Im Rahmen der dritten Energietage in Baden-Württemberg präsentierte auch Gmünd Einsparmöglichkeiten für den Alltag
Das „Energiesparen“ fängt im Kleinen an, beispielsweise bei „Deckel drauf auf den Topf beim Kochen“, wie der Energie-Beauftragte der Stadt, Frank Wendel, bildlich erklärte. Ganz groß sparen kann jeder Bürger im eigenen Heim, wenn er es schafft, die Wärme nicht unnötig verpuffen zu lassen. Von Giovanni Deriu
SCHWÄBISCH GMÜND. Bereits weit vor neun, am Samstag in der Früh, schlenderten viele Gmünder über den Marktplatz der Johanniskirche, und blieben interessiert an den „vor Energie“ strotzenden Informations-Ständen zum „Energietag“ in Schwäbisch Gmünd stehen, schauten interessiert und nahmen dann auch Beratung in Anspruch. Das sei ja von Beginn auch das Ziel der Stadt gewesen, so Wendel, Rat zu geben, aber auch „Anregungen und Fragen“ der Bürger zu erhalten. Natürlich drehe sich in der heutigen Zeit (der Wirtschaftskrise) auch vieles ums Einsparen – Energie (Umwelt schonend), aber noch besser, wenn es ums eigene Geld im „Portemonnaie“ gehe.
Zwei, die mit ihren Betrieben nah dran sind an den Bürgern, „Häuslesbauer“, und besonders den Auftraggebern der „öffentlichen Einrichtungen“, sind die Stuckateure Alexander Schaupp und sein Kollege am Stand, Martin Barth. Sie wissen wovon sie sprechen – „Wir Schwaben sparen überall gern“, das hieße aber nicht, das immer sinnvoll gespart würde, so Schaupp wie Barth unisono, zumal sich Investitionen für Renovierungsmaßnahmen an „älteren Häusern“ oft sehr schnell amortisieren würden. Der Gmünder Stuckateur Schaupp, genauso wie Barth für die Beschichtung und Abdichtung der Innen– wie Außenwände zuständig, wundern sich ein bisschen „über den Aufwand“ bei der Abwrack-Prämie bei „den Autos“ – nur bei den Förderungen und Zuschüssen des „Eigenheims“ würden sich noch nicht so viele Leute auskennen. Deshalb auch dieser Energietag in Gmünd, unterstrich Wendel.
Von wegen alles „nur Fassade“, so der stellvertretende Obermeister der Stuckateur-Innung Schwäbisch Gmünd, Martin Barth. Alles stehe, oder besser, bröckele und falle auch mit den Architekten, für welche Bauweise „die sich“ entscheiden würden. Es sei doch ein „tolles Zubrot“, wenn „oft mehr als fünf Prozent“ der Kosten ersetzt werden, bei einer Renovierung der Fassade am Haus. Schaupp, der andere Stuckateur kam mit Zahlen: „Der momentane Stand ist, dass Häuser neun bis zehn Liter Heizöl pro Quadratmeter“, verbrauchen. Oft noch mehr – es gehe aber auch mit einem reduzierteren Verbrauch, nämlich mit „drei, vier Liter“.
Da horchen die Passanten auf, und betrachteten die Isolationsmöglichkeiten aus Glas– und Steinwolle. Der Architekt Karl Miller, zudem als Stadtrat am Runden „Tisch“ zu Energiefragen beteiligt, wartete am Stand mit „Diagrammen“ auf, alles farblich dargestellt. Er belegte die Aussagen der Handwerker Schaupp und Barth: „Sehen sie hier“, und er zeigt auf einen blauen Balken des Diagramms, der weit nach vorn absteht – satten
2 800 Euro Heizkosten eines „unsanierten“ Gebäudes pro Jahr, stünden dagegen „nur“
460 Euro eines „renovierten Gebäudes“ gegenüber. „Plusminus“, so Frank Wendel und Architekt Miller, könne man bis zu
2000 Euro im Jahr einsparen. Das Einsparpotenzial sei enorm, und so kommt es, dass das „Konjunktur-Programm zwei“, auch schon Auswirkungen zeige – besonders öffentliche Einrichtungen rüsten um, die Stuckateure arbeiten bereits an Schulen und Kindergärten rund um Gmünd, aber auch „in Remshalden“. Auch die Stadtwerke gaben sich am Samstag ganz bürgernah, und viele Passanten suchten den Stand mit Peter Klaus auf, der für die Abteilung „Abrechnungen“ zuständig ist.
