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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 27. Januar 2010

Wolfgang Gundlach stellt am heutigen Gedenktag seinen Wunsch für die Stadt vor: Menschenwürdiges Erinnern

Wolfgang Gundlach initiiert die Fortsetzung einer Aktion, mit der Gmünd sich seiner toten jüdischen Mitbürger erinnern soll: Stolpersteine für Herzen.

SCHWÄBISCH GMÜND. Am heutigen 27. Januar vor 55 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der roten Armee befreit. Die Vereinten Nationen (UN) haben deshalb im Jahre 2005 den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an den Holocaust erklärt.
Auch aus Schwäbisch Gmünd wurden 21 Bürger jüdischen Glaubens in die Nazi-​Konzentrationslager verschleppt und dort einfach „in die Luft gejagt“, erklärt Wolfgang Gundlach. Drei dieser Gmünder Bürger kamen nach Auschwitz. „Woher ich das weiß? Es gibt zwei Gmünder Autoren, die das Schicksal der Gmünder Juden beschrieben und aufgeschrieben haben“, so Gundlach, und bezieht sich dabei auf Ernst Lämmles „Die Gmünder Juden“ und Ortrud Seidel mit ihrem Buch „Mut zur Erinnerung“. Beide Bücher sind noch erhältlich.
Um den ermordeten oder vermissten Bürgern jüdischen Glaubens ihre Menschenwürde zurückzugeben, erfand der Kölner Bildhauer Günter Demnig die „Stolpersteine“. Sie liegen bereits in 480 Orten in Deutschland, aber auch in Österreich, Ungarn und in den Niederlanden. Die Stolpersteine erinnern an die Opfer der NS-​Zeit, in dem vor ihrem letzten Wohnsitz Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir verlegt werden. Auch in Gmünd liegen bereits einige dieser Stolpersteine, so in der Alleestraße und auf dem Marktplatz vor dem Haus der Dresdner Bank. Diese Stolpersteine wurden angeregt durch eine 8. Schulklasse der Realschule „Franz von Assisi“ in Waldstetten unter ihrem Lehrer Tilman John. Wolfgang Gundlach, ein engagierter Gmünder Bürger, möchte diese Aktion jetzt weiterführen und den weiteren jüdischen Opfern eine menschenwürdige Erinnerung geben. Intention der Aktion ist unter anderem, den NS-​Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Außerdem soll die Markierung der Tatorte, häufig mitten in belebten Innenstadtquartieren – wie dem Gmünder Marktplatz, der Bocks– oder der Ledergasse –, die von einigen Zeitzeugen vorgebrachte Schutzbehauptung, dass man von den Deportationen nichts mitbekommen habe, in Frage stellen. Trotz des Namens Stolpersteine geht es nicht um ein tatsächliches „Stolpern“ – oder wie es ein Schüler einst formuliert hat: „Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“.
 

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