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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 09. September 2009

War die Stadtverwaltung bei dieser Demontage im Innenhof des Kulturzentrums Prediger zu voreilig?

Es ist der ewige Konflikt zwischen kultureller und gesellschaftlicher Nutzung des Prediger, der im Zusammenhang mit der erfolgreichen DaimlerKunstausstellung nun erneut in die Diskussion gerückt ist: Vereine und Schulen vermissen die Theke im Innenhof. Von Heino Schütte

SCHWÄBISCH GMÜND. Von einer „Nacht– und Nebelaktion“ sprach unlängst gar der enttäuschte Stadtrat, Vereinskenner und erfahrene Prediger-​Bewirtschafter Albert Scherrenbacher am Rande des Besuchs von Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Denn die einschneidende Maßnahme der Stadtverwaltung sei zwar in einer Arbeitskommission besprochen, jedoch im Gemeinderat nie beschlossen worden. Scherrenbacher zeigt absolut Respekt vor den Leistungen des Museums unter der Leitung von Dr. Gabriele Holthuis: Hochkarätige Ausstellungen strahlen für Gmünd landesweit als Besuchermagnet aus. Doch im mindestens gleichen Umfang, so gibt der populäre Stadtrat und Metzgermeister (Mitglied in über 50 Vereinen!) zu verstehen, seien es doch auch die beliebten Gesellschafts– und Brauchtumsveranstaltungen, die Zehntausende Gäste in den Prediger und damit nach Schwäbisch Gmünd führen. Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Gmender Fasnet führt als Beispiel das Internationale Guggenmusikfestival oder auch den Kehraus mit Silbermännle-​Prämierung im Kultur– und Bürgerzentrum Prediger an.
Als Kulturstaatsminister Bernd Neumann aus Berlin sein Besuchsprogramm in Schwäbisch Gmünd absolvierte, kredenzten die Gastgeber „ein Stück Gmünder Kulturgut“ (Stadtrat Christian Baron) zum Mittagessen: Leberkäsbriegel. Die Bewirtung geschah ziemlich improvisiert mit eilends aufgeklappten Tischen zwischen der hochkarätigen Daimler-​Kunst im Innenhof des Prediger. Der Grund: Den repräsentativen und praktischen Thekenbereich hat die Stadtverwaltung offenbar im Vorgriff auf die geplanten Prediger-​Umgestaltungen bereits abreißen lassen. Die Klage angesichts eines fehlenden Bewirtschaftungsbereichs im multifunktionalen Prediger war auch schon vor den Sommerferien im Zusammenhang mit dem Reigen der Schul– und Vereinskonzerte der Rems-​Zeitung zu Ohren gekommen: Mitglieder, Schüler und Eltern verdienen stets ein paar Euro, wenn sie in Konzertpausen Getränke, Gebäck oder Wurstwecken verkaufen können. Auch dafür mussten nun plötzlich Tische organisiert und irgendwo am Rande der Daimler-​Kunst aufgestellt werden. Die äußerst erfolgreiche Ausstellung geht ja nun am kommenden Sonntag zu Ende. Und viele Prediger-​Nutzer haben die Erwartung, dass der demontierte Thekenbereich, der auch stets sehr kommunikativ wirkte, wieder in den Innenhof der Bürger– und Kulturzentrums heimkehrt. Diese Erwartung wird enttäuscht. Denn es handelt sich offenbar um einen Abbruch.
Kulturbürgermeister Dr. Joachim Bläse verspricht auf Anfrage unserer Zeitung jedoch eine baldige Ersatzlösung mittels einer „rollenden Thekenvariante“. Die aufgetauchte Kritik an der Vorgehensweise will Bläse nicht gelten lassen. Die Thekendemontage sei innerhalb einer Arbeitskommission beraten und einvernehmlich beschlossen worden. Dieser gehören auch Vertreter der Vereinslebens an; und auch Stadtrat Scherrenbacher. Anlass sei zunächst die Daimler Kunst-​Ausstellung gewesen. Deren Realisierung sei an die Bedingung geknüpft gewesen, dass der fest eingebaute Schank– und Bewirtschaftungsbereich entfernt werde. Weil ja eh die umfassenden Umgestaltungsmaßnahmen für den Prediger anstehen, sei die Entscheidung für die komplette Demontage naheliegend gewesen. Doch habe er sogleich auch seinerseits dafür plädiert, eine mobile Ersatzlösung zu schaffen, damit für die unterschiedlichen Anlässe eine Schank– und Bewirtschaftungsmöglichkeit im Innenhof selbstverständlich gegeben bleibt. Albert Scherrenbacher bestätigt diesen Ablauf, betont aber, dass er nicht als Repräsentant des Gemeinderats dieser Kommission angehöre, sondern als Vertreter der AG Fasnet und der Vereine. Nur unter der Bedingung, dass da umgehend wieder eine Theke mit Wasser– und Abwasseranschluss geschaffen werde, habe er Zustimmung signalisiert. Nunmehr zeichne sich jedoch eine zeitliche Verzögerung der Umbaumaßnahmen aus haushaltspolitischen Gründen ab. Er glaube, dass nun mindestens ein halbes Jahr gar nichts mehr passiere, so dass der Abbruch der funktionsfähigen Prediger-​Theke leider ziemlich voreilig gewesen sei.
 

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