Analyse der Bundestagswahl im Altkreis Schwäbisch Gmünd
Gestern war der Tag der Analysen. Überall saßen die politisch Verantwortlichen beieinander, um das Ergebnis der Bundestagswahl zu beraten. Und was für die Republik gilt, trifft auch im Wahlkreis 269 Schwäbisch Gmünd/Backnang zu: Die Großen haben (fast) überall verloren, die Kleinen gewonnen. Von Manfred Laduch
SCHWÄBISCH GMÜND. Einige Bestürzung herrschte über die niedrige Wahlbeteiligung. Sie lag im Wahlkreis bei
71,
9 Prozent und damit unter dem Landesergebnis von
72,
1. Politikverdrossenheit, das falsche Wetter, der laue Wahlkampf, ein zu wenig bestimmbares Angebot – es gibt viele mögliche Gründe für das Desinteresse der Bürger. Im Altkreis Schwäbisch Gmünd waren es die Ruppertshöfer, die mit
64 Prozent das Schlusslicht bildeten. Auf den ersten Blick war die Beteiligung auch in Eschach, Obergröningen und Täferrot nicht besonders. Hier muss allerdings der Abgang durch den gemeinsamen Briefwahlbezirk mit
252 Stimmen berücksichtigt werden.
Vorbildlich dagegen Waldstetten: Hier gingen
79,
7 Prozent der Berechtigten zu den Urnen. Vielleicht sollte man künftig als Anreiz überall an Wahltagen Publikumsveranstaltungen wie den Waldstetter Herbst ansetzen.
Insgesamt gab es rund
10 000 Stimmen weniger im Wahlkreis – und so viele hat auch Norbert Barthle als Direktkandidat verloren. Seinen Vorsprung auf den direkten Konkurrenten baute der Christdemokrat freilich auf fast
20 Prozent aus: Bei Christian Lange (
SPD) machten
15 600 Wähler weniger ihr Kreuz als noch vor vier Jahren.
Am dramatischsten abwärts ging es für Barthle in Göggingen, wo er
10,
8 Prozent der Erststimmen einbüßte. Das größte Minus für Lange gab es in Durlangen mit minus
12,
7 Prozent. Die Bewerber der kleineren Parteien legten überall zu, und können es mithin verschmerzen, dass das Plus für Markus Fischer (
FDP) in Schwäbisch Gmünd „nur“
4,
4, für Ulrike Sturm (Grüne) in Eschach nur
1,
1 und für Manfred Steidle (Linke) in Obergröningen nur
1,
5 Prozent mehr gab.
Ihre jeweils schlechtesten Gesamtwerte nach Erststimmen fuhren die Bewerber in Ruppertshofen (Barthle
40,
8%), Heuchlingen (Lange
15,
9; Steidle
5,
2%), Schwäbisch Gmünd (Fischer
8,
4%) und Schechingen (Sturm
7,
0%) ein.
Dass Heuchlingen keine linke Hochburg ist, stand freilich schon vorher fest. Und so nimmt es nicht Wunder, dass Norbert Barthle hier mit
57,
0 Prozent sein bestes Ergebnis erzielte. Das am wenigsten schlechte stand für Christian Lange in Mutlangen mit
26,
9 Prozent zu Buche. Über ein absolutes Top-Resultat durfte sich Markus Fischer in seiner Heimatgemeinde Göggingen mit
21,
9 Prozent freuen. Ulrike Sturm kam besonders gut in Ruppertshofen (
11,
6%), Manfred Steidle in Leinzell (
9,
9%) an.
Am wenigsten verloren hat Norbert Barthle mit
1,
5 Prozent in Lorch, Christian Lange mit
7,
2 Prozent in Waldstetten – ein Indiz für die allgemein verbreitete These, dass eine hohe Wahlbeteiligung eher der
SPD als der
CDU nutzt. Seine Steigerung um
13,
7 Prozent in Göggingen konnte Markus Fischer nirgends übertreffen. Ulrike Sturm verzeichnete ihre größte Verbesserung in Obergröningen (plus
5,
5 Prozent), Manfred Steidle in Heubach (plus
5,
2).
In Sachen Zweitstimmen büßte die
CDU in Bartholomä, die
SPD in Spraitbach die meisten Wähler ein. Die geringsten Zuwächse erzielte die
FDP in Täferrot, die Grünen und die Linke in Obergröningen. Etwas aus dem Rahmen fällt Täferrot als einzige Gemeinde, in der die
CDU ein Plus bei den Zweitstimmen verzeichnete. Die größte Zustimmung hatten die Christdemokraten allerdings in Heuchlingen mit
47 Prozent. Mit
21 Prozent blieb der
SPD in Obergröningen der größte Anteil, der dort auch am wenigsten stark zurückging. Auch bei den Zweitstimmen ging für die
FDP nichts über die
23,
7 Prozent in Göggingen. Ruppertshofen und Leinzell waren die besten Adressen für Grüne bzw. Linke.
Überdurchschnittlich „schlecht“ war die Quote der gültigen Stimmzettel in Mögglingen. Dies ist möglicherweise auf einen Leserbrief in der Rems-Zeitung zurückzuführen, in dem ein vom ungewissen Baubeginn für die B-
29-Umgehung genervter Leser Gleichgesinnte dazu aufforderte, sehr wohl vom Wahlrecht Gebrauch, den Stimmzettel jedoch demonstrativ ungültig zu machen.
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