Johannes Werner, KSK-Vorstandsvorsitzender, erwartet kräftiges Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr 2009
Viele hatten es gehofft, wenige haben daran geglaubt und doch ist es jetzt passiert: Die deutsche Wirtschaft wächst nach ihrem Kollaps im Frühjahr 2009 zum Jahresende wieder kräftig. Was ist davon zu halten?
OSTALBKREIS
(pm). Konjunkturprognostiker neigen dazu, einen wirtschaftlichen Umschwung immer eher für das zweite Halbjahr vorherzusagen.
2009 war das nicht anders. Im Januar sah es düster aus. Es war bereits klar, dass sich Deutschland in einer Rezession befand. Doch es gab die Hoffnung, dass die hiesige Wirtschaft zumindest im Schlussquartal, also von Oktober bis Dezember
2009, wieder zu Wachstum zurückkehren könnte. Einmal mehr wurde also auf das zweite Halbjahr gesetzt. Aber wer hatte wirklich daran geglaubt — bei all den Unsicherheiten, die sich um Finanzkrise und globalen Wirtschaftskollaps rankten und ranken? Johannes Werner, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ostalb, analysiert:
„Die deutsche Wirtschaft wächst tatsächlich wieder, sogar kräftig. Und doch überrascht uns jetzt diese Feststellung — in doppelter Hinsicht. Erstens sind viele erstaunt, dass ihre Prognosen zu einer besseren zweiten Jahreshälfte in diesen turbulenten Zeiten wirklich eingetroffen sind. Zweitens sind die aktuelle Stärke und der Umfang der Erholung bemerkenswert.
Anfang August hatte das Statistische Bundesamt vermeldet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hierzulande bereits im zweiten Quartal leicht gestiegen sei. Das hatte kaum jemand für möglich gehalten, ist jedoch vor dem Hintergrund der historischen Einbrüche des BIP in den sechs Monaten zuvor auch zu relativieren. Ein näherer Blick auf die gängigen Konjunkturindikatoren offenbart dann aber den wahren Grund zur Freude: Die positiven Tendenzen des Frühjahres haben sich in den letzten Monaten noch deutlich verstärkt. So ist z. B. der wichtige ifo Geschäftsklimaindex zuletzt zum fünften Mal in Folge angestiegen — und zwar so stark wie sonst nur ein einziges Mal seit der Wiedervereinigung.
Das wieder positive Wachstum im zweiten Vierteljahr war also keine Eintagsfliege. Vielmehr dürfte das BIP im laufenden Quartal nun sogar deutlich über ein Prozent im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten zulegen. Solche Wachstumsraten sind selten. Natürlich kann erneut das Argument angeführt werden, dass die zuvor registrierten Schrumpfungsraten auch einmalig waren, die Ökonomie sich also von einem sehr niedrigen Niveau aus erholt. Doch auch hier ist abermals zu entgegnen: Bis vor kurzem hat fast niemand an ein solch positives Szenario geglaubt — weil die Krise so schwer und einmalig war.
Ist jetzt alles wieder gut? Nein. Aber alles ist wieder besser! Und das ist ein Riesenerfolg, der vor allem der beherzten Geld– und Finanzpolitik zuzuschreiben ist. Die Zinssenkungen der Notenbanken rund um den Globus und die Konjunkturpakete der Regierungen haben die gewünschte Wirkung erzielt: Sie haben nicht nur die Wirtschaft direkt angeschoben, sondern auch die düsteren Erwartungen der Unternehmen und Haushalte aufgehellt.
Sicherlich bestehen weiterhin Risiken wie ein erneutes Aufflammen der Finanzkrise, steigende Arbeitslosigkeit und schwächerer privater Konsum. Zudem nehmen die positiven Impulse der Geldpolitik angesichts historischer Zinstiefststände demnächst ab. Und die Maßnahmen der Regierungen werden an konjunkturstärkender Wirkung verlieren. So ist in Deutschland dieser Tagen die Abwrackprämie ausgelaufen. Es ist also davon auszugehen, dass die derzeitige Erholung in ihrem Ausmaß nicht ins nächste Jahr fortzuschreiben ist. Doch halten wir eines positiv fest: Zurzeit, also in diesem zweiten Halbjahr
2009, ist die gesamtwirtschaftliche Lage erstaunlich gut.
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