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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 30. September 2009

Erwin Teufel war gestern zu Gast im Schönblick-​Gästezentrum

Der Bundestagswahlkampf war der Grund, weshalb einige namhafte Politiker in den vergangenen Wochen in Gmünd zugegen waren. Erwin Teufel war gestern auf dem Schönblick zu Gast. Zu hören waren keine Parteiparolen, sondern leise und mahnende Töne. Es ging um die deutsche Wiedervereinigung und die Zukunft Europas. Von Nicole Beuther

SCHWÄBISCH GMÜND. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Schönblick-​Kongresses „20 Jahre friedliche Revolution“ statt. Mit ausdrucksstarken Zeitzeugen wurden hierzu in den vergangenen Tagen Interviews geführt. Gestern war nun der ehemalige baden-​württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel zu Gast. Seine Festansprache trug den Titel: „Welche Bedeutung hat die deutsche Wiedervereinigung für das zusammenwachsende Europa?“
Schon in jungen Jahren habe er sich für das politische Geschehen interessiert, so Teufel. Vor allem die Geschichten um den Widerstand im Dritten Reich ließen das politische Interesse wachsen. Er sei aus Idealismus, nicht aus Karrieregründen so früh in die Politik gegangen, immerhin war er einst mit 25 Jahren der jüngste Bürgermeister im ganzen Ort, aber auch nur, „weil es früher nicht ging“. Das Publikum im wie immer gut besuchten großen Saal des Schönblick-​Forums musste lachen.
In den nächsten Minuten wurde es ernster. Erwin Teufel begann leidenschaftlich und mit geballter Faust zu erzählen. Nicht von sich, sondern von den Menschen im ehemaligen Osten, von der deutsch-​deutschen Mauer und der Zukunft Europas.
Schon seit jeher habe er es als wichtig angesehen mit, vor allem jungen Menschen, nach Berlin zu fahren, „sie mit der Mauer zu konfrontieren“. Auch mit der CDU–Landtagsfraktion sei er mehrmals in der DDR gewesen. Dabei habe man keinen offiziellen Kontakt zu Funktionsträgern aufgenommen. „Wir wollten das Land und die Leute kennenlernen“, so Teufel. Auch wenn der „Tag X“ so weit weggewesen sei, sei er sich sicher gewesen, „dass ein solches System nicht überleben kann“. Er habe miterlebt, wie sich die Parole „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“ gewandelt habe. Einige hätten damals den Mut gehabt, „den Kopf herauszustrecken, ohne zu wissen, ob der Kopf danach kürzer ist“. Denn auch wenn von einer friedlichen Revolution die Rede sei, müsse man „um der Wahrheit willen auch festhalten“, dass damals einige für lange Zeit gefangen gehalten wurden. Für ihn, so Teufel, sei die Wiedervereinigung ein „großer Glücksfall der Geschichte“. Dabei habe er die Wiedervereinigung nie vorrangig als nationale Frage betrachtet, sondern als Freiheitsfrage. Schließlich seien die Menschen „vom braunen Platzregen in die rote Traufe gekommen“. Dass es Deutschland geschafft hat, eine Lösung für dieses Problem zu finden, hat das Land nach Teufels Ansicht auch den Vereinigten Staaten zu verdanken. „Wir verdanken den Amerikanern nicht viel, sondern alles.“
Ein partnerschaftliches Verhältnis zu den USA sei auch für die Zukunft wichtig, „Europa alleine wird das 21. Jahrhundert nicht schaffen“, so Teufel.
Auch Helmut Kohl ließ er in seiner Festansprache nicht unerwähnt. Der damalige Bundeskanzler habe auch ein Vertrauensverhältnis zu den kleinen Ländern Europas geschaffen. „Ich halte es für ganz außerordentlich wichtig, dass man Staaten nicht nach ihrer Quantität beurteilt.“ Europa sei Vielfalt.
In Bezug auf die Länder, die bislang der Europäischen Union beigetreten seien, sagte Teufel: „Es sind von der ganzen Kultur und Geschichte europäische Länder.“ Er bezeichnete diesen Prozess als große Investition in die Zukunft, „ich glaube, dass es eine große Chance für Europa ist“. Nun sei es wichtig, eine Europa-​Identität zu schaffen. „Wir haben die längste Phase ohne Krieg in unserer Geschichte“, so Teufel. Wer darüber nachdenke, könne nur ein Europäer sein. Durch Gesetze könne man vielleicht die Köpfe der Menschen erreichen, aber nicht die Herzen.
 

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