Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Montag, 21. September 2009

Bundesagrarministerin Ilse Aigner besuchte gestern den Biohof von Franz Widmann in Hussenhofen-​Burgholz

Bundesagrarministerin Ilse Aigner nahm die Einladung des regionalen Bauernverbandes und des CDU–Bundestagsabgeordneten Norbert Barthle an und stand gestern Rede und Antwort zu aktuellen Themen im Bereich Landwirtschaft. Auch der Milchkonflikt wurde hierbei nicht ausgespart. Von Martin Bauch

SCHWÄBISCH GMÜND. Die erwarteten großen Proteste der Landwirte beim Besuch der Bundesagrarministerin Ilse Aigner auf einem Biohof in Hussenhofen-​Burgholz sind ausgeblieben. Keine Traktorkolonnen mit Spruchtafeln, keine Landwirte die ihrem Unmut über ihre derzeitige Lage laut kundtun.
Stattdessen eine friedliche, aber durchaus diskutierwillige Besucherzahl, bestehend aus regionaler Politprominenz, Vertretern der verschiedensten landwirtschaftlichen Verbände nebst Naturschutz, vermischt mit Landwirten und anderen Schaulustigen. Mittendrin eine gewohnt lockere aber durchaus ernste Ilse Aigner in ihrer Funktion als Bundesministerin. Schon im Vorfeld waren die Erwartungen an den prominenten Gast sehr hoch.
Galt es doch die Möglichkeit zu ergreifen und einmal direkt seine Sorgen und Nöte inklusive Ärgernisse an die zuständige Adresse in Berlin zu richten. Gastgeber Franz Widmann vom Biohof Widmann in Hussenhofen-​Burgholz versprach sich ein offenes Gehör seitens der Ministerin für alle Belange seines Gewerbes: Der Lebensmittelproduktion.
Einer Hoffnung der sich auch viele der Anwesenden anschlossen. So auch Karl Berroth, Kreisvorsitzender vom CDU Agrarausschuß, dem vor allem auch in diesem Zusammenhang die Nöte der Milchbauern sehr am Herzen liegen. „Ich kann den Ärger der Milchbauern sehr gut verstehen. Noch vor zwei Jahren hat es geheißen: Investiert in die Milchwirtschaft. Und sie haben investiert — eine halbe Million Euro sind dabei keine Seltenheit“. Jetzt kämpft man gegen die Überproduktion die zwangsläufig die Preise auf dem Weltmarkt drücken. Das Ergebnis ist ja hinlänglich bekannt.
Aigner nahm zu diesem Thema Stellung welches ihr ganz und gar nicht unbekannt war: „Die Milchproblematik beschäftigt mich sehr. Eine meiner ersten Amtshandlungen damals war die Frage: Milchquote rauf oder runter. Und da fingen die Probleme schon an. In dieser Frage können wir nicht national, sondern müssen europäisch entscheiden. Und da gibt es bekannterweise viele Meinungen dazu.
Sie hätte sich das jetzt, wie sie weiter ausführte, einfach machen und sagen können: Ich habe gegen eine Quotenerhöhung gestimmt aber ich konnte mich nicht durchsetzen. Das wäre ja die einfachste Aussage und zudem auch noch wahr. Stattdessen hat sie versucht wenigstens auf anderer Ebene zu punkten. Stichwort: Einführung eines Milchfonds.
„Alles was ich für die Landwirtschaft national habe regeln können, habe ich auch durchgesetzt. Aber nichts desto trotz werde ich weiterhin diese Ziele auch auf europäischer Ebene weiterverfolgen“, so Aigner weiter.
Zu vielen weiteren Themen wie dem Verbraucherschutz, hier aktuell der Imitatskäse, ihrer Einstellung zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln oder der Nebenerwerbslandwirtschaft äußerte sich Aigner ebenfalls ausführlich.
Spannend wurde es zum Schluss bei der Frage was denn geschehen wird, wenn in einigen Jahren die Regelung über die Milchquote gänzlich wegfällt.
Aigner: „Der Beschluss ist gefasst und die Chancen auf eine Weiterführung dieser Regelung sind meines Erachtens sehr gering. Also, was setzt man dagegen? Hier würde ich auf eine verbesserte Zusammenarbeit von Erzeugern und den verarbeitenden Betrieben setzen. Auch sollten die Betroffenen sich verstärkt die Frage stellen, ob sie für den Weltmarkt oder doch lieber für die Region produzieren wollen“.
Eine schärfere Profilierung, um seine Stärken in den Vordergrund zu rücken, sei ein guter Ansatz um dem, was in einigen Jahren vielleicht folgt entgegentreten zu können.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen