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» Ostalbkreis | Samstag, 12. September 2009

Eva Maria und Wilhelm Lienert haben das Klosterleben im Mittelalter für Schulen aufgearbeitet

Das Kloster Lorch ist eine touristische Attraktion von ganz eigenem Reiz; Eva Maria und Wilhelm Lienert haben fürs Kultusministerium einen eher vernachlässigten Aspekt des staufischen Wahrzeichens herausgearbeitet und für den Unterricht aufgearbeitet: Das mittelalterliche Leben im Kloster.

LORCH (bt). Die Kaufmannsgattin Magdalena Geyer ist in großer Sorge: Ihr Gatte leidet an Verstopfung, und das macht ihn derart unleidlich, dass das Leben mit ihm sehr beschwerlich wird. Sie wendet sich an die Benediktiner, bzw. an Schülerinnen und Schüler, die den Themenbereich Kräutergarten gewählt haben und herauszufinden versuchen, was dem Mann gut täte. Von Eberraute bis Wermut stehen ihnen zwei Dutzend alter Heilkräuter zur Verfügung: Die Eberraute etwa wurde bereits von Hildegard von Bingen beschrieben, hilft, so heißt es, gegen Beulen, Geschwüre und Gicht, und wer sonntags befürchtet, während der Predigt einzuschlafen, tut gut daran, einige Zweige der Eberraute mit sich zu tragen — ihr Duft soll den schläfrigsten Kirchgänger wachhalten. Aber dem Kaufmann wird wohl eher mit Fenchel geholfen. Der junge Thomas, so ein weiteres Szenario, wird gerufen, doch er vollendet zuerst die Zeile des Messbuches, an dem er arbeitet. Er lässt den Abt also warten. Aufgabe für die Schüler: Welche Regel hat Thomas gebrochen? Ein weiteres Unterrichtsmodul ist nämlich die Ordensregel des Heiligen Benedikt mit aller Sorge um den Nächsten, mit der Hospiz, nicht zuletzt aber mit viel Disziplin. Irgendwo in der umfangreichen Sammlung findet sich der Grundsatz „der erste Schritt zur Demut ist Gehorsam ohne Zögern“. Passend für ein Kloster wie Lorch mit seinen unglaublich schönen Chorbüchern – die Originale werden in Stuttgart aufbewahrt — ist ein Modul zum Thema Skriptorium: Wie wurden die Handschriften hergestellt und coloriert, wie die Initialen gestaltet. Dr. Thomas Hölz vom Kompetenzzentrum für Geschichtliche Landeskunde im Unterricht am Haus der Geschichte Baden-​Württembergs war gestern als Vertreter des Kultusministeriums in Lorch, um zu erklären, wie es zu diesem Projekt kam, um den Lienerts ihre Arbeit zu danken und ihre fachdidaktische Erfahrung zu würdigen. „Alles, was hier vermittelt wird, lässt sich auf andere Benediktinerklöster übertragen“, so Hölz; in diesem „elementaren Verstehenlernen“ werde zudem die Transferfähigkeit geschult: „Sie werden selbst ein buddhistisches Kloster anders beurteilen können“. Vor allem lernten die Schüler, dass im Kloster einst Kultur gemacht wurde, dass hier ein ganzer Mikrokosmos des Mittelalters zu finden war — Bildung, Wissenschaft, soziale Fürsorge.Einige Monumente in Nordwürttemberg sollen gezielt für den Unterricht aufbereitet werden, und da bietet sich laut Hölz das Kloster Lorch an, das ja im Besitz der „Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-​Württemberg“ ist. In einer Umfrage unter Pädagogen war einer der am häufigsten geäußerten Lehrmittelwünsche zum Bildungsplan der nach einem nachvollziehbaren Leben im mittelalterlichen Kloster. Greifvögel und Staufer blieben in diesem Fall außen vor. Voraussetzung für ein sinnvolles Arbeiten mit den Unterrichtsmodulen ist zunächst eine Führung, also die Kooperation mit dem Kloster. Deshalb waren gestern Manfred Schramm für den Freundeskreis und die Geschichtswerkstatt da, Carola Fischer vom Touristikbüro Kloster Lorch sowie Gudrun Haspel, Helga Weiß und Andreas Weißer als Vertreter der Gästeführer. Direkt auf diese Führung baut das erste Modul der Lienerts auf, das im Domino-​Prinzip erklärt, wie ein Kloster aufgebaut ist, wer wann was tut etc.: Sobald ein Schüler sein laminiertes Kärtle abgearbeitet hat, übernimmt der nächste mit der „Fortsetzung“. Lehrerinnen und Lehrer, die sich für dieses Paket entscheiden, erhalten unter anderem eine DVD mit allen Unterrichtsmaterialien.
 

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