Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 08. September 2009

Der neue Altar mit Ambo und Kredenz im Münster

Veränderungen sind geprägt von Neugierde und auch von gewisser Wehmut. Beides zeugt von seelischer Verbundenheit und begleitete gestern Morgen den Einzug des neuen, von Bildhauer Klaus Simon gestalteten Altar-​Ensembles ins Gmünder Münster. Von Heino Schütte

SCHWÄBISCH GMÜND. Von einem historischen Augenblick fürs Heilig-​Kreuz-​Münster zu sprechen, das ist gewiss nicht übertrieben. Denn ganz intensiv beschäftigte sich die Kirchengemeinde in den letzten fünf Jahren mit theologischen, kulturhistorischen und künstlerischen Fragen der Neugestaltung des Altarraums. Hierbei wurde teils auch heftig gestritten, oft sehr emotional sogar. Das Spannungsfeld: Unbedingtes Festhalten an der Historie des sakralen Wahrzeichens von Schwäbisch Gmünd kontra sinnvolle Umsetzung der Grundlagen aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die rund 3000 Teilnehmer des berühmten Konzils unter der Führung von Papst Johannes XXII. befassten sich 1962 und 1965 mit vielen Fragen der Erneuerung der katholischen Kirche. Dogmatische Grundsätze wurden reformiert, pastorale und besonders auch ökumenische Neuorientierungen eingeläutet. Neu hieß in diesem Zusammenhang auch Erinnerung an das urchristliche Miteinander. In zurückliegenden Jahrhunderten hatten sich Volk und Klerus sehr weit voneinander entfernt, was in der räumlichen Gestaltung der Gotteshäuser sichtbar wurde und darin teils bis zum heutigen Tag zum Ausdruck kommt: Im Kirchenschiff die Gemeinde, dann im herrschaftlichen Abstand ganz weit hinten der unnahbar erscheinende Hochaltar. In der Liturgie spornte das besagte Konzil zum neuen Zusammrücken der Gemeinde möglichst nahe am Tisch des Herrn an. Dies setzte jedoch ein Umdenken der Kirchenarchitekten voraus. Aber auch tiefgreifende Diskussionen in Gemeinden, die sakrale Baudenkmäler in ihrer Obhut haben. So auch die Münstergemeinde in Schwäbisch Gmünd. Die Maximallösung einer umfassenden Umgestaltung des Chorraums wurde nach heftigen Diskussionen verworfen. Münsterpfarrer Robert Kloker bemühte sich von Anbeginn an um eine sachbezogene Diskussion mit hochinteressanten Vortrags– und Diskussionsveranstaltungen. Die maßvolle Lösung ist nun das neue Altar-​Ensemble, von Stein– und Holzbildhauer Klaus Simon aus Krefeld gestaltet und von einer Kommission der Münstergemeinde begleitet. Seit fast einem Jahr beschäftigte sich der Künstler mit diesem Werk, wobei er sehr viel Symbolik des Glaubens umsetzte. Eine mächtige amerikanische Eiche, die ein Förster aus dem Odenwald ihm sozusagen ans Künstlerherz legte, bildete das Rohmaterial. Die Eiche war zwar krank, erwacht nun jedoch zu einem neuen Leben. Für die Ewigkeit bestimmt. Rustikal, zeitlos, urchristlich. Ein mächtiger, rund eineinhalb Tonnen schwerer Altar. Aus seinem Innersten scheint der Ambo (Redner-​/​Verkündigungspult) gesägt zu sein. Dazu die Kredenz (für das Bereitstellen der Kommunion) mit naturbelassenen-​konfusen Rissen, zu einem klar ausgeprägten Kreuz orientiert. Darin sieht der Künstler die Menschen, die beim Abendmahl zum festen Glauben finden. Klaus Simon und Münsterpfarrer Robert Kloker zeigten sich gestern mit ihren vielen Helfern glücklich, als der Altar erstmals im Münster stand und seine spannende, kontrastreiche Wirkung aufs gotische Mauer– und Säulenwerk ausstrahlte. Ein bisschen Wehmut war auch vertreten, denn seit den 60er-​Jahren des letzten Jahrhunderts gab es im Münster keine so deutliche Veränderung. Die Altarweihe wird am Sonntag um 9.30 Uhr mit Bischof Fürst im Rahmen eines Festgottesdienstes zelebriert, wobei auch eine Reliquie in den Sockel eingebracht wird.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen