Erneut starker Andrang und engagierte Diskussion gestern Abend bei „Boulevard Arnold“
Rund 60 Bürger und Stadträte trafen sich gestern Abend im „M7“ am Marktplatz zu einer weiteren Informations– und Diskussionsrunde mit OB Richard Arnold und Baubürgermeister Julius Mihm, um das weitere Vorgehen in Sachen Landesgartenschau und Verkehrsführung zu erörtern.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Diese dritte Bürgerversammlung in kurzer Folge erweckte den Eindruck, dass sich die beiden Lager der Boulevard-Befürworter einerseits und der Gruppierung Alternative Verkehrsführung (Tunnel-Lösung) andererseits zwar zögerlich, doch kontinuierlich aufeinander zubewegen. Von Gerhard Rieg, Sprecher der „Tunnel-Fraktion“, ernteten OB Richard Arnold und Baudezernent Julius Mihm unter Beifall fast aller Anwesenden ein deutliches Lob: Die in den letzten
50 Tagen entwickelte Boulevard-Planung sei „wesentlich besser als alles andere, was von der Stadtverwaltung seither dem Gemeinderat präsentiert wurde“. Doch die Gruppe Alternative Verkehrsführung und auch einige Wortmeldungen von anderen Bürgern machte im Verlauf des Abends klar, dass immer noch sehr viele Gmünder die Funktionalität einer oberirdischen Verkehrsführung durchs Gartenschaugelände und am Bahnhof/ZOB entlang bezweifeln.
20 000 Fahrzeuge pro Tage entsprechen ungefähr der täglichen Szenerie der Buchstraße, wie Bürgermeister Mihm bestätigte. Gleichzeitig zeigte er sich unter Hinweise auf den von ihm gestalteten Boulevard Wilhemstraße in Ludwigsburg (mit vergleichbarere Verkehrsbelastung) überzeugt, dass das Miteinander der Autos mit den Fußgängerströmen sicher abgewickelt werden könne. Wenn das tatsächlich funktioniere, dann „find ich die Lösung gut“, reagierte Rieg. Doch die heftigen Zweifel blieben bestehen, auch durch eine engagierte Wortmeldung von Stadtrat Thomas Hilsberg, der schönere Gestaltungsmöglichkeiten für Bebauung und Gartengelände bei der Tunnel-Lösung sah. Verwiesen wurde auf das Beispiel Bargau, wo aufgrund einer Verkehrsbelastung von „nur“
17 000 Autos eine komplette Ortsumfahrung geplant werde. Bürgermeister Mihm bat, dies keinesfalls zu vergleichen. Für den Wohnort Bargau sei diese Beruhigung gewünscht, doch für Bahnhofsbereich und Remspark stehe doch ausdrücklich das Platzerlebnis, mithin die Belebung im Vordergrund. „Die Antwort vieler Kritikpunkte an der seitherigen Planung ist der Boulevard“, warb Mihm. OB Arnold erklärte: Mit einem Tunnel müsste er ganz von vorne anfangen, sprich das laufende Investorenverfahren platzen lassen. Die Boulevard-Lösung sei dagegen von den Projektentwicklern positiv kommentiert worden. Gottfroh müsse man sein, dass Gmünd trotz der gegenwärtigen Krisenstimmung für die Investoren interessant bleibe. Und gegenüber den staatlichen Zuschussgebern für Gartenschau und Stadtentwicklungsmaßnahmen müsse nun endlich das Signal erfolgen, dass „wir vorwärts kommen“. Zustimmende Wortmeldungen blieben nicht aus. „Charmante Lösung, da kommt Leben in die Gmünder Bude“, meinte beispielsweise Klaus Dengler.
Nach Studium der Ratsprotokolle kam OB Arnold gestern auch zu der Feststellung: Er habe im Grunde genommen nichts anderes gemacht, als den Wunsch aller Fraktionen im Zusammenhang mit der letztjährigen Grundsatzentscheidung erfüllt. Denn allseits und ausdrücklich sei eine Optimierung und Verbesserung des Vorentwurfs im Detail gefordert worden. Das „Knie“ sei nun einem „geschwungenen Band“ gewichen, zusätzliche Kurzzeitparkplätze seien entstanden, der Platzcharakter verbessert und dazu der Kopfbau des historischen Postamtgebäudes vor dem Abriss bewahrt worden.
Kommentare
Neuen Kommentar hinzufügenIch frage mich nur, wer eigentlich das Hotel braucht denn die hiesigen Hotels sind ja nicht einmal ausgelastet. Als nächstes: wer braucht ein neues Einkaufszentrum - bei Stuttgart 21 hat sich gerade der Investor verabschiedet
und das City-Center will um 1000 qm er-
weitern. Das und die ennormen Kosten verbunden mit sinkenden Einnahmen des Haushalts sollten OB Arnold zu denken geben ob er genauso wie in Stuttgart dem Grössenwahn erliegt oder ob so langsam die Vernunft zurückkommt und die reale Lage erkannt wird wie das alles zu bezahlen ist.