Der besondere Reiz des Flohmarkts
Geschirr, Kleidung, Schmuck, Souvenirs aus dem Urlaub und Raritäten von anno dazumal — ein Bummel über den Flohmarkt ist zugleich eine kleine Zeitreise in ferne Länder und längst vergangene Tage. Die Rems-Zeitung hat sich am Samstag auf dem Flohmarkt bei der Firma Schoell umgesehen. Von Nicole Beuther
SCHWÄBISCH GMÜND. Es ist kalt und windig, schlicht einfach ungemütliches Wetter an diesem Samstagmittag. Es ist so ein Tag, an dem man sich am liebsten zu Hause in eine Decke einmummelt und eine Tasse Tee trinkt. Rita Kistner denkt gar nicht daran, zu Hause zu bleiben. Schon um sechs Uhr hat sich die Flohmarktverkäuferin mit ihrem Mann von Spraitbach auf den Weg nach Schwäbisch Gmünd gemacht. Ein zweiwöchiges Ritual, das seit fünf Jahren zum Leben der Kistners gehört. Sie machen es, um neben der Rente „bissle Geld“ zu verdienen. Dass sie schon frühmorgens hierherkommen, liegt einfach daran, dass sie bei schönem Wetter einen Schattenplatz haben möchten, erklärt Rita Kistner, während sie ihren Schirm öffnet und ihn behutsam auf den Verkaufstisch stellt. Schließlich sollen der Schmuck und die Uhren nicht nass werden. Ideales Flohmarktwetter herrscht an diesem Tag nämlich nicht. Kein Problem für die
58-jährige Spraitbacherin. Mit einer großen Plastikfolie hat sie die übrigen Waren, vor allem Kleidung befindet sich darunter, abgedeckt. Regnet es stärker, kommt noch eine große Decke darüber. Kistner lässt sich von dem Regenschauer nicht die Laune verderben. Sie ist eisigere Temperaturen gewohnt. So gehört sie im Winter zum festen Stamm der Flohmarktverkäufer auf dem Schießtalplatz. Hier ist sie auch immer dann anzutreffen, wenn auf dem Gelände der Firma Schoell gerade kein Flohmarkt ist. Während die Kistners ausschließlich Neuwaren verkaufen, gibt es bei der
55-Jährigen am Nachbarstand vor allem Gebrauchtwaren zu kaufen. „In Gmünd kann man sehr gut Kleidung und Bettwäsche verkaufen“, zieht die Aalenerin einen Vergleich zu Bayern, wo sie ebenfalls Flohmarktartikel verkauft; „dort werden viel mehr Gebrauchtsachen gekauft“.
Gerd Hammer und Anna Bopp kommen zwar nicht aus Bayern. Aber Gebrauchtsachen vom Flohmarkt haben sie trotzdem schon jede Menge erworben. Die beiden sind zwei der zahlreichen Besucher, die an diesem Samstag über den Flohmarkt bummeln. Vom Spätzlesbrett über Bücher bis hin zu Werkzeugen — die Bandbreite dessen, was die Heubacher schon alles auf Flohmärkten gekauft haben, ist groß. Gerd Hammer schätzt die „alte, gute Qualität“ der Werkzeuge, die er auf diese Weise erworben hat. „Die sind besser als die vom Discounter“, findet er. Auch Annett Logaritis besucht gerne die Gmünder Flohmärkte, „ich habe gemerkt, dass es Sachen gibt, die man in den Läden nicht findet“.
Anna und Romolo Angelucci aus Stuttgart lieben vor allem ältere Raritäten. Kürzlich erst habe sie einen Spiegel und eine Lampe auf einem Flohmarkt erworben, erzählt Anna Angelucci. Die Italienerin und ihr Mann besuchen Flohmärkte in ganz Baden-Württemberg. „Im Internet haben wir eine Homepage gefunden, auf der zahlreiche Flohmärkte in Baden-Württemberg aufgelistet sind“, erzählt Anna Angelucci, die bedauert, dass die Standorte der Gmünder Flohmärkte nicht so gut ausgeschildert sind.
Eva und Jessica Bisetto hatten an diesem Samstag den kürzesten Anfahrtsweg aller Flohmarktverkäufer. Die beiden kommen aus Hussenhofen. Vor zwei Jahren seien sie schon mal hier gewesen, erzählen Mutter und Tochter, die ihre Dachbodenfunde werbewirksam auf ihrem Tisch ausgelegt haben. Vor allem Raritäten aus Omas Zeiten finden sich hier wieder. Museumsreif wirken die zwei Schreibmaschinen. Auch die Kamera und die alte Kaffeemühle laden zu einer gedanklichen Zeitreise ein. Besonders gut hätten sich am Vormittag alte Porzellanfiguren, Uhren sowie Kinderspielzeug verkauft, erzählt Jessica Bisetto zufrieden. In zwei Wochen möchte sie wieder kommen, mit einigen neuen Waren, denn „viele Dinge haben gar nicht ins Auto gepasst“. Dann werden vermutlich auch Lisa Federsel und Tanja Berti wieder da sein. Handtaschen, Bierkrüge, Schallplatten und auch elektrische Geräte hätten sie schon verkauft, lassen die Flohmarkt-Neulinge den ersten Verkaufstag Revue passieren. „Das wollten wir schon immer mal machen“, erzählt die
22-jährige Lisa Federsel. Die beiden Freundinnen scheinen auf den Geschmack gekommen zu sein. „Nächste Woche kommen wir wieder.“
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