Asien ist Schwerpunktthema der Volkshochschule
Private Vorlieben und berufliche Gründe, sie sind nicht immer zu trennen. Davon profitiert die Volkshochschule mit ihrem Weiterbildungsangebot, sie setzt in ihrem Programm zum 2. Semester 2009 auf den praktischen Nutzen und auf die Lust aufs Wissen und Können.
SCHWÄBISCH GMÜND
(rw). Manche haben jetzt schlicht mehr Zeit als sonst,
VHS–Veranstaltungen oder –Kurse zu besuchen: Sie arbeiten kurz und nützen die Zeit, sich weiterzuqualifizieren. Es gibt auch Firmen in Gmünd, welche in der Wirtschaftsflaute Teile ihrer Belegschaft zu Fortbildungskursen schicken: Sprachen und interkulturelles Training, Gesundheit und Prävention, Allgemeinwissen im Beruf, das wird angeboten und von der Arbeitsagentur gefördert. „Die Volkshochschulen sichern die Zukunft durch Weiterbildung für Alle“, lautet der Leitsatz der „Gmünder Erklärung“, die im Juli von den Volkshochschulen Baden-Württembergs im Haus am Münsterplatz verabschiedet wurde. Darauf beruft sich
VHS–Chef Reinhard Nowak, der das mit
145 Seiten ordentlich dicke Semesterheft zusammen mit den Fachbereichsleitern Helmut Schwimmbeck, Helga Widmaier und Martin Jaquet gestern vorstellte.
„Wer für den Arbeitsmarkt attraktiv sein will, muss sich weiterbilden“, sagt Nowak. Doch die
VHS ist nicht nur in diesem Bereich eine wichtige Adresse: Sie bietet eine Grundstruktur mit einem ganzheitlichen Konzept, sie spricht alle sozialen Schichten und Altersgruppen an. Gymnastik– und Ernährungskurse, Entspannung, EDV-Kurse, Sprachen — sie machen die Masse des Kursangebots aus.
Die „Gelben Seiten“ im Semesterheft gehören der Allgemeinbildung. Schwerpunktthema in diesem Semester ist Asien. Hier hätte das programm nicht aktueller sein können. Der ehemalige Bundeswehr-Oberstarzt Reinhard Erös ist nach vielen Auslandseinsätzen ein gefragter Experte zur Krisenregion Afghanistan. Bundeswehr und Bundesregierung kommen mehr und mehr unter Druck. Was seit
2002 geschah, ob Afghanistan sich stabilisieren kann, darauf gibt Erös in einem Vortrag am
10. November. Die Entwicklung Asiens nimmt in der Globalisierung eine Hauptrolle ein. Für ihre Vorträge hat die
VHS renommierte Experten gewonnen. Neu ist eine Vormittagsreihe, zu welcher auch ein Lektürekurs des mittelalterlichen Parzival-Romans mit dem Mittelalter-Experten
Prof. Dr. Hubert Herkommer. Robert Nachtigall, vielen als Karikaturist bekannt, bietet zwei Kurse für Büttenreden und Gelegenheitstexten an. Fachvorträge und Exkursionen — vomTunnel bis nach Tibet — runden den Bereich der Allgemeinbildung ab.
Vom Basiskurs bis zum Höchstniveau reicht die Palette der
160 Sprachkurse. Englisch ist in der Menge und in der Differenzierung unbestrittener Spitzenreiter mit
63 Kursen. Italienisch kommt auf
34 Kurse. Die Vorbereitungskurse für die Cambridge-Prüfungen beginnen wieder neu im Herbstsemester. Hinzu kommt das Angebot an Wirtschafts– und Technik-Englisch. Weitere Sprachkurse gibt es u.a. für Arabisch, Dänisch, Russisch, Türkisch, Ungarisch und Polnisch.
Die Integrationskurse („Deutsch als Fremdsprache“) widerspiegeln die Lage nach dem Zuwanderungsgesetz von
2005. Hier bietet die
VHS das komplette Programm an, sieben aufeinander aufbauende Module. Auch für Einbürgerungswillige ist die
VHS die Anlaufstelle, an der sie den Einbürgerungstest ablegen. Integration beginnt ganz am Anfang: Im Rahmen des landesprogramms „STÄRKE“ beteiligt sich die
VHS mit einem türkischsprachigen Seminar an den Bildungsangeboten für Eltern Neugeborener.
„Das ist eine schwierige Aufgabe, aber sie ist ehrenwert“, sagt Nowaks Stellvertreter Helmut Schwimmbeck über die Abendhauptschule. Sie ist die zweite Chance, für manche auch die letzte, um den versäumten Hauptschulabschluss nachzuholen. Andererseits, es gibt auch hier die Fälle eines staunenswerten Durchstartens und wunderbarer Motivationsschübe, „Elite ist auch hier zu finden“, betont Nowak. Gesellschaftspolitisch und volkswirtschaftlich sei dieses Grundangebot sinnvoll: „Ohne den Basisabschluss ist es völlig aussichtslos, etwas zu machen“, so Schwimmbeck.
Die „Blauen Seiten“ des Hefts gelten der Beruflichen Bildung. Hier setzt man auf Zertifikate, schult Rhetorik und Auftreten. Ein neuer berufsbegleitender Lehrgang zum Nachholen des kaufmännischen Berufsabschlusses beginnt, er dauert anderthalb Jahre. Auch im Fachbereich Kreativität, wo man sonst die zweckfreie Entfaltung schlummernder Fähigkeiten vermutet, kann es um berufliche Qualifizierung gehen, betont Fachbereichsleiterin Helga Widmaier. Man denke an die Mappenberatung und die Designzeichnen-Kurse. Ein Klassiker ist die Kinder– und Jugendwerkstatt mit Barbara Retzlaff.
Größtes Feld der
VHS sind mit
600 Kursen und
7000 Teilnehmern die Gesundheits-Angebote: von Jung bis Alt, von Kopf bis Fuß reicht das Angebot. Neuerdings gehören Lach– und Hormonyoga dazu. Breit auch die Ernährungs-Sparte: Bildung vom „Basic Cooking“ bis zum Verkosten von Klapperschlangenfleisch wird angeboten. Sage keiner, die Gmünder
VHS sei hausbacken.
Das Semesterprogramm-Heft liegt jetzt aus. Anmeldungen für Kernstadtangebote ab sofort, in den Stadtteilen und Gemeinden nach Erscheinen in den Amtsblättern bei den jeweiligen Anmeldestellen. Beratungs– und Schnuppertermine gibt es für Sprachkurse ab dem
15. September, für Gesundheitskurse ab
18. September.
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