Münstermesner Walburga und Paul Weinmann werden am Freitag in den Ruhestand verabschiedet
Fast vier Jahrtzehnte waren Walburga und Paul Weinmann nicht „nur“ Kirchendiener im Heilig-Kreuz-Münster zu Gmünd. Sie waren vielmehr das Wahrzeichen im Gmünder Wahrzeichen. Mit ihren Erlebnissen könnten sie ein ganzes Buch füllen.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). An diesem Freitag,
25. September, verabschiedet die Münstergemeinde in einer kleinen Feierstunde um
19.
30 Uhr im großen Festsaal des Franziskaners (
2. Stock) das Mesnerehepaar Paul und Walburga Weinmann aus dem aktiven Dienst. Neben verschiedenen Grußworten wird die Feier durch den Münsterchor unter der Leitung von KMD Hubert Beck und Münsterorganist Stephan Beck und seiner Frau Andrea Beck musikalisch mitgestaltet. Zur Teilnahme an dieser Feierstunde sind alle Interessierten eingeladen. Eines dürfte bei dieser Feierstunde sicher sein, nämlich ein „volles Haus“. Denn die Weinmanns genießen in ganz Gmünd — und ganz bestimmt nicht nur im katholischen Teil — Wertschätzung und Dankbarkeit für das, was sie zeitlebens im und rund ums Münster fürs geistliche und weltliche Miteinander in Gmünd geleistet haben.
Im Alter von zehn Jahren war Paul Weinmann Ministrant. Schon seinerzeit, Anfang der
50er-Jahre, wurde der Altardienst dem gläubigen Buben zum Herzensanliegen. Nach dem plötzlichen Tod des damaligen Mesner Erwin Betz wurde Paul Weinmann, der eigentlich Friseur gelernt hatte, im Jahre
1965 erstmals mit dem Mesnerdienst im Münster betraut. Hauptamtlich führt er diese Tätigkeit seit
1973 aus, alsbald gemeinsam mit seiner Frau Walburga. Beide gingen sozusagen eine verantwortungsvolle und kreative Lebensgemeinschaft mit dem Gmünder Wahrzeichen ein. Der stets herrliche Blumenschmuck, die wunderbaren Erntedankaltare mit durchdachter Symbolik, die prachtvolle Weihnachtszeit im Münster — ohne das persönliche Engagement der Weinmanns kaum denkbar. Paul Weinmann: Mesnerdienst beschränke sich nicht auf eine
40-Stunden-Woche. Dafür sei die innerliche Erfülltheit und der Reichtum an persönlichen Begegnungen der schönste Lohn der Mühen. Seine Frau Walburga pflichtet ihm bei. Die Erlebnisse aus den vergangenen vier Jahrzehnten könnten ganze Bände füllen. Walburga Weinmann beschreibt, wie man als Münster-Mesner immer wieder auch in die Rolle eines Seelsorgers, zumindest in die eines Sozialarbeiters schlüpfe. Immer wieder sei sie auf Verzweifelte aufmerksam geworden, die im Münster einsam beteten und weinten. Worte des Trostes und des Mitgefühls oder das Entzünden einer Kerze wirkten da im Gotteshaus oftmals Wunder. Paul Weinmann denkt auch zurück an bewegende Trauerfeiern für die großen Gmünder wie Erich Ganzenmüller, Norbert Schoch, Hansludwig Scheffold oder Theo Zanek, bei denen man den Tränen ganz nahe gewesen sei, aber dennoch für einen geregelten Ablauf der Feier– und Gedenkstunden Sorge tragen musste.
Auf der anderen Seite die freudigen Anlässe, darunter die ungezählten Altersgenossenfeste, auch manche Märchenhochzeit, vor allem auch die Priesterweihen. Es passierte aber auch, dass Kirchendiener Paul Weinmann zum Kirchenpolizist wurde, um Unheil vom Münster abzuwenden. Emotionen kochten beispielsweise im Zusammenhang mit der Atomraketenstationierung in Gmünd und Mutlangen hoch. Oder da war auch die Episode mit der Monumentalkunst „Galgen“. Weinmann konnte gerade noch rechtzeitig eingreifen, als versucht wurde, die provokative Riesenskulptur am Münster umzusägen. Im Vordergrund des reichen Erinnerungschatzes stehen jedoch die schönen Augenblicke. Daher gehen die Weinmanns nicht traurig in den Ruhestand, sondern, wie sie betonen, in freudiger Dankbarkeit und in bleibender Verbundenheit mit „ihrem“ Münster.
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