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» Ostalbkreis | Samstag, 12. September 2009

Schiller-​Matinee mit dem Lorcher Obst– und Gartenbauverein und dem Runden Kultur-​Tisch

Ein Genuss für alle Sinne war am Sonntagmorgen die Schiller — Matinee Pomologie im „Garten der Sinne„ in Lorch. Der Runde Kultur-​Tisch und der Obst– und Gartenbauverein Lorch hatten eingeladen, zwischen Obstbäumen, Blüten und Kräuterduft von der Liebe des Vaters des Dichters zur Natur und Obstbaukunde zu hören.

LORCH (jr. Johannes Dunkl begrüßte im schwarzen Anzug mit Dreispitz Hut die Gäste und erzählte als Johann Caspar Schiller am Fenster des Häuschens aus seinem Leben mit seiner berühmten Familie. Der Chor „Limotion“ aus Pfahlbronn in Gärtnerkleidung unterstrich mit seinen spritzigen Liedern von allerlei Essbarem die Schilderungen Johannes Dunkls. „Karotten lass ich nie verrotten“, „Der kleine grüne Kaktus“, der ja auch im Garten der Sinne wächst, „Mango, Lichees und Ananas“ ein musikalischer Obst– und Gemüsecocktail begleitet von der Chorleiterin Julia Bernert am Klavier unterm Apfelbaum. Die Stuttgarter Schauspielerin Irmgard Förch trug passend auf einer Schaukel am Apfelbaum sitzend, Obstgedichte vor, herrlich Gereimtes zum Lob der Äpfel unter anderem auch die Apfelkantate von Matthias Claudius.
Die zahlreichen Gäste aus nah und fern lauschten zwischen Blumen und Kräutern sitzend den Gedichten, Geschichten und dem Gesang. Alle Sinne waren angenehm angesprochen: das Sehen, Hören, Denken und auch der Geschmack und Duft von frischen Apfelküchle, Most und Schillerbier erfreuten den Gaumen.
Familie Schillers Schicksalsschläge, Umzüge und Stationen ihres Lebens wurden von Johannes Dunkl als Vater Schiller anschaulich erzählt. Die Zeit des Militärdienstes von Caspar Schiller, die Geburt seiner Kinder, der Kampf im Siebenjährigen Krieg, dann die Versetzung als Werbeoffizier nach Schwäbisch Gmünd — fasziniert lauschten die vielen Anwesenden den Schilderungen Caspar Schillers. Dem Umzug nach Lorch in eine günstigere Wohnung war es zu verdanken, dass Friedrich von Schiller dort aufwachsen konnte und seinen ersten Lateinunterricht beim Lorcher Pfarrer Moser bekam. So kann sich Lorch heute in die Reihe der Schillerstädte einreihen.
In Lorch kam auch die zweite Schillertochter Luise zur Welt. Schillers Umzug nach Ludwigsburg brachte dann sein schönstes Zuhause: einen Obstgarten. So konnte Vater Schiller seiner Liebhaberei der Pflege von Obstbäumen nachgehen. Er pflanzte 4000 Obstbäume und schrieb sein berühmtes Pomologie-​Buch, das heute noch Beachtung findet. Herzog Carl Eugen wurde darauf aufmerksam und setzte Johann Caspar Schiller als Direktor der Solitude-​Baumschule ein.
Johannes Dunkl nannte auch Beispiele in der Antike, in denen der Apfel ein Rolle spielte, ebenso im Schillerstück „Wilhelm Tell“, in dem der Apfel vom Kopf des Sohnes geschossen wird. Dichter Friedrich Schiller hatte in seiner Schreibtischschublade immer einen angefaulten Apfel liegen, dessen Duft ihn beim Schreiben inspirierte, berichtete Johannes Dunkl. Gegen Ende der Matinee verließ Irmgard Förch die romantische Schaukel am großen Apfelbaum und sprach in ihrer ausdrucksvollen Weise das Fontane — Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand“ inmitten der Zuhörer. Dazu strich der Duft der vom Obst– und Gartenbau Verein frischgebackenen Apfelküchle durch den blühenden Garten.
Ulrich Rund und Fritz Kissling vom RKT und OGV Lorch dankten allen Beteiligten für diese gelungene Matinee. Die Vielfalt der Pflanzen im Garten, die ausgestellten Obstzeichnungen von Schillers Schwester Christophine Reinwald und die fachkundigen Erläuterungen des Obst– und Gartenbau Vereins ließen die Gäste noch lange an diesem schönen Ort verweilen.
 

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