Bürgerinformationstag: Nicht alle Bürger zeigen Begeisterung angesichts der Arnold-Pläne
SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Das Stimmungsbarometer im total überfüllten kleinen Sitzungssaal des Rathauses sprach gemessen am oft spontanen Beifall der Bürgerschaft deutlich für die anpackenden Ideen und Visionen des neuen Oberbürgermeisters.
Der lobte auch seine Mitarbeiter, denn es sei gelungen, innerhalb von nur
50 Tagen die neue Konzeption für Gartenschau und Stadtentwicklung am Bahnhof zu erarbeiten. Wie er betonte, hätten von der „Strahlkraft des Projekts Tor der Regionen“ auch schon die Teilnehmer des laufenden Investorenwettbewerbs „Feuer gefangen“. Dort werde das Leben der Stadt und auch der Regionen pulsieren. Die Zeit des Jammerns müsse endlich zu Ende sein; „Gmünd ist Regionalsitz – „nicht nur auf dem Papier!“ Doch nicht alle Bürger ließen sich von dieser Begeisterung mittragen. Von einigen wurde der Oberbürgermeister unter Hinweis auf dessen Position im Wahlkampf gegen Wolfgang Leidig ziemlich in die Zange genommen. Die zentrale Frage, die im Raum stand: Hatte der Kandidat die Verfechter der alternativen Verkehrsführung, die sich nach wie vor für Realisierung einer Tunnellösung am Bahnhof einsetzen, mit nun nicht eingelösten Versprechungen „eingelullt“? Ein Bürger stand auf und erinnerte an klare Wahlkampfaussagen Arnolds: „Das Straßenknie muss vom Tisch!“ Dies sei doch als klare Aussage für die Unterführung rübergekommen und deshalb hätten ihn auch viele Gmünder gewählt. Was OB Arnold nun als Boulevard präsentiere, das sei doch auch nichts anderes als eine „hübsch verpackte Knie-Lösung“.
Richard Arnold wehrte sich: Es sei eine persönliche Betrachtung, ob man da weiterhin ein Knie sehe oder auch einen Ellenbogen. Er sei als Oberbürgermeister mit dem Hauptanliegen angetreten, die einzelnen Interessen endlich zusammenzuführen. Er appelliere an alle, nicht immer nur einzelne Problempunkte ins Visier zu nehmen, sondern die große Vision zu erkennen. Baubürgermeister Julius Mihm pflichtete bei: „Die Boulevard-Lösung ist nun der Schlüssel, um die Probleme bisheriger Auseinandersetzungen zu lösen.“ Leidenschaftlich das Plädoyer von Stadtrat
Prof. Reinhard Kuhnert, der das Konzept der Projektgruppe Alternative Verkehrsführung erläuterte. Seine Kernaussage: Gelänge es nicht, den Verkehr mittels einer Unterführung vom Bahnhofsplatz wegzubringen, dann wäre dies ein sträfliches Versäumnis gegenüber unseren Kindern und Enkeln. Eine Vielzahl von Gefahrenpunkten beschrieb Kuhnert, wenn weiterhin eine Straße mit bis zu
20000 Fahrzeugen pro Tag über einen Platz geführt werde, der täglich von tausenden Schulkindern, Senioren und Pendlern oft unter Zeitdruck gekreuzt werden müsse. Dazu seien lästige Staus ausgerechnet an diesem „Tor der Regionen“ programmiert.
Der Meinungsaustausch wollte nicht enden; im Rathaus pulsierte es am Samstag. Im Lichthof stand eher am Rande des Getümmels ein sehr glücklicher Mensch: Stadtrat Thomas Hilsberg, der – fast auf den Tag genau – vor einem Jahr mit seiner Schwellen-Aktion die breite Diskussion über den Erhalt der historischen Hauptpostamtes auslöste. Trotz des geduldig ertragenen Spotts und der Häme von manchen vermeintlich maßgeblichen Leuten hat es sich nun für ihn gezeigt, dass die Initiative mit ihrem nun auch im Rathaus definierten gmünderischen Ziel nicht falsch lag.
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