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» Sport | Mittwoch, 16. September 2009

Radsport: Wie der Straßdorfer Gerd Hinderberger seine 3 300 km lange Extrem-​Radtour zum Nordkap vorbereitet

Kein Unbekannter mehr, ist der Straßdorfer Gerd Hinderberger. Nicht nur im Raum Gmünd wurde bereits über den Hobby-​Hochleistungssportler berichtet. Der 49-​jährige Hinderberger ist stets in Bewegung, und möchte bewegen. Auf seiner für 2010 geplanten Radtour zum Nordkap sammelt er unterwegs für einen guten Zweck. Von Giovanni Deriu

Gerd Hinderberger lächelt verschmitzt, und nennt sich einen „passionierten“ Radler – nun, das nehmen wir ihm sofort ab, aber ein bisschen untertrieben ist die Beschreibung dann doch. Denn Hinderberger ist ein „Freizeitsportler“ (besonders) mit Leib und (sehr viel) Seele. Denn egal ob früher bei seinen Langstrecken-​Läufen (Marathons darunter), oder wie jetzt bei den langen Rad-​Wettbewerben und –Touren, nur mit Ausdauer und Kondition allein wäre Hinderberger wohl nicht soweit (um die Welt) gekommen. Das ist schon viel Motivation gefragt, eine disziplinierte Lebensweise, um den „inneren Schweinehund“ in den Griff zu bekommen – der sogenannte „innere Schweinehund“, der den Sportlern mitunter schwer zu schaffen macht, fahre „aber immer mit“, gibt Hinderberger offen zu. Die beiden scheinen einen Pakt geschlossen zu haben.
Der Reihe nach, wie wird einer zum passionierten Sportler wie Gerd Hinderberger? Aller Anfang hat oft einen simplen, und manchmal auch „vernünftigen“ Grund. Gerd Hinderberger wollte „das Rauchen“ aufgeben, damals mit 23. So gesehen, meint der Straßdorfer, sei er recht spät zum Sport gekommen. Denn, kaum den Zigaretten abgeschworen, wollte er unbedingt sein Gewicht halten – Hinderberger naschte nämlich als „Zigaretten-​Ersatz“. Sein Bruder „Werner“ lief da bereits aktiv „in Pfersbach bei Mutlangen“ – die Brüder gingen damit zusammen auf die Piste, und Gerd wollte einfach mithalten mit Bruder Werner. Gemeinsam mit Ehefrau Annette verbrachte Hinderberger die Flitterwochen bei seinem Onkel „Alois“ (missionarisch tätig) in Japan. Irgendwie bekam Hinderberger mit, dass ein Marathon stattfinden sollte. Und tatsächlich, wenig später stand der gelernter Werkzeugbauer als einziger „Westler“ unter Japanern an der Startlinie – mit einem TV-​Sender im Schlepptau, der exclusiv vom deutschen Marathonläufer berichtete. Hinderberger eroberte die Herzen des japanischen Publikums.
Man glaubt es Hinderberger, wenn er sagt, der Sport habe ihm viel gegeben. Hinderberger musste Ende der 90er-​Jahre im wahrsten Sinne des Wortes „umsatteln“ – aufs Rad. Eine „Achillesfersen“-Verletzung samt OP war der Grund. Hinderberger fand seine neue Berufung, und steigt seitdem kräftig und fleißig in die Pedale. Nun darf es genauso „extrem“ sein wie zuvor. Seine Frau Annette (auch eine ehemalige Sporttänzerin) und Tochter Alisa (16) unterstützen ihren Gerd zwar, aber als „Spleen und Macke“ sehen sie sein sportliches Hobby schon. Aber „ohne ihre Unterstützung“ hätte Hinderberger auch nicht die Ruhe (weg). Nun also sein Ziel, etwas von dem zurück zu geben, das ihm der Sport geschenkt habe – eine „starke Gesundheit, Zufriedenheit und Gelassenheit“, fasst Hinderberger in einer Art „Bierruhe“ („ein Hefe in Ehren gönne ich mir – mein Doping“) zusammen. Eins sein mit der Natur, gibt ihm viel. Hinderberger hat sich vorgenommen, im Mai 2010 eine Extrem-​Tour ganz hoch in den Norden vorzunehmen – ab Straßdorf, über Mutlangen (sein eigentliches Zuhause), danach „parallel“ zur A 7, möchte Hinderberger durch ganz Deutschland bis hoch nach „Travemünde“ radeln. Von dort mit der Fähre nach Trelleborg, wo dann Schweden die Radroute sei. Hinderberger hat den Navigator im Kopf an: „Ein Stück Finnland wartet, dann Norwegen, und dann …“, wäre der oberste Zipfel, das Ziel, „Nordkap“ nicht mehr weit. Sein großes Anliegen dieser extremen Radtour ist, die deutsche Stiftung für „Menschen mit Downsyndrom“ zu unterstützen. Im kommenden Jahr soll es losgehen mit Hinderbergers „Projekt Nordkap 2010“ – die Vorbereitungen laufen bereits seit geraumer Zeit. Klar, das tägliche Training, nicht nur auf dem Trekking-​Rad. Aber auch kaufmännische und administrative „Tätigkeiten“ liegen an. Hinderberger rührt die Werbetrommel in eigener Sache, aber irgendwie dann doch für die „Down-Syndrom“-Stiftung. Auf diese Idee der Unterstützung brachte Hinderberger die Ärztin und Ehefrau seines Hausarztes, Dr. Elmar Schuhmacher. Hinderberger sucht weitere Sponsoren, immerhin ist das „Begleitfahrzeug“ (Autohaus Bauer aus Mutlangen) bereits gesichert – denn zurück geht es vom Nordkap mit dem Auto, unterwegs wird schließlich Gepäck von Nöten sein, sowie „Begleitschutz“, das sei normal, meint Hinderberger.
Sein Trainings-​Pensum („Bewegung ist das A und O“) absolviert Hinderberger wann immer es geht – schlechtes Wetter? „Nein, es gibt nur die falschen Klamotten.“ Und sonst, über den Winter, wird eben „Indoor“ gefahren, schaut Hinderberger mit großen Augen. Die Bergtouren zur Übung fährt Hinderberger auswendig: „Rechberg, Hohenstaufen, das ganze Ostalbgebiet, Treffelhausen“, ja, Bartholomä darf nicht fehlen. Und wenn es sein muss, nimmt er wie jüngst zum wiederholten Male am Bodensee-​Marathon teil. Kein Problem, die 190 Kilometer runter nach Friedrichshafen zu radeln – und die absolute Steig(er)ung, hoch auf den „Pfänder“. Die „einzigartige“ Aussicht auf den Bodensee sowie den „240 Alpengipfeln“ entschädige Hinderberger allemal für die „Strapazen“, die eigentlich gar keine seien. Für Gerd Hinderberger. „Der Weg sei das Ziel“, und aus seinem Munde bleibt es ganz gewiss nicht bei der „Floskel“. Sofern alles gut geht, steht der Start der großen Nordkap-​Tour für den 4. Mai 2010 im Kalender – am 2. Juni soll es im Auto zurück gehen, dann dürfte auch die „kleine Dokumentation“ für das Fernsehen fertig sein. Einen Sender möchte Hinderberger auch noch finden. Und der muss nicht unbedingt aus Japan kommen…
 

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