Mohren-Naze-Umbau im Endspurt
Ein Gerüst verdeckt einen Großteil der Fassade, Bauschutt türmt sich in Containern und in allen Räumen wird gehämmert, gespachtelt oder geschliffen. Die Renovierung des historischen Gebäudes „Moren-Naze“ sowie der Neubau des Nebengebäudes befinden sich in der Endspurt-Phase. Von Gerold Bauer
SCHWÄBISCH GMÜND. Wo jetzt noch die Männer in den blauen Latzhosen oder im weißen Gipser-Overall mit ihren Werkzeugen das Bild bestimmen, soll schon in Kürze ein neues Kapitel der Gmünder Wirtschaftsgeschichte aufgeschlagen werden. Auch wenn man es sich beim Baustellenrundgang heute noch kaum vorstellen kann: Nächste Woche schon will im neuen Anbau (der den abgebrannten Gebäudeteil ersetzt) ein Geschäftsleute-Paar aus Gaildorf einen Mode-Laden eröffnen. Bis man sich ein Münchner Hefeweizen mit Schweinshaxe in stilvollem Ambiente schmecken lassen kann, werden allerdings noch rund zwei Monate ins Land ziehen. Unter anderem die Erfüllung behördlicher Auflagen sowie die Lieferzeiten bestellter technischer Geräte für die Gastronomie-Einrichtung sind dafür verantwortlich, dass der ins Auge gefasste Eröffnungstermin für ein bayrisch-schwäbisches Speiselokal nach hinten verschoben werden musste.
Dabei drängt angesichts der hohen Investitionen bei der Renovierung die Zeit. Denn die dafür nötigen Kredite verursachen Kosten, so dass sowohl der Hauseigentümer Helmut Maile aus Kaiserbach als auch der Pächter des künftigen Lokals, Oliver Eger aus Göppingen, möglichst bald Einnahmen erwirtschaften müssen. Maile, ein in Gmünd tätiger Finanzfachmann, war ohnehin schon öfters am Rande des Nervenzusammenbruchs, als sich der Bau immer wieder verzögerte, weil sich die Behörden nicht einig waren. Denn neben dem Stadtbauamt hat auch der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden. Hinsichtlich der Brandschutzauflagen ging es lange hin und her, ob man eine zweite Treppe als Fluchtweg braucht oder nicht. Die Treppe ist nun drin, ein Aufzug für Material beziehungsweise gehbehinderte Besucher auch. „Aber rund sieben Monate war auf der Baustelle praktisch Stillstand“. Eigentlich eine ökonomische Katastrophe für einen Investor, der das Projekt nicht etwa mit Eigenkapital realisiert. Helmut Maile ist allerdings auch ein Idealist, und seine Familie – von seiner Frau und den
17 beziehungsweise
19 Jahre alten Söhnen bis hin zu Verwandten – zieht bei dem Projekt mit. Allein für das „Ausbeinen“, sprich Entfernen alter Putz– und Farbschichten sowie Bodenbelägen und dergleichen wurden rund
8000 Stunden Eigenleistung investiert. „Ich bin angetreten, um aus einer Ruine ein Schmuckstück zu machen“, begründet Maile seine Motivation und sein Durchhaltevermögen.
Mit vergleichbarem Elan packt Oliver Eger seine Geschäfte an. Der
39-Jährige ist seit
20 Jahren in der Gastronomie tätig, davon seit sieben selbstständig, und betreibt mit Geschäftspartnern in Göppingen bereits drei Lokale. Als Gesellschafter bleibt er diesen Standorten auch künftig treu, „aber was meine Arbeitskraft betrifft, bin ich künftig zu
100 Prozent in Schwäbisch Gmünd.“ Man wird den Wirt also auch selbst am Tresen oder mit der Schürze erleben.
Was das gastronomische Konzept betrifft, merkt man Eger seine lange Erfahrung in der Bewirtung von Gästen an, wenn er seine Visionen beschreibt und dabei vor Ideen nur so sprüht. In Kooperation mit der Paulaner-Brauerei wird ein bayrisches Lokal entstehen, das auch die schwäbische Küche nicht außen vor lässt und sich über Gäste, die nur etwas trinken wollen, ebenfalls freut. Dazu gehört dann auf dem oberen Marktplatz eine Außenbewirtschaftung im Biergarten-Stil. Der Außenbereich wird von einem kleinen Tresen im Eingangsbereich bewirtschaftet. Dort gibt es auch eine kleine Bar mit Raucherzone. Den unteren Bereich kann man in der kalten Jahreszeit sogar separat mieten. Diese flexible Nutzung und ein Angebot für alle Generationen sind ohnehin sehr wichtig für die Bewirtung im „Mohren-Naze“. Der Durchgang zum Gastzimmer im Neubau-Teil kann geschlossen werden, so dass dort zum Beispiel geschäftliche Besprechungen als geschlossene Gesellschaft möglich sind. Ein „Beamer“ für Präsentationen wird vorhanden sein, verspricht der künftige Wirt. Durch einen etwas anderen Mobilar-Stil werden sich die Gaststuben im Alt und Neubau klar unterscheiden.
Durch das neue Lokal entstehen auch Arbeitsplätze. Neben dem Chef wird es zwei Köche, zwei Küchenhilfen und zwei festangestellte Service-Kräfte geben. „Und natürlich nach Bedarf noch Teilzeitkräfte“, so Oliver Eger. Ende Oktober, vielleicht schon beim verkaufsoffenen Sonntag im Rahmen des „Gmünder Herbstes“ soll die Eröffnung sein.
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