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» Ostalbkreis | Montag, 07. September 2009

250-​Jahr-​Jubiläum der evangelischen Kirchengemeinde Gschwend

Die evangelische Kirchengemeinde Gschwend feiert gemeinsam mit ihrer Kirche den 250. Geburtstag. Im Jahr 1759 begann in Gschwend das eigenständige kirchengemeindliche Leben. Von Dorothee Wörner

GSCHWEND. Wer die Kirchengemeinde heute erlebt mit ihren vielfältigen Angeboten, beginnend bei der hervorragenden Jugendarbeit, über die Hauskreise, Mutter-​Kind-​Gruppen, verschiedene Chöre, Frauen– Männer– und Seniorentreffpunkte und vielem mehr, der ist erstaunt über das kirchengeschichtlich fast jugendliche Alter von 250 Jahren Kirche und Kirchengemeinde.
Diese Kirchengemeinde , die an den Brand der Kirche im Jahr 1857 noch heute mit der Feier eines Brandabendmahls erinnert und die mit dem alljährlichen Einholen des Garbenwagens bäuerliche Traditionen als Zeichen der Dankbarkeit pflegt, musste zu früheren Zeiten, bis zur Grundsteinlegung der Kirche, die Gottesdienste in die Nachbargemeinden Frickenhofen und Kirchenkirnberg feiern. Für die Jubiläumsfeierlichkeiten zogen sich die Vorbereitungen über viele Monate hinweg und fanden ihren Höhepunkt am Wochenende in einem Festabend am Samstag und in einem Gemeindefest am Sonntag. „Wir haben uns zu unserem Fest ein besonderes Geschenk gemacht“, sagte Pfarrer Siegfried Jahn in seiner Begrüßungsrede am Samstagabend in der Kirche. Gemeint war der Chor Canto bello, bestehend aus jugendlichen Sängerinnen und Sängern aus dem süddeutschen Raum, die unter der Leitung von Professor Wilfried Maier sakrale Werke sehr sicher und klar vortrugen und damit den festlichen Rahmen bildeten. Zahlreiche Gemeindemitglieder waren gekommen, außerdem feierten auch Pfarrerskolleginnen und –kollegen aus den Nachbargemeinden mit. Als ehrenamtlich überaus engagiertes Mitglied der Kirchengemeinde hatte Eberhard Zimmer die Moderation des Abends übernommen.
Er freute sich verschiedene Ehrengäste begrüßen zu dürfen. Besonders willkommen hieß er Landtagspräsident a.D. Erich Schneider, der eine große Verbundenheit mit der Gemeinde Gschwend pflegt. Ein Grußwort sprach der Vorsitzende der Bezirkssynode Gaildorf, Eberhard Schneider, der die Erklärung dafür gab, warum die evangelische Kirchengemeinde Gschwend zum Kirchenbezirk Gaildorf gehört, denn schließlich sei es die Limpurg-​Gaildorfer Gräfin Juliane Dorothea gewesen, die in ihrem Testament bestimmte, von den Zinsen eines zur Verfügung gestellten Kapitals von 1000 Gulden eine Pfarrstelle in Gschwend zu schaffen.
In weiteren Grußworten dankte MdB Christian Lange (SPD) der evangelischen Kirche ganz allgemein für die Einmischung in den politisch, gesellschaftlichen Raum, Bürgermeisterin Rosalinde Kottmann bedankte sich im Namen der bürgerlichen Gemeinde für die gute Zusammenarbeit. Sie hob die geleisteten Arbeiten im Vorfeld hervor und die schön gestaltete Festschrift. Pfarrer Achim Ehring aus Frickenhofen ging humorvoll auf die traditionellen Beziehungen zur ehemaligen „Mutterkirche“ in Frickenhofen ein, die sich heute in einem überaus partnerschaftlichen Verhältnis darstellen.
Amüsant und originell war eine Bildpräsentation der Jugendmitarbeiter zur Ortskirchengeschichte. Dabei wurde der Brand der Kirche dargestellt und Heinrich Prescher (17491827), der viele Jahre in Gschwend Pfarrer war und der Namensgeber der jetzigen Gschwender Grund– und Hauptschule ist. In Schwarz-​weiß-​Aufnahmen wurde der Beginn der Jugendarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt und bunte Bilder zeigten was die Jugendlichen heute im Rahmen der Kirchengemeinde erleben und wo sie sich engagieren.
Der Höhepunkt des Festabends war der Vortrag von Prälat Hans-​Dieter Wille aus Heilbronn zum Thema „Evangelium der Freiheit oder die Bedeutung der Kirche für das Zusammenleben in der Demokratie.“ Er fand mahnende Worte, wobei er keinen gesellschaftlichen Bereich ausließ. Die Kirche habe Einfluss auf die Politik, als historisches Beispiel nannte er die Reformation, als Beispiel der jüngeren Vergangenheit erwähnte er die Montagsgebete im ehemaligen Ostdeutschland. Sehr überzeugt sprach er von der Zivilcourage, Gewissen und Vernunft, als Elemente die einen freien Menschen ausmachen.
Das Motto der Jubiläumsfeierlichkeiten lautete „Kirche mitten im Dorf — mitten im Leben“. Dieses Motto wurde in vielen Aktionen nach dem Festgottesdienst am Sonntag umgesetzt. Beim morgendlichen Gottesdienst hielt Landesbischof i.R. Dr. Gerhard Maier die Festpredigt, anschließend versammelte sich die Gemeinde auf dem Platz beim Gemeindehaus und rund um die Kirche, wo MdB Norbert Barthle (CDU) gratulierte und der Gschwender Musikverein die Gäste mit schmissigen Melodien unterhielt.
 

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