Delegation des Ostalbkreises in der Partnerprovinz Ravenna
„Nächstes Jahr wird sie volljährig“, erklärte Francesco Giangrandi. Der Präsident der norditalienischen Provinz Ravenna hat derzeit eine große Delegation des Ostalb-Kreistages zu Besuch. Ravenna und der Ostalbkreis hatten vor 17 Jahren eine regionale Partnerschaft begründet. Von Manfred Laduch
OSTALBKREIS. Vor zehn Jahren war zuletzt eine große Abordnung des Kreistages in der Region Emilia Romagna zu Besuch. „Es wurde mal wieder Zeit“, betonte Landrat Klaus Pavel bei der ersten Begegnung am Mittwochabend. „Die Provinz Ravenna hat mehrere Partnerschaften, aber keine wird so intensiv gepflegt, wie die mit dem Ostalbkreis“ antwortete Francesco Giangrandi. Es gebe sehr viele menschliche Beziehungen und Kontakte. Immerhin seien acht Städtepartnerschaften aus der Beziehung von Kreis und Provinz hervorgegangen. Derzeit seien Cervia und Aalen dabei, die neunte anzubahnen. „Es gab eine riesige Vorfreude und wie sind von der Gastfreundschaft einmal mehr überwältigt“, freute sich Landrat Pavel.
Die offizielle Begrüßung fand am Donnerstag im Sitzungssaal des Provinzparlaments von Ravenna statt. Dabei erhielt Präsident Giangrandi gleich zu Anfang den Applaus der
64 mitgereisten Ostälbler, als er sie im ersten Satz auf Deutsch willkommen hieß. Der Italiener schilderte die aktuelle Situation in der Provinz und stellte nach den Gesprächen des Vorabends fest, dass die Probleme in der Wirtschaftskrise denen der Gäste sehr ähnlich seien. In Ravenna sei der Tourismus die einzige Branche, die noch Zuwachs verzeichne. Leider treffe die Situation die Schwächsten am härtesten, bedauerte Giangrandi und appellierte an alle, solidarisch zu bleiben. Ein einiges Europa sei wichtig.
Klaus Pavel blieb den Gastgebern nichts schuldig und startete seine Rede auf italienisch. Selten sei der Ostalbkreis mit einer so großen Gruppe nach Ravenna gereist, betonte er und stellte aus der Delegation besonders Schwäbisch Gmünds Ersten Bürgermeister Joachim Bläse, Ellwangens Oberbürgermeister Karl Hilsenbek, Aalens früheren Ersten Bürgermeister Eberhard Schwerdtner sowie aus den Kreistags-Fraktionsspitzen Peter Seyfried (Mutlangen,
CDU), Max Fuchs (Gmünd,
SPD), Volker Grab (Ellwangen, Grüne) und Peter Traub (Oberkochen, Freie Wähler) vor.
Vor
17 Jahren, so Pavel, habe man angefangen, gemeinsam mit der Provinz Ravenna am Haus Europa zu bauen – ohne zu wissen, ob es ein kleines oder ein großes Haus werden würde. Es sei ein riesiges geworden, in dem die bestehenden und angehenden Städtepartnerschaften die neun größten Zimmer bildeten. Besonders stolz sei er darauf, dass sich die Partnerschaft aus der Begegnung von Jugendlichen heraus entwickelt habe, was für deren Zukunftsträchtigkeit spreche.
Träger der Partnerschaft seien auch nicht mehr so sehr die Kommunen, sondern die Menschen. Es gebe Wirtschaftskontakte, Schulpartnerschaften, erstklassige Sportbegegnungen und gemeinsame Projekte aus Kunst und Kultur. Gewerkschaftsvertreter aus beiden Regionen seien am Tag der Arbeit in diesem Jahr wechselseitig als Redner bei den jeweiligen Kundgebungen aufgetreten – für den Ostalbkreis sprach Josef Mischko in Ravenna.
Auf dem Programm der Ostalb-Delegation stand anschließend eine Besichtigung der Weltkulturerbe-Stätten Ravennas, der Basilika San Vitale und des Galla Placidia-Grabmals. Eine Hafenrundfahrt zeigte die beeindruckende Größe eines der wichtigsten und entwicklungsstärksten Warenumschlagsplätze an der Adria auf.
Auf besonderes Interesse stieß auch die Führung durch die „kleine Gartenschau“ mit dem Titel „Maggio in Fiore“ (Mai in Blumen). Seit
1972 gestalten befreundete Städte und Organisationen aus über einem Dutzend europäischer Länder die unzähligen Kreisverkehre in der Adria-Stadt – die wesentlich größer sind, als ihre Gegenstücke im Ostalbkreis. Den zentralen Kreisel in der Stadtmitte teilen sich in diesem Jahr die acht Ostalb-Kommunen, die eine Partnerschaft in der Provinz Ravenna unterhalten. So sieht man unter anderem neben dem Kloster Kirchheim oder dem Eingang zum tiefen Stollen in Aalen auch einen Rosstag-Wagen aus Bartholomä und ein für die Landesgartenschau
2014 werbendes Einhorn aus Schwäbisch Gmünd.
Im Anschluss an diese Führung gab es einen offiziellen Empfang durch Cervias Bürgermeister Roberto Zoffoli sowie eine Besichtigung des Salinenmuseums, das einen Überblick über die große Tradition der Salzgewinnung in Cervia bietet. Heute Abend wird die Delegation auf der Ostalb zurückerwartet.
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