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» Ostalbkreis | Montag, 28. September 2009

Erster Dekanatstag des Katholischen Dekanats Ostalb

Beim ersten Dekanatstag des Katholischen Dekanats Ostalb, der unter dem Motto „Damit Familie eine Zukunft hat“ stand, sprach Dr. Jürgen Borchert den anwesenden Besuchern aus der Seele, als er die Missstände in der Familienpolitik aufzeigte.

AALEN (jo). Nur mit der Familie habe die Gesellschaft eine Zukunft und damit auch die Kirche, sagte Dekan Dr. Pius Angstenberger bei der Eröffnung des ersten Dekanatstages des Katholischen Dekanats Ostalb am Samstag in der Aalener Stadthalle. Die Veranstaltung solle sichtbar machen, was die Kirche für die Familie tun könne. Es ginge hier um die inhaltliche Diskussion des Themas Familie, auch wenn der Dekanatstag einen Tag vor der Bundestagswahl stattfinden würde, so Angstenberger weiter. Die Besucher konnten sich an zahlreichen Ständen über das Angebot der kirchlichen Organisationen informieren. So waren die Katholischen Kindergärten genauso vertreten wie die Nachbarschaftshilfe oder die Sozialstationen. Das Forum Katholische Seniorenarbeit bietet neuerdings einen Opa– und Oma-​Ausleihdienst zur Kinderbetreuung für Leute an, die keinen Opa oder keine Oma vor Ort haben. Im Areal der Stadthalle wurden zahlreiche Workshops zu Themen wie „Familienalltag: Anspruch und Wirklichkeit“, „Wenn jeder Euro zählt – Leben mit Hartz IV“ oder „Familien in Armut – Kinder als Armutsrisiko“ angeboten. Herzstück der Veranstaltung war ein Vortrag von dem Heidelberger Sozialrichter und Familienexperten Dr. Jürgen Borchert. Er stellte die Familienpolitik auf den Prüfstand und sprach von einer Diskriminierung von kinderreichen Familien. Anhand von offiziellen Statistiken zeigte Borchert auf, dass es eine doppelte Kinderarmut in Deutschland gebe. Zum einen eine Armut an Kindern durch die Halbierung der Geburtenrate seit 1965 und zum anderen eine Armut von Kindern. Seit 1965 sei die Sozialhilfequote um das sechzehnfache angestiegen, erläuterte er und fragte sich, warum denn so ein reiches Land wie Deutschland so eine starke Entwicklung zur Armut habe. Durch diese Entwicklung leide auch die Bildung. So hätten im Jahr 2004 beispielsweise 25 Prozent der Schulabgänger keine oder kaum Kenntnisse in so elementaren Kulturtechniken wie lesen, schreiben oder rechnen gehabt. Die Front läge nicht am Hindukusch, sondern im eigenen Land. Am Ende müsste der Sozialstaat zusammen mit der Demokratie begraben werden, führte Borchert aus. In einer anschließenden Podiumsdiskussion, die von SWR–Moderator Jürgen Vins geleitet wurde, war die einhellige Meinung der Diskussionsteilnehmer, dass sich in den letzten Jahren die Situation für Familien verschlechtert habe. Die Erhöhung des Kindergeldes sei nur ein „Nasenwässerle“ gewesen, meinte Landtagsabgeordnete Ulla Hausmann und für Dr. Peter Siedler von der Katholischen Betriebsseelsorge sind die Familien systemrelevant und nicht die Banken. Auch die Ostalb sei keine Insel der Glückseligen, meinte Landrat Klaus Pavel. Wenn ein Familienvater 40 Stunden in der Woche arbeiten würde und dann noch auf Hartz IV angewiesen sei, könne etwas nicht stimmen.
 

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