzdem gab es für die Beschuldigten meist keine Möglichkeit, dem Tod zu entgehen. Der „Hexenhammer“ war quasi eine Anleitung, wie ein Prozess zu führen ist und Protokolle über die Folterungen sind vielfältig überliefert. In verschiedenen Niveaustufen vom anleitenden Arbeitsblatt bis zur selbstständigen Projektarbeit gibt Eva Lienert hier Anregungen für den Unterricht.
Jedoch ist das Thema Hexerei nicht nur auf den Geschichtsunterricht beschränkt. Der Hexenglaube der damaligen Zeit hat religiöse Wurzeln und war im Volksglauben fest verankert. Bis heute haben sich Sagen erhalten, die von schlimmen Erfahrungen der Menschen mit den „Unholden“ erzählen. Nahe liegendes Beispiel ist die Sage vom Hexentanzplatz auf der Schönhardter Heide, die im Unterrichtsmodell ebenfalls aufgegriffen wird.
Aber auch in der Kunst spielen die Hexen eine große Rolle. Kein Geringerer als der in Gmünd geborene Hans Baldung Grien ist durch seine Holzschnitte zu diesem Thema bekannt geworden. Welche typischen Merkmale von Hexerei lassen sich auf seinen Kunstwerken erkennen? Wie trägt die Kunst dazu bei, den Hexenwahn glaubhaft werden zu lassen? Mit interessantem Bildmaterial belegt Eva Lienert die wichtigsten Stationen auf der Schuldspur einer Hexe. Eine Zeitleiste zur Eigenbearbeitung vermittelt den Schülern die Ausweglosigkeit der vielen Angeklagten, die Cautio Criminalis des Jesuitenpater Friedrich von Spee lässt sie in die Diskussion eintreten, welche logischen Folgen der Hexenwahn haben müsste.

Tipp: www​.schule​-bw​.de/​u​n​t​e​r​r​i​c​h​t​/​f​a​e​c​h​e​r​u​e​b​e​r​g​r​e​i​f​e​n​d​e​_​t​h​e​m​e​n​/​l​a​n​d​e​s​k​u​n​d​e​/​m​o​d​e​l​l​e​/​e​p​o​c​h​e​n​/​n​e​u​z​e​i​t​/​k​r​i​s​e​n​/​h​e​x​e​n​_​s​c​h​w​g​m​n​d​/​i​n​d​e​x.htm
 

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