Die Produkte der ZF Lenksysteme Schwäbisch Gmünd beeindrucken das Fachpublikum auf der IAA in Frankfurt
Die weltgrößte Automobilausstellung IAA in Frankfurt wird in diesem Jahr gerne als „Hoffnungsmesse“ beschrieben. Und noch nie standen Ökonomie und Ökologie bei dieser globalen Autoschau so im Blickpunkt. Das wird auch beim Messeauftritt des größten Gmünder Arbeitgebers deutlich. Von Heino Schütte
SCHWÄBISCH GMÜND/FRANKFURT. Nicht nur sachkundige und neugierige Blicke der Fachbesucher sind an den ersten beiden Messetagen auf die Produkte des drittgrößten deutschen Kfz-Zulieferers gerichtet. Denn kurioserweise steht in direkter Nachbarschaft sogar der gegenwärtig weltweit modernste Spionagepanzer. Der „Fennek“ (Wüstenfuchs). Mit raffinierter Optik, Teleskopmast, Nachtsicht– und Radartechnik kann dieser „Späher“ sogar um die Ecke gucken und beim Standnachbarn auch kleinste Bauteile erfassen, was er probeweise auch tut. Sind die ZF-Produkte denn so geheimnisvoll und interessant?
ZFLS–Pressesprecher Andreas Ziegele lacht, fühlt sich geehrt, winkt aber belustigt ab. Ziegele erklärt: „Reiner Zufall, wir sind diesmal über diese Nachbarschaft auf der IAA auch überrascht.“ Direkt neben der ZF in der Halle
4 hat nämlich die Bundeswehr mit ihrem Info– und Werbestand Stellung bezogen, was Messebesucher aus allen Herren Länder natürlich auch ins Auge sticht und zu Anmerkungen Anlass gibt: „Sie sind aber sehr gut bewacht!“
Nun, die Produkte „Made in Schwaebisch Gmuend“ haben’s auch sicher verdient. Und alle aus Entwicklung und Produktion können stolz darauf sein. In der zentralen IAA/ZF-Pressekonferenz hat, wie bereits gestern ausführlich berichtet, Konzernchef Hans-Georg Härter der neuen Elektrolenkung Servoelectric einen „fulminanten Marktdurchbruch“ attestiert und als Beispiel dafür beschrieben, wie durch ökologische und gleichzeitig ökonomische Ingenieurskunst auch die Kfz-Zulieferindustrie aus der Krise geführt werden kann.
Pressesprecher Andreas Ziegele und das
ZFLS–Messeteam können den Besuchern sehr anschaulich die „Geheimnisse“ und vor allem die Vorteile von Servotronic vor Augen führen. Zehn Millionen dieser Lenkungen seien schon in Personenwagen eingebaut, berichten die ZFler nicht ohne Stolz. Neu bei der IAA
2009 ist nun die Präsentation jener Variante, die sehr platzsparend eingebaut werden kann und sich somit für den Wachstumszweig der Kleinwagen eignet.
Unternehmenssprecher Ziegele unterstreicht in diesem Zusammenhang: „Wir wollen weg vom Eindruck, dass eine solche Lenkungstechnik angeblich nur was für große Autos ist.“ Servoelectric lässt sich nun auch optimal mit der zunehmend mitdenkenden Sicherheitstechnik wie etwa Spurhalteassistent und elektronischen Einparkhilfen eines Pkw oder auch Klein-Lkw vernetzen. Servoelectric basiert im Prinzip auf der altbewährten mechanischen Zahnstangenlenkung. Doch die wird nun sozusagen durch eine mitfühlende Elektronik unterstützt. Die erkennt durch kleinste Lenkbewegungen und in Abstimmung zur Geschwindigkeit, was der Fahrer will, schaltet in Millisekunden Servomotor/Lenkunterstützung ein. Sowohl ökonomisch als auch ökologisch zeigen sich durch diese Entwicklung enorme Vorteile. Gegenüber hydraulischen Lenkungen entfallen Flüssigkeiten, Verschlauchung und Pumpen. Der wohl überzeugendste Pluspunkt ist die beachtliche Spritersparnis. Weil sich das System nur dann einschaltet, wenn es bei Lenkbewegungen tatsächlich gebraucht wird, lässt sich im Stadtverkehr auf
100 Kilometer bis zu
0,
8 Liter Benzin einsparen. In der Gesamtbilanz bei den bislang verkauften und eingebauten zehn Millionen Elektrolenkungen bedeutet dies: Einsparung von jährlich
400 Millionen Litern Kraftstoff. Dies wiederum heißt, dass pro Jahr auch
950 000 Tonnen
CO2 weniger in die Umwelt geblasen wird. Die Berechnung setzt eine durchschnittliche Fahrleistung von
10 000 Kilometern pro Fahrzeug voraus. Bei der gegenwärtigen Nachfrage führender Automobilhersteller leistet die
ZFLS also allein schon mit diesem Zulieferprodukt einen beachtenswerten Beitrag zum Klimaschutz sowie zum bewussten Umgang mit den begrenzten Ölvorräten.
Auf der IAA ziehen in diesem Jahr die Entwicklungen im Bereich der zukunftsgerechten Hybrid– und Elektroantriebstechnik bei den Fachbesuchern fast schon mehr Aufmerksamkeit auf sich als die reinen „Benzinkutschen“. Streckenweise fühlt sich der Besucher bei den Präsentationen fast aller Autohersteller an eine „Öko-Messe“ erinnert. Die Serienreife lässt allerdings meist noch auf sich warten. Die Geschäftsführung und die Unternehmenssprecher des ZF-Zulieferkonzerns beschreiben, dass die Entwicklungsabteilungen allesamt schon voll eingebunden und in die Materie eingetaucht sind, um diesem Zukunftstrend gerecht zu werden. Auch ein Weg aus der Krise. ZF-Vorstandsvorsitzender Hans-Georg Härter dazu auf der ZF-Pressekonferenz wörtlich: „Unser Produktportfolio ist definitiv zukunftssicher. Der immer stärker werdende Trend zu nachhaltigen, ökonomischen wie ökologisch sinnvollen Produkten wird uns mittelfristig wieder auf den Wachstumspfad bringen.“
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