Am Wochenende Oldtimer-Fliegertreffen auf der Hahnweide bei Kirchheim/Teck
Eine traditionell verwurzelte und daher enge Verbundenheit pflegen die beiden Segelflugplätze Hornberg/Schwäbisch Gmünd und Hahnweide/Kirchheim. Am Wochenende findet auf der Hahnweide wieder das größte Oldtimer-Fliegertreffen Europas statt. Von Heino Schütte
SCHWÄBISCH GMÜND/KIRCHHEIM. Die Segelflugplätze Hornberg/Schwäbisch Gmünd und Hahnweide/Kirchheim wurden durch den Flugpionier Wolf Hirth begründet und geprägt und sind heute als Ausbildungsstätten des Baden-Württembergischen Luftsportverbandes international bekannt.
Das im zweijährigen Turnus stattfindende Oldtimer-Fliegertreffen steht in diesem Jahr auch im Zeichen des
50. Todestages von Wolf Hirth. Er gilt als „Vater des Hornbergs“, hat auch der Fliegergruppe in Kirchheim seinen Namen gegeben: Die Fliegergruppe Wolf Hirth ist Veranstalter der historisch geprägten Flugschau, die von Freitag bis Sonntag fast
500 Propellermaschinen und Segelflugzeuge aus rund
100 Jahren Luftfahrtgeschichte am Himmel überm Stauferland sowie auf dem weitgehend naturbelassenen Flugfeld bei Kirchheim zusammenführt. Auch viele Nostalgie-Piloten aus dem Ostalbkreis werden dabei sein, so etwa auch vom Heubacher Flugplatz Martin Kemmer (Zlin
526, Baujahr
1969), Jürgen Kugel/Jörg Lohmann (Yak
55, Baujahr
1988) oder Volker Reichl/Andreas Bohm (Piper PA
18, Baujahr
1957). Auftakt bildet am Freitag gegen
14.
30 Uhr ein Formationsflug mit insgesamt sechs Ju
52 überm Stauferland.
Ob auch das mittlere Remstal und damit Schwäbisch Gmünd überflogen wird, hängt von den Wetterbedingungen ab. Mit einer riesigen Flotte von Verkehrsflugzeugen aus der Gründerzeit vieler europäischer Fluggesellschaften schafft das
15. Hahnweide Oldtimertreffen dann zweieinhalb Tage Nostalgiestimmung in Sachen Luftverkehr. Neben der Junkers Ju
52 sind es auch De Havilland Dove, De Havilland Dragon Rapide und Douglas DC
3 (Rosinenbomber), die den Aufstieg der Passagierluftfahrt in den
30er-Jahren dokumentieren.
Nicht nur zum Anschauen und Anhören sind diese Oldtimer auf der Hahnweide, sie kommen ihrer ursprünglichen Bestimmung nach und laden Passagiere zu Rundflügen ein. Für Kurzentschlossene sind diese Flüge noch an Ort und Stelle buchbar. Nicht mehr wegzudenken ist auch die große Flotte der Sportflugzeuge aus den
20er– und
30er-Jahren. Doppeldecker aller Bauvarianten werden von den Liebhabern, die aus zwölf europäischen Ländern anreisen, präsentiert. Für sie ein echtes Familientreffen. Sind diese doch sonst nur selten alle an einem Platz versammelt. Für die fliegenden Raritäten räumten die gastgebenden Vereine gerne ihre Hallen. Der Erste war Marc Matthis aus Frankreich mit seiner P-
51 Mustang. Mit einem ganzen Team von freiwilligen Helfern hält er diesen schnellen amerikanischen Jäger aus den
40er-Jahren mit seinem
1600 PS starken Motor flugbereit. Neben den weiteren legendären Jagdflugzeugen wie der englischen Spitfire und Hurricane sowie der deutschen Me
109 ist die Mustang immer ein Publikumsliebling. Eine Premiere auf der Hahnweide feiert die Focke-Wulf
190.
Nachgebaut basierend auf Originalbauplänen ist dieses Flugzeug erst seit wenigen Wochen wieder in der Luft zu sehen. B
25 und B
17 vertreten als weitere fliegende Museumstücke militärischer Luftfahrtgeschichte die so genannten „Fliegenden Festungen“ der Amerikaner. Stiller, aber mit nicht weniger Technikgeschichte beladen und besonders elegant und stolz am Himmel über der Hahnweide: Die Flotte der teilnehmenden Segelflugzeuge. Segelflugzeugbau ist seit jeher Experimentierumfeld für die Konstrukteure, die Neues wagen wollen. Leichtbauweise mit Kohlefaser – heute aus Passagiermaschinen nicht mehr wegzudenken – startete seinen Einzug in die Fliegerei bei den Segelfliegern. Wer die Entwicklung der Luftfahrt über die letzten Jahrzehnte auf wenigen Metern zusammengefasst sehen will, kann dies auf der Ostseite der Hahnweide bei den liebevoll gepflegten Seglern erleben. Dass sich die Hahnweide für ein Wochenende in ein fliegendes Museum verwandeln kann erfordert viel Organisationsgeschick von allen Beteiligten.
Die DFS (Deutsche Flugsicherung) stellt sogar Controller auf den Tower nach Kirchheim ab. Technisches Hilfswerk, Polizei, Feuerwehr und Rotes Kreuz – alle bringen Ihre Erfahrung in der Organisation einer solchen Großveranstaltung ein. Seit mehr als einem Jahr finden regelmäßige Treffen statt um Ablauf und Sicherheitsvorkehrungen abermals zu verbessern. „Wenn für die Besucher und Teilnehmer alles ganz entspannt und locker abläuft, dann haben wir alles richtig gemacht“ meint Hans Puskeiler – „und dann ist das Hahnweide Oldtimertreffen wieder das was es immer war – ein Treffen von Piloten und Enthusiasten die hier ein Wochenende feiern und die gemeinsame Zeit genießen“. Ein besonderes Erlebnis hat die Fliegergruppe Wolf Hirth für die Abendstunden am Samstag vorbereitet: Die so genannte Flight Line (dort, wo die Oldtimer dann in Reih’ und Glied zu bewundern sind) wird mit besonderen Lichteffekten und Musik „ausgemalt“. Frühmorgens können die Flugzeuge aus der Nähe betrachtet und fotografiert werden. Am Samstag und Sonntag beginnen dann gegen
11 Uhr die Flugvorführungen. Das exakte Programm und das komplette Teilnehmerfeld wird – wetterbedingt – kurzfristig zusammengestellt.
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