Überreichung der Urkunde gestern Abend in einer Feierstunde
Ein Mann dem sogar der „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ große Kompetenz attestieren, durfte sich gestern über eine ganz besondere Ehrung freuen. Rudolf Böhmler, Staatssekretär a.D. und Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank ist der erste, dem die Gmünder PH ehrenhalber einen Doktortitel verliehen hat. Von Gerold Bauer
SCHWÄBISCH GMÜND. Von einem „Anlass mit hohem Stellenwert im akademischen Leben“ sprach PH-Rektor
Prof. Dr. Hans-Jürgen Albers und betonte, dass die Ehrendoktorwürde deshalb auch nur sehr selten vergeben werde.
2400 Studierende habe die Pädagogische Hochschule derzeit, und es gehöre zum studentischen Leben, dass man für berechtigte Anliegen streikt. „Deshalb ist der größte Hörsaal momentan besetzt — und so haben wir Alt-
68er eben heute Abend den zweitgrößten Hörsaal besetzt!“, so der Rektor.
Nachdem
Prof. Albers das Verfahren für die Vergabe eines „
Dr. h.c.“ erläutert hatte, schilderte er in Streiflichtern die berufliche Karriere des zu Ehrenden, der ab
1982 in leitenden Positionen bei Landesministerien wirkte und bis zum Staatssekretär aufstieg. Nach seiner Berufung in den Bundesbank-Vorstand habe sich der studierte Jurist in sehr kurzer Zeit einen exzellenten Ruf erworben und sich dort unentbehrlich gemacht.
Darüber hinaus sei er aufgrund seiner detaillierten Kenntnisse über die Welt des Geldes ein gefragter Redner bei Veranstaltungen. Hinzu komme, so der Rektor weiter, habe sich Rudolf Böhmler auch im akademischen Bereich, zum Beispiel als Lehrbeauftragter und Mitglied in Hochschulgremien Verdienste erworben sowie die praktische Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse gefördert. „Die PH Gmünd gewinnt durch die Verleihung der Ehrendoktorwürde mit Ihnen auch einen wertvollen Botschafter“, stellte
Prof. Dr. Albers abschließend heraus.
Die Dekanin der Fakultät II,
Prof. Dr. Erika Brinkmann, brachte die Überzeugung zum Ausdruck, das man für die Premiere einer Ehrendoktor-Verleihung die richtige Person gefunden habe. Rudolf Böhmler habe sich stets im kulturellen Sektor und im Bildungsbereich engagiert. Ihr Grußwort nutzte die Hochschullehrerin, für klare Aussagen zur Bildungspolitik. Pläne, das Studium für angehende Grundschullehrer zu verkürzen, nannte sie groben Unfug. „Gerade in der Grundschule brauchen wir die besten Pädagogen. Denn in diesem Alter wird das Fundament für die Bildung eines Menschen gelegt — und wenn das Fundament nicht tragfähig ist, nützen später auch die schönsten Aufbauten nichts“.
Der Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold funktionierte sein Grußwort zu einer Laudatio um und beleuchtete recht detailliert den Werdegang von Rudolf Böhmler — unter besonderer Berücksichtigung dessen, was Böhmler in und für seine Heimatstadt geleistet habe. Arnold würdigte den „brillanten analytischen Verstand“ und die „nötige Portion kritischer und aufrechter Hartnäckigkeit“, die beim heute zu Ehrenden mit „einer toleranten, offenen und stets neugierigen Geisteshaltung“ einhergehe.
Wer mit Rudolf Böhmler spreche, erkenne schnell, dass jener sich wohltuend von der oft seichten Spaßgesellschaft abhebe. „Ich bin stolz darauf, einen solchen Menschen hier in unserer Mitte in Schwäbisch Gmünd zu wissen. Einen Menschen, den ich dankbar und in aller Bescheidenheit auch durchaus einen Freund und langjährigen Weggefährten nennen darf.“
Er wisse, dass Böhmler nicht auf Auszeichnungen scharf sei, sondern das Motto „Taten statt Titel“ gewählt habe. Die Auszeichnung am heutigen Abend solle jedoch ein Zeichen der Wertschätzung sowie ein Symbol der Verbundenheit und des Dankes sein. „Böhmlers ganz eigene Begabung, mahnende Wegweisung und Ratschläge mit klugem Humor und einer außergewöhnlichen Weitsicht zu verbinden, hat uns stets aufs Neue fasziniert“, sagte der Gmünder OB. Arnold listete nicht zuletzt die ehrenamtlichen Tätigkeiten von Rudolf Böhmler in Gmünd auf: Gründungsmitglied und organisatorischer Leiter des Philharmonischen Chors, Vorsitzender des Stadtverbandes Musik und Gesang, Seit der Gründung Vorsitzender des Arbeitskreises Kultur, organisatorischer Leiter des St. Michael-Chorknaben und darüber hinaus ein begeisterter Sänger.
Dass ihn dieser Abend tief bewegt und verlegen gemacht hatte, brauchte Rudolf Böhmler — pardon, zu diesem Zeitpunkt ja bereits
Dr. Rudolf Böhmler, nicht zu betonten. Man sah es ihm an und man hörte es an seiner Stimme. Er habe diese Auszeichnung gerne angenommen — zum einen weil er wisse, dass diese von deutschen Hochschulen sehr zurückhaltend vergeben werde; zum anderen, weil die Ehrung von einer Hochschule aus seiner Heimat komme. Er sei in vielerlei Hinsicht mit der Gmünder PH verbunden — zum Beispiel habe er damals in Stuttgart in jener kritischen Zeit, als es um die Schließung der Gmünder PH ging, die Verantwortung getragen. Die aktuelle Zahl der Studierenden zeige, dass man damals die richtige Entscheidung getroffen habe. Wie vom Publikum erwartet, nahm Böhmler auch zur Wirtschafts– und Finanzkrise Stellung. Die große Depression sei Gott sei Dank nicht eingetreten und die Wirtschaft erhole sich langsam. Aber leider seien gerade in der Finanzwelt Katastrophen ziemlich schnell vergessen und man gehe zur Tagesordnung über. Dabei sei es wichtig, durch gründliche Analyse aus der Krise zu lernen. Sie sei möglich gewesen, weil bei innovativen Finanzprodukten die Risiken völlig unterschätzt wurden. „Finanzmärkte brauchen in Zukunft eine starke Regulierung, aber keine Strangulierung“, so Böhmler, und es wäre kein Schaden, wenn das Denken der Banken wieder konservativer würde. Staaten, die tiefe Löcher in ihre Etats gerissen haben, um die Krise abzufedern, müssten nun ihre Haushalte konsolidieren. Für Deutschland als Stabilitätsanker der
EU komme dabei die Rolle zu, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Vor nicht gegenfinanzierten Steuererleichterungen warnte Böhmler ausdrücklich. „Was wir brauchen, ist eine Kultur des Maßhaltens. Wir müssen unsere Ansprüche der Wirklichkeit anpassen!“
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