Ein Renner bei den Nachfragen war immer wieder die Beratung bei möglichen „Leckagen“ und „Wärmeverlusten“. Die Stadtwerke Schwäbisch Gmünd bieten gegen einen Vorzugspreis, so wird auf einem Prospekt geworben, Infrarotbilder „ihres Hauses“ an. Ein Infrarot-Kamerawagen würde die „Schwachstellen“ des Hauses aufnehmen.
Der Arbeitskreis „Runder Tisch Energie“ setzt auf die intelligente Nutzung vorhandener Energie – das „Passivhaus“ denkt quasi mit, oder ist zumindest so gebaut. Aber noch etwas zeichnet die (Energie-) Qualität eines Hauses oder Gebäudes aus – „der Energieausweis“, hoben Wendel und Miller hervor. Der seit vergangenen Jahres „stufenweise“ eingeführte Energieausweis, weist die energetische „Qualität“ des Gebäudes aus, „erfasst allgemeine Daten und stellt die Ergebnisse und die Bewertung“ übersichtlich zusammen. Eine ausgewiesene „Farbskala“ zeigt auf einen Blick, wie viel Energie das Gebäude im Vergleich zu anderen benötigt.
Pflicht für jedes Gebäude, und es dient auch als Informations-Quelle und zum „Schutz“ der Mieter, die können den möglichen Vermieter schon einmal fragen, „Zeigen Sie mir doch bitte den Energieausweis“. So kann sich jeder (s)ein Bild der Nebenkosten machen. Ein leichter (Energie-)Druck auf Gebäudebesitzer werde damit schon ausgeübt, waren sich Miller wie Wendel einig – aber, zum Wohle aller Beteiligten, und wenn dann auch noch Kosten reduziert werden könn(t)en?
Ein wahrer Renner war auch der Stand des Fahrradfachhandels Schmidt, der mit dem Arbeitskreis „Mobilität und Verkehr“ der Stadt gemeinsam in die Pedale stieg.
Die „hippen“ E-Bikes und „Pedelecs“, waren der Hingucker, kleine wie große Passanten blieben interessiert stehen, um sich die halb– oder vollelektrischen „Fahrräder“(?) erklären zu lassen. Fahren mit „elektrischem Rückenwind“ kommt besonders in Städten mit besonderer „Topographie“, wie Gmünd sie auch besitzt, gut an – „Jede Radtour beginnt doch irgendwo mit einer Steigung“, ist die Meinung des Familienvaters Roland Sturm, der mit seinen Buben (Michael und Johannes) den Energietag auf dem Marktplatz besuchte. Noch sei er kein „E-Bike-Kunde“, aber die Familie überlege schon, umzusatteln. Wenn Roland Sturm längere Radtouren plane, wäre so ein „E-Bike oder Pedelec“, schon eine Entlastung. Denn vom „Fahrrad aufs Dach beim Auto“ hält der Radler nicht viel. Zur Arbeit fahre der Weleda-Mitarbeiter immer per Drahtesel, und er sei schneller als viele Kollegen, die mit dem Auto anfahren, und im Gmünder Stau stecken.
Der
21-jährige Junior-Chef, Florian Schmidt, pflichtete dem bei. Die Gmünder stehen auf „E-Bikes, viele lassen auch einfach „ihr altes aber intaktes Mountainbike“ aufrüsten, Beratung tut da schon Not. Nicht, dass ein Aufrüsten teurer wird, als ein neues E-Bike womöglich kostet. Die Preisklasse, und da kannten sich einige Besucher am Stand aus, wäre zwischen „
1200 und
2000 Euro“ anzusiedeln, dann bekäme man aber auch etwas für sein Geld, so Schmidt-Junior. Kann ein E-Bike bis zu
45 km/h beschleunigen, müsse das motorisierte Rad aber registriert werden – anders beim Pedelec, das „nur“ auf eine Höchstgeschwindigkeit von „
25 K-M-H“ komme. Da müsse man eben „mittreppeln“, ein Kraftsensor wandele die Energie per Pedes um. Soweit die „Wade“ reicht.
Allemal eine saubere Angelegenheit, nicht immer muss man seinen PKW im Stadt-und Nahverkehr starten. Ideen und umsetzbare Anregungen gab es also viele, wie man Energiekosten reduzieren kann – bleibt die Frage, womit der Einzelne in der Umgebung anfängt. Entweder ganz einfach mit der Energiesparlampe, oder nicht ständig das Licht brennen lassen. Zudem dran denken, jeder Topf hat seinen Deckel, besonders beim Kochen daheim in der eigenen Küche.
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