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» Ostalbkreis | Mittwoch, 27. Januar 2010

Schon lange nicht mehr gehört: Thomas Friz blätterte im legendären Liederbuch Zupfgeigenhansel

Seit über 100 Jahren ist es in Deutschen Landen auf der Musikanten-​Walz, dokumentiert ein halbes Jahrtausend deutscher Volkslieder, ein Millionen-​Bestseller der völlig unspektakulären Art: Das legendäre Liederbuch „Zupfgeigenhansl“. Von Karl Schönweiler

MUSIK. Mit dem einstigen „Zupfgeigenhansel“, Thomas Friz hatten die Veranstalter, die Ökumene der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden Ottenbach einen ebenso legendären Vertreter dieser Lieder eingeladen.
Und Thomas Friz holte im vollbesetzten evangelischen Gemeindehaussaal nicht nur die „Zupfgeige“ aus dem Koffer, sondern eine ganze Menge lange nicht mehr gehörter, doch vielfach noch bekannter Lieder hervor.
Zunächst gab er jedoch dem Büchlein selbst die Ehre. Zusammengestellt und erstmals herausgegeben 1908 von dem Heidelberger Medizinstudenten und späteren Arzt Hans Breuer wurde es seither in verschiedenen Bearbeitungen immer wieder auf neu aufgelegt. Bereits 1927 waren über 800 000 Exemplare gedruckt worden. Mit den Ausgaben und den jeweiligen Zeitepochen orientierte sich auch jeweils das Vorwort neu.
Entstanden aus der Wandervogel-​Bewegung, mit Wander– Handwerks– und Soldatenliedern, sowie Liebesliedern, Tänzen, Balladen und geistlichen Liedern. Im Laufe der Zeit öffnete es sich politischen Liedern und Protestsongs. Thomas Friz erinnerte an die Burg Waldeck und den „Nerother Wandervogel“ und dabei besonders an den aus Göppingen stammenden Waldeck-​Sänger und Liedforscher Peter Rohland. In der Ausgabe des „Neuen Zupfgeigenhansl“ von 1983 ist neben allen bekannten Liedermachern auch das Duo „Zupfgeigenhansel“ mit Thomas Friz vertreten.
Und so sang und spielte er, der vielen altvertraute Sänger mal verhalten, mal galoppierend. Ob in leisen, zarten Tönen, mit brüchig-​melancholischer oder reifer, kräftiger Stimme: „Ich will mein Glück probieren — marschieren“, oder „Es wollt ein Mädchen früh aufstehn“. Er sang vom „Tod von Basel“ (Bi-​Ba-​Basel), „Ein grüner Berg, ein dunkles Tal“, es erklang das Zwiegespräch: „Ach Mutter, liebste Mutter mein, gib mir ein’ guten Rat“ (welcher damit endet, dass sich die Tochter rote Unterhosen anziehen soll) und hinterher das „Ehestandslied“.
Zwischendurch verwandelte er sich in Thaddäus Troll, bei dem Thomas Friz in frühen Stuttgarter Tagen öfters zu Hause war. Er streute sarkastisch-​witzige Alltagsbegebenheiten, trefflich beobachtet und „furztrocken“ reflektiert, Menschliches und Allzumenschliches in echtem schwäbischem Troll-​Ton in die zeitweise mucksmäuschenstille Zuhörermenge, als würde der alte Schwabe eben selber sinnieren. Als Bonbon gab es dann noch den herrlich entenklemmerischen Reisebericht ans Nordkap (- kennsch en ja, da Vadder -).
Bei den Versen aus der Munderkinger Ballade „Pfarrers Magd hot a Kendle kriagt“ aber auch bei dem schönen Lied „Und in dem Schneegebirge“ gewann er sein Publikum zum Mitsingen und rundete schließlich mit Liedern wie „Rosen im Dezember“, „Alte sind halt Alte“ und „Was Kinder brauchen“, ein umfangreiches, kurzweiliges Programm ab. Lang anhaltender Beifall.
 

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