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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 23. September 2009

Wahlkampf der Christdemokraten mit Ministerpräsident Günther Oettinger — Vorerst keinen Bedarf für die „Tunneltechnik“

Ein Ausbrechen aus dem „Wahlkampf-​Zeitfenster“ scheint auch für den Ministerpräsidenten Baden-​Württembergs, Günther Oettinger, so kurz vor den Wahlen nicht mehr drin zu sein. Fast pünktlich, um kurz nach sechs, erschien der Ministerpräsident vor der Johanniskirche, hielt eine schnittige Rede ohne große Versprechen und war nach 70 Minuten fertig. Von Giovanni Deriu

SCHWÄBISCH GMÜND. Umrahmt und umgarnt von Gmünds Bundestagsabgeordneten, Norbert Barthle Dr. Stefan Scheffold (MdL), und Gmünds Oberbürgermeister, Richard Arnold, stieg Günther Oettinger aus der dunklen Nobelkarosse und begrüßte die Mitglieder der Jungen Union, die allesamt Spalier standen, einzeln. Oettinger tätschelte kurz, fragte „wie geht’s?“ und unterhielt sich gar mit den Jugendlichen über deren „gestylten“ Frisuren. Einer von ihnen, in orangenem Polo, war Maximilian Rosenthal von der Schiller-​Realschule in Gmünd: „Einfach wunderbar, Ministerpräsident Oettinger so hautnah zu erleben“, schwärmte der Schüler. Oettinger, so seine Mitstreiter, sei einfach „authentisch“.
Unter den rund 300 Zuhörern im Publikum vor der Johanniskirche auch viele Senioren, die schon wissen wollten „was der Herr Oettinger für uns ältere Leute“ so tun wolle. „Aus reiner Neugier“ habe auch er, Erwin Brauer aus Bettringen, den Weg zur Kundgebung gefunden. Hören, was der „Ministerpräsident“ zu sagen habe, schließlich würden die „Lebenshaltungskosten“ stetig steigen, ergänzte eine Rentnerin. Ministerpräsident Oettinger wie Eröffnungsredner Norbert Barthle sehen Baden-​Württemberg immer noch als „Musterländle“. Und irgendwie, trotz Wirtschaftskrise, scheint es in Baden-​Württemberg (noch) zu stimmen. Was auch erklärt, weshalb die Wahl-​Veranstaltung nicht von „Gegen-​Aktionen“ gestört wurde. Fast schon romantisch, die aufsteigenden „Seifenblasen“ einer kleinen und ruhigen Gruppierung. Oder drüben, nah den Bierbänken, ein einziges besprühtes Bettlaken: „B 29, Mögglingen, rasch?“ – Das war’s auch schon. Günther Oettinger beglückwünschte die Gmünder zum neuen „OB“ Richard Arnold, der sich nicht „verändert hat, im Gegenteil“, Arnold stecke immer noch „voller Ideen“ – so wie er, Oettinger, ihn (Arnold) damals bereits in Brüssel kennengelernt hatte. Arnold sei ein „hervorragender Netzwerker“, der die Wirtschaftsinteressen des Landes bestens vermittelt habe – in Europa. Zuvor war der Oberbürgermeister bei der Begrüßung Oettingers verbal nach vorn geprescht und verkaufte den „Dank“ als „stärkste Form“ der Bitte. Nämlich, der OB wünschte sich offen „die Tunneleröffnung“ mit einem „Filter“. Genauso offen, aber charmant verpackt, ohne „Versprechungen“ machen zu wollen, so Oettinger („das wäre ein Leichtes“), die Absage: „Momentan gibt es keinen Bedarf oder eine Notwendigkeit“ für diese Art der „Tunneltechnik“. Immerhin, und das werteten später Diplom-​Ingenieur Bernd Müller und sein Partner, Achim Vonderach (ECOVAC), als „kleine Hoffnung“, verkündete Oettinger: „Jedes halbe Jahr werden wir die Frage überprüfen.“ Das Land und die Stadt würden „in Kontakt“ bleiben. Dass der Tunnel für Gmünd immens wichtig sei, hob auch der Ministerpräsident hervor – denn durch ihn würde natürlich die „Lebensqualität“ steigen. Oettinger wies darauf hin, dass die Wichtigkeit des „Neubaus“ der Hochschule für Gestaltung durch Dr. Stefan Scheffold und Norbert Barthle „immer wieder“ auf der Tagesordnungsliste „gesetzt wurde“. Von fehlenden „1260 Quad-​ratmetern“ Fläche war Oettinger im Bilde. Auch hier stehe man im engen Kontakt, Gespräche starten bereits in dieser Woche, die Hochschule solle an zentraler Stelle entstehen – vielleicht gar auf dem Gelände der Landesgartenschau. Mit „aller erdenklichen Hilfe“ könne Gmünd rechnen, so Oettinger, was die Landesgartenschau betrifft. Zum Thema Hochschule und Landesgartenschau setzte wie auf Zeichen das Kirchengeläut ein. Davor hatte Oettinger die Wirtschaftskrise und die Globalisierung im Schnelldurchgang gestreift. Das Land, immer „Wachstum“ gewohnt, muss mit einem Rückgang von „sieben bis acht“ Prozent rechnen. Steuereinnahmen sinken damit, aber die Ansprüche und Aufgaben blieben „im Plan“. Wissenschaft, Forschung und „unsere Tüftler“ – das sei die Zukunft. Erziehung und Bildung seien von größter „Wichtigkeit“. Vielleicht, so Oettinger ganz überzeugt, beginne „frühkindliche Bildung“ schon im Mutterbauch. Von Angela Merkel (viele nennen sie das „Muttchen“ der CDU) seien Obama, Sarkozy und Brown „alle überzeugt“, nur dürften sie nicht wählen. Oettinger und Barthle glauben fest, dass die FDP „fünf und mehr Prozent“ holt. Doch zu viel Erfolg bekomme der FDP nicht. Deshalb sei Oettinger für eine „starke“ CDU mit einer „schlanken“ FDP. Danach ertönte die Hymne.
 

